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Digitale Buchmesse : Messebesuch

Besucher: die Buchmesse im vergangen Jahr Bild: Helmut Fricke

Viele Programmpunkte der digitalen Buchmesse sind vorgefertigt abrufbar, andere können in einem Livestream angeschaut werden. Auch wenn vieles anders ist, bleibt doch einiges gleich: Was einen wirklich interessiert, verpasst man.

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          Heute schon auf der Buchmesse gewesen? Klar, ich habe mir beim Blick ins Tagesprogramm den Finger wundgescrollt, denn immerzu war die Terminangabe „00:00 MESZ“, was auf Vorgefertigtes hindeutete, und ich wollte doch etwas live erleben, also mehr oder weniger, im Livestream halt und nicht als Konserve, und da ging es immerzu nach unten, noch eine Seite und noch eine, und dann bin ich doch bei etwas vorher Aufgezeichnetem hängengeblieben. Eine Graphic Novel über Beethoven, mit einem Erzähler, der Sprechblasen vorliest, aber ganz ohrenscheinlich des Wienerischen, dessen sich einige Personen der Handlung bedienen, nicht mächtig ist. Nach vier von elf Minuten der Ausstieg, weiter geht’s durchs virtuelle Angebot. Bis man sich zum jeweiligen Ereignis durchgeklickt hat, dauert es, und oft ist da kein Clip, kein Link, aber immer die Aufforderung im dicken roten Balken: „Anstößige Inhalte melden.“

          Mitunter wird auf eine „Signierstunde“ verwiesen, aber ich finde am Computer nicht den Schlitz, um das Buch meines Lieblingsschriftstellers durchzuschieben. Und dann stoße ich auf einen Autor, der ein Werk über die Todesstrafe in Geschichte und Gegenwart verfasst hat, aber ihm mehr als eine Stunde zuzuhören, das tue ich mir nicht an, denn dieser wie so viele Beiträge sind nicht eben professionell produziert, nicht jeder des Schreibens Fähige ist in der Lage, uns mit seiner Stimme zu fesseln.

          Irgendwann kommen dann doch die Live-Termine, Lars Eidinger auf dem blauen Sofa, aber ach, nun ist es zu spät: Da geht es schon um den Schweizer Literaturpreis, der Schauspieler ist längst schon weg. Leicht enerviert höre ich ein bisschen zu. Es ist wie sonst auf der Buchmesse: Was einen wirklich interessiert, verpasst man.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

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