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Corona-Impfstoff : Die Welt blickt nach Mainz

Erfolgreiches Unternehmen: Der Firmensitz von Biontech in Mainz. Bild: EPA

Der mögliche Erfolg des Mainzer Unternehmens Biontech im Wettlauf um den Corona-Impfstoff ist ein Meilenstein für das Rhein-Main-Gebiet. Künftig muss mehr Fördergeld und Wagniskapital in die Chemie- und Pharmabranche gehen.

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          Eigentlich ist es egal, welches Unternehmen als erstes einen wirksamen Impfstoff gegen das Coronavirus vorlegt, solange er sicher ist. Außerdem muss er gerecht und sinnvoll verteilt werden. Und doch schwang in den Worten von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) merklich Stolz mit, dass es ein deutsches Unternehmen ist, das den Wettlauf um ein Mittel zum Schutz vor Covid-19 gewinnen und als erstes eine Zulassung erreichen könnte. Immerhin beteiligen sich auf der Welt daran mehr als 40 Kandidaten.

          Für die Rhein-Main-Region steckt noch viel mehr in der Erwartung, dass das erste Mittel gegen Corona aus Mainz stammen könnte. Schließlich galt Rhein-Main einst als „Apotheke der Welt“. Berühmte Forscher und bahnbrechende Medikamente prägen die Geschichte des Pharmastandorts, darunter die späteren Nobelpreisträger Robert Koch, Emil von Behring und Paul Ehrlich. Seit der Zerschlagung der Hoechst AG vor zwei Jahrzehnten jedoch ist der gute Ruf der Region als Heimat wichtiger Pharmaunternehmen verblasst. Wer heute an Frankfurt und Rhein-Main denkt, hat Bankentürme, Flughafen und Messe vor Augen, aber weniger Chemie und Pharma. Dabei werden in Hessen fast 30 Prozent des gesamtdeutschen Pharmaumsatzes erzielt. Hier sind, nicht zuletzt in der einstigen Heimat der Hoechst AG in Frankfurt, sowohl mittelständische und eigentümergeführte Unternehmen als auch Niederlassungen multinationaler Konzerne zu Hause, die mehr als 20.000 Mitarbeiter beschäftigen.

          Mehr Fördergeld und Wagniskapital

          Dass nun der erste Impfstoff gegen Corona aus Mainz kommen könnte, kann der Branche in der wirtschaftsstarken Region Rhein-Main zu Aufmerksamkeit verhelfen und ihr neuen Auftrieb verleihen. Die Corona-Krise beweist gerade, wie wichtig Investitionen in Wissenschaft und Forschung sind, auch wenn sie erst Jahre später ihre Wirkung entfalten. Auch auf diesem Gebiet ist Rhein-Main mit seinen Universitäten und Forschungsinstitutionen hervorragend aufgestellt.

          Die Ausmaße der Pandemie sollten zu der Erkenntnis führen, dass nach Bewältigung der Krise noch mehr Fördergeld und Wagniskapital in die Chemie- und Pharmabranche fließen muss. Bis dahin hoffen Millionen von Menschen auf einen wirksamen Impfstoff – und blicken dabei weiter erwartungsvoll nach Mainz.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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