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Wibank auf Erfolgskurs : Laufen lernen an der öffentlichen Hand

Alle Hände voll zu tun: Die Wibank hat 2018 viele Projekte unterstützt, auch die Initiative Serious Games. Bild: Marcus Kaufhold

Die Wibank hat 2018 mehr Unternehmen unterstützt denn je. Eines davon war Akasol, die Batterien für Elektroautos herstellen. Der größte Schub für das Fördergeschäft stammt aber aus einem anderen Programm.

          Ist doch klar, dass Tarek Al-Wazir Unternehmen wie Akasol mag. Der Mann ist Wirtschaftsminister, ein Grüner noch dazu, also liegt es beinahe auf der Hand, dass Batterien für elektrisch betriebene Fahrzeuge dem hessischen Spitzenpolitiker Freude machen. Doch das ist nicht der einzige Grund, warum sich Al-Wazir in dieser Woche über die Nachricht des Darmstädter Unternehmens Akasol gefreut hat, das die Öffentlichkeit über steigende Umsätze und prall gefüllte Auftragsbücher informierte. Denn Akasol ist eine jener Firmen, die von der Wibank, der Wirtschafts- und Infrastrukturbank des Landes Hessen, gefördert wurden.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Vor zwei Jahren hatte die Förderbank der einst aus einer Studentengruppe der TU Darmstadt hervorgegangenen Firma für den Aufbau einer Produktionslinie in Langen einen Innovationskredit zur Verfügung gestellt. „Heute brauchen die uns nicht mehr“, sagt Al-Wazir angesichts der 100 Millionen Euro, die Akasol der Börsengang 2018 eingebracht hat. Aber dass Unternehmen zuerst an die öffentliche Hand genommen werden und irgendwann alleine laufen können, sei ja, so der Minister, „der Sinn des Ganzen“.

          Der Innovationskredit, mit dem wachsende Betriebe mit einem Betrag zwischen 100.000 und 7,5 Millionen Euro unterstützt werden, ist eine der Angebote, auf die Al-Wazir und mit ihm die Führung der Wibank gerne verweisen. Zuletzt habe man zum Beispiel dem Projekt Serious Games aus Darmstadt eine halbe Million Euro bewilligt, bei dem mithilfe von Computerspielen Bildung und Gesundheit gefördert werden sollen.

          Erfolg misst sich am Fördervolumen

          Im Juli 2016 eingeführt, haben Unternehmen im vergangenen Jahr bei 31 Anträgen für den Innovationskredit 25,6 Millionen Euro abgerufen. 2017 hatte der Betrag noch bei 10,8 Millionen Euro gelegen, damals waren nur 15 Anfragen gestellt worden. „Das ist doch sehr erfreulich“, sagte Geschäftsleiter Michael Reckhard gestern zu dem Anstieg.

          Schließlich bemisst sich der Erfolg einer Förderbank weniger an Zinsüberschüssen und Bilanzsummen statt am Fördervolumen, und das stieg 2018 auf 23,2 Milliarden Euro gegenüber 17,4 Milliarden Euro 2017 an. Von dem Geld profitieren wachsende Firmen mit dem Innovationskredit ebenso wie kleinere Betriebe dank eines Mikro-Darlehens, das im vergangenen Jahr von 75 Betrieben in Hessen abgerufen wurde.

          Diese Unternehmer erhielten im Schnitt 21.000 Euro, um sich den Traum von der Selbständigkeit zu erfüllen. Ein Beispiel für das Darlehen findet sich in Frankfurt. Dort hat die Wibank dem Start-up South Drinks, das sich auf die Herstellung innovativer Bio-Produkte spezialisiert, ein Darlehen über 25.000 Euro gewährt. Mit dem Geld will die junge Firma ihren Verkauf in Deutschland und Europa ankurbeln. Insgesamt stieg das Fördervolumen für Gründer und Unternehmer im vergangenen Jahr um mehr als 50 Prozent auf 179 Millionen Euro.

          Die Bank setzt sich für sozialen Wohnungsbau ein

          Dass dabei die Digitalisierung für die Wirtschaft eine zentrale Rolle einnimmt, zeigen auch die Statistiken der hessischen Förderbank. So seien die Mitarbeiter der Wibank beim Digitalzuschuss, bei dem kleinere und mittelgroße Betriebe bis zu 10.000 Euro erhalten, um Arbeits- und Produktionsprozesse zu digitalisieren, beinahe überrollt worden, sagte Al-Wazir. 400 Anträge seien im vergangenen Jahr bewilligt und dafür rund drei Millionen Euro ausgezahlt worden.

          Neben der Wirtschaftsförderung spielt der Wohnungsbau eine wichtige Rolle für die Bank. Al-Wazir wünscht sich, dass jeder Hesse eine Wohnung „zu einem angemessen Preis finden kann“. Um sich diesem Ziel zu nähern, legt die Landesregierung ein Förderprogramm auf, das für den sozialen Wohnungsbau 2,2 Milliarden Euro bis zum Jahr 2024 bereitstellt.

          Mit ihren 423 Mitarbeitern stiegen die Erträge der Bank 2018 um 2,8 Millionen auf 94,7 Millionen Euro, der Überschuss lag mit 13,8 Millionen Euro beinahe auf Vorjahresniveau. Trotz der Vielfalt an Fördermitteln schlägt sich vor allem das Entschuldungsprogramm Hessenkasse auf der Bilanz der Wibank nieder. Hatte das Neugeschäft des Hauses zuletzt bei 2,1 Milliarden Euro gelegen, so summierte es sich 2018 auf sieben Milliarden Euro, wobei die Hessenkasse für 4,9 Milliarden Euro verantwortlich war.

          Mit dem Entschuldungsprogramm greift das Land finanzschwachen Kommunen beim Abbau ihrer Kredite unter die Arme, indem diese abgelöst und dann abgebaut werden, wobei die Wibank das gute Rating des Landes und günstigere Refinanzierungskosten nutzen kann. Ein Neugeschäft in solcher Höhe sei angesichts des Sondereffekts Hessenkasse allerdings nicht wieder zu erwarten, sagte Al-Wazir.

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