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Diebstahl in Spielbank : Wie gestohlen, so zerronnen

Verzockt: Der Achtundzwanzigjährige hat das Diebesgut in einer anderen Spielbank verloren (Symbolbild). Bild: dpa

Und die Bank gewinnt doch: Ein ehemaliger Spielbankmitarbeiter soll 1,5 Millionen Euro für sich abgezweigt und dann in einer anderen Spielbank wieder verloren haben.

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          Jeden Tag zirkulieren Millionen durch die Spielcasinos, und immer gewinnt am Ende die Bank. Ein ehemaliger Angestellter der Spielbank in Bad Homburg hat, wenn man sein Treiben wohlwollend betrachtet, vergeblich versucht, sich gegen diese Gesetzmäßigkeit zu stemmen und letztlich nur etwas umverteilt. Er nahm, soweit die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zutreffen, bei seinem Arbeitgeber die Banknoten aus dem Tresor und trug sie zur Konkurrenz nach Wiesbaden.

          Helmut Schwan

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Angeblich hat er im Casino in der Landeshauptstadt dann alles ziemlich schnell wieder verzockt. Er meint, es seien „nur“ um die 300.000 Euro gewesen. Die Staatsanwaltschaft schätzt den Betrag, um den er die Spielbank in Bad Homburg schädigte, allerdings auf fast 800.000 Euro. Demnächst wird sich der Achtundzwanzigjährige vor einer Strafkammer des Frankfurter Landgerichts wegen Unterschlagung und 15 Fällen gewerbsmäßigen Diebstahls verantworten müssen.

          Schon die Anklage entwirft ein erstaunliches Bild von dem, was mit etwas Raffinesse in einem vermeintlich hochgesicherten und gut kontrollierten Casino möglich ist. Der Mann, der dafür zuständig war, das viele Bargeld abzurechnen, von einem Tresor zum nächsten zu bringen und es für die Geldtransporte einzupacken, nutzte laut Anklage seine Vertrauensstellung aus, um beträchtliche Beträge für sich abzuzweigen. Im Buchungssysteme des Casinos habe er dann die kleineren Summen „eingepflegt“.

          Geld wollte er „zurückzahlen“

          Zum einen soll er zwischen Februar und Dezember 2018 insgesamt rund 280.000 Euro in ausländischer Währung beiseite geschafft und am Frankfurter Hauptbahnhof in Euro getauscht haben. Wohl weil er der Spielsucht verfallen war und meist verlor, wuchs sein Bedarf an frischem Geld stetig. Seine neue Idee, die „safepacks“ für die Geldtransporte aufzutrennen, Banknoten herauszufischen und die Päckchen neu zu beschriften, brachten ihm laut Staatsanwaltschaft binnen drei Monaten rund 1,2 Millionen Euro ein. Im April flog sein Geldbeschaffungsprogramm allerdings auf.

          Inwieweit es ihm zum Verhängnis wurde, dass er, von dem Irrglauben beseelt, sich das Kapital doch nur borgen zu wollen, aus gelegentlichen Spielgewinnen wieder insgesamt rund 700.000 Euro „zurückzahlte“, gehört zu den noch offenen Fragen dieser Geschichte über den wieder einmal geplatzten Traum von schnellen Reichtum. Am Ende jedenfalls war alles weg.

          Der junge Mann soll in jener Zeit viel Geld in edle Klamotten investiert haben. Wenn das stimmt, dann hat er am Spieltisch wenigstens eine gute Figur gemacht.

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