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1,99 Millionen durchgeimpft : Diese Corona-Regeln gelten nun in Hessen

Sauber: Achtsamkeit und Hygiene bleiben Gebote dieser Zeit Bild: Lucas Bäuml

Hessen lockert die Corona-Regeln weiter. So entfällt für Schüler die Maskenpflicht im Unterricht. Veranstaltungen mit bis zu 500 Menschen sind möglich. Die Inzidenz sinkt weiter. Es bleiben aber Sorgen.

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          Von diesem Freitag an ist der bisher geltende Corona-Stufenplan des Landes Hessen passé – neue Regeln gelten für Schule und Handel, Freizeitsport und körpernahe Dienstleistungen, Gastronomie und Veranstaltungen und nicht zuletzt auf der Straße: Die Maskenpflicht im Freien besteht nicht mehr, allerdings empfiehlt die Landesregierung, sich weiterhin entsprechend zu schützen. Denn die erstmals in Indien entdeckte Delta-Variante des Covid-19 auslösenden Coronavirus breitet sich auch in Hessen aus. Wurde ihr noch vor etwa einer Woche ein Anteil von sechs bis acht Prozent an den Virus-Varianten zugeschrieben, sind es laut Robert Koch-Institut (RKI) mittlerweile gut 15 Prozent. Tendenz rasch steigend. Der Haken daran: Es wird über Fälle berichtet, in denen auch Durchgeimpfte wegen der Delta-Variante an Covid-19 erkrankt sind.

          Thorsten Winter
          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Weiter besonnen und achtsam bleiben“, lautet deshalb das Motto der Landesregierung. Hessen müsse nun zügig impfen, lautet eine Forderung aus dem Landtag angesichts des Umstands, dass erst gut die Hälfte der Hessen mindestens eine vorbeugende Spritze gegen Covid-19 erhalten hat und erst 30 Prozent als durchgeimpft gelten.

          Auch Bordelle öffnen wieder

          Die neuen Regeln sehen unter anderem den Wegfall der Maskenpflicht für Kinder und Jugendliche im Unterricht vor, Bis zu 250 Leute können sich bei Veranstaltungen drinnen treffen und bis zu 500 Leute im Freien, wobei Durchgeimpfte und Genesene nicht mitzählen. Wichtig: Ein Abstands- und Hygienekonzept muss sein, es gilt Testpflicht in Innenräumen und Kontaktdatenerfassung. Clubs und Discotheken dürfen innen als Bar öffnen und außen unter Auflagen ihre Gäste empfangen. Und nach mehr als einem Jahr dürfen auch erstmals Bordellbetriebe wieder öffnen, die zuvor vergeblich um diesen Schritt geworben und gestritten hatten. Welche Regeln im Einzelnen gelten steht hier.

          Derweil kommen abermals erfreuliche Nachrichten aus dem RKI zum Infektionsgeschehen in Hessen. Das für die Seuchenbekämpfung zuständige Institut meldet weniger neue Fälle und weniger weitere Tote im Zusammenhang mit Covid-19 als vor einer Woche. Die Inzidenz als zentrale Kennziffer sinkt weiter, wobei aber nur Baden-Württemberg und das Saarland mehr binnen Wochenfrist verzeichnete Neuninfektionen unter 100.000 Einwohnern zugeschrieben bekommen. Im Vogelsberg gilt weiter die Null-Inzidenz, drei weitere Kreise liegen nur noch knapp über dem Wert eins.

          Laut RKI haben die Gesundheitsämter über Nacht 124 neue positive PCR-Tests gemeldet nach 127 vor einer Woche und 797 vor einem Monat. Seit dem 27. Mai ist die Inzidenz von 50 auf knapp acht gerutscht; vor einer Woche betrug sie 14. In Hessen haben sich bisher 290.469 Menschen  offiziell mit einer Variante des Covid-19-Virus infiziert, das sind 4,4 Prozent der Landesbevölkerung. Rund 2300 Infektionen gelten als noch nicht ausgeheilt, rund 300 weniger als am Vortag.

          Fünf weitere Tote sind gemeldet worden. Seit Beginn der Pandemie im März vergangenen Jahres sind offiziell 7499 Personen in Hessen an oder mit Covid-19 gestorben. Auf den hessischen Intensivstationen werden laut Divi-Register 94 Menschen wegen Covid-19 behandelt. 61 von ihnen müssen invasiv beatmet werden, wie dpa berichtet. Divi steht für Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin.

          Anders als noch vor einer Woche leuchtet die gesamte hessische Corona-Landkarte des Sozialministeriums rapsgelb mit allen Regionen mit Inzidenzen unter 35. Vor sieben Tagen lag der Kreis Groß-Gerau noch über dieser Marke. Und er zählt weiterhin zu den fünf Kreisen mit der höchsten Inzidenz in Deutschland, wobei sie auf knapp 21 gesunken ist. Frankfurt liegt mit 18 unter den Top15. Viel besser stehen die Kreise Bergstraße und Schwalm-Eder mit 1,1 und Limburg-Weilburg mit 1,2 da.

          51,6 Prozent der Hessen mit erster Impfung

          Nach einem Zwischenspurt verliert Hessen im Vergleich zum Bund beim Impfen wieder an Boden: 51,6 Prozent der Menschen in Hessen haben bisher eine erste Impfung gegen das Coronavirus erhalten. Hessen liegt nun 0,6 Punkte unter dem Durchschnitt im Bund. Spitzenreiter ist Bremen mit 59,2 – Rheinland-Pfalz kommt auf 53. Bei den vollständig Geimpften hinkt Hessen dem Mittelwert im Bund deutlicher hinterher. Hessen kommt auf 31,6 Prozent, das sind 1,9 Prozentpunkte unter dem Durchschnitt. Die Lücke schließt sich also etwas. Knap 3,25 Millionen Menschen in Hessen sind mindestens einmal geimpft. 1,99 Millionen sind durchgeimpft.

          Frankfurt setzt weiter auf niedrigschwellige Impfangebote in Stadtteilen. Ein mobiles Team impft zwei Tage am Ben-Gurion-Ring und mithin erstmals in einer Großsiedlung. Gesundheitsamt und Quartiersmanagement haben die Aktion mit 176 Terminen organisiert. „Der Einsatz der mobilen Impfteams ist für den Impferfolg in Frankfurt unerlässlich“, wird Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Die Grünen) zitiert. Diese niedrigschwelligen Impfaktionen des Gesundheitsamtes seien eine perfekte Ergänzung zum Impfangebot durch die niedergelassenen Mediziner. Im größten Impfzentrum Hessens, der Frankfurter Festhalle, habe es bisher 318.000 Impfungen gegeben, darunter 107.000 Zweitimpfungen.

          Niedergelassene Mediziner nebst Personal haben bisher mehr als 1,6 Millionen Impfungen verabreicht, wie die Kassenärztliche Vereinigung mitgeteilt hat. Seit Anfang April wird in Hessen auch in den Hausarztpraxen gegen Covid-19 geimpft, etwas später sind auch die Facharztpraxen und seit 7. Juni die Betriebsärztinnen und -ärzte hinzugekommen. „Jetzt gilt es, nicht nachzulassen: Lassen Sie sich impfen, sobald Sie ein Impfangebot erhalten – damit wir auch für den Herbst gewappnet sind“, lautet der Appell.

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