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Digitaler Unterricht : Office-Paket gratis für alle Schüler

Homeoffice: Wegen der Corona-Pandemie müssen Schüler zuhause lernen - vielleicht auch noch nach den Osterferien. Bild: AFP

Für den digitalen Unterricht fordern Frankfurter Eltern- und Schülervertreter eine Standardlösung. Doch die Bildungsdezernentin ist dagegen.

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          Wenn alle Frankfurter Schüler auf ihren Computern die Office-Programme von Microsoft hätten und nichts dafür bezahlen müssten, dann brächte das den digitalen Unterricht deutlich voran. Das meint eine Elterninitiative, die dafür auch eine Internet-Petition ins Leben gerufen hat. Bisher sei die Digitalisierung im städtischen Bildungswesen „ein Flickenteppich“, heißt es in dem Aufruf. „Gerade jetzt durch die Corona-Krise wird dies sehr deutlich. Jede Schule geht eigene Wege, und bildungsferne Kinder sind ohne die entsprechende Infrastruktur abgehängt.“

          Matthias Trautsch

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Stadtschülerrat, das Medienzentrum und der Verein „Eltern für Schule“ unterstützen den Vorstoß, dessen Ziel es ist, für alle Schüler sogenannte „work@home“-Lizenzen des amerikanischen Softwarekonzerns zu kaufen. Für die Lehrkräfte werden die Lizenzen schon angeboten: Sie bekommen sie gegen eine Gebühr von fünf Euro über das städtische Medienzentrum. Damit können sie am heimischen Computer alle gängigen Office-Programme installieren – etwa für Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, E-Mail-Korrespondenz, Terminplanung und zum Erstellen von Präsentationen.

          „Wegen Corona schnell und unbürokratisch handeln“

          Der Initiative gehören Elternbeiräte vom Goethe-Gymnasium, vom Gymnasium Riedberg, von der IGS Kalbach-Riedberg, der Römerstadtschule und der Liebigschule an. Die Petition richtet sich insbesondere an Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) und IT-Dezernent Jan Schneider (CDU). Nach Ansicht von Eckhard Gathof, Elternbeirat am Goethe-Gymnasium, würde die Ausstattung mit dem Office-Paket zu einer wünschenswerten Standardisierung führen. Die Kosten für das Microsoft-Angebot seien überschaubar, es gebe damit bereits Praxiserfahrungen der Lehrer, und auch datenschutzrechtlich bestünden keine Einwände. Weil in der Corona-Krise bis auf Weiteres kein regulärer Unterricht stattfinden könne, müsse die Stadt schnell und unbürokratisch handeln, meint Gathof.

          Wie die Elternvertreter sieht es auch der Stadtschülerrat. Es sei wichtig, bis zum Ende der Osterferien einen „Rahmen“ für den digitalen Unterricht zu schaffen. Das sogenannte Pädagogische Netz, das die Stadt den Schulen für den regulären Unterricht anbietet, sei nicht für Zugriffe von außen gedacht. Somit fehle derzeit die Möglichkeit zur sicheren Datenablage und Kommunikation, für „Webinare“ und Videokonferenzen. Hierfür tauge auch das vom Land empfohlene Hessische Schulportal nicht, weil es noch am Anfang seiner Entwicklung stehe, nur für wenige Schulen eingerichtet sei und wenig Speicherkapazitäten habe.

          Der Stadtschülerrat kritisiert, dass sich die Schulen deshalb zu „Alleingängen“ gezwungen sähen. Die Versuche, verschiedene, frei verfügbare Software und Smartphone-Apps – etwa Messenger-Dienste wie Whatsapp und Filehosting-Dienste wie Dropbox – zu nutzen, brächten rechtliche und technische Schwierigkeiten mit sich. Erschwert werde die Lage auch durch die unterschiedliche Hardware-Ausstattung in den Familien.

          Dezernentin: Lieber Smartphone als PC

          Bildungsdezernentin Weber ist von dem Vorstoß der Eltern- und Schülervertreter nicht begeistert. Sie verweist einerseits auf die Kosten: Wenn die Stadt für die rund 90000 Schüler die Lizengebühren von fünf Euro übernähme, dann würde das 450000 Euro kosten. In der derzeitigen Situation sei das Geld nicht verfügbar. Außerdem bezweifelt Weber, dass die Kommunikation und Speicherung mit Office-Programmen datenschutzkonform wäre. Mit der Forderung nach einem Microsoft-Paket machten sich die Eltern und Schüler „zum Anwalt eines bestimmten Produktes und Herstellers“. Das sei „befremdlich“, weil es die Anstrengungen konterkariere, die Schule frei von Kommerz und Werbung zu halten.

          Anstatt auf aufwändige Desktop-Programme sollten die Schulen, wie es viele schon täten, in der jetzigen Situation auf einfache Lösungen setzen. So ließen sich Aufgaben auf die Internetseite stellen und Schüler könnten sie per E-Mail zurückschicken. Wichtig sei auch, das Handy als Kommunikations- und Lernmittel einzusetzen. Anders als ein PC sei ein Smartphone in fast jeder Familie verfügbar. „Wenn man ein bisschen kreativ ist, kommt man mit dem aus, was man hat.“

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