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Schließung des Hessischen Hofs : Die volle Wucht der Krise

Bald geschlossen: das Grandhotel Hessischer Hof Bild: dpa

Die bevorstehende Schließung des Grandhotels Hessischer Hof zeigt deutlich, dass in Corona-Zeiten auch vermeintliche Felsen ins Wanken geraten können. Die Folgen sind nicht nur für die Mitarbeiter des Hotels dramatisch.

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          Ein Unternehmer schließt eine Firma, die Verlust macht und für die er auf absehbare Zeit keine Perspektive sieht. So geschieht es in Frankfurt mit dem Grandhotel Hessischer Hof. Am Mittwoch hatte Donatus Landgraf von Hessen das bevorstehende Ende des einzigen privat geführten Luxushotels in Frankfurt bekanntgegeben. Das hat Aufsehen erregt, in der Hotelbranche und darüber hinaus: Weil das Haus im wirtschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Leben der Stadt verwurzelt ist und weil damit offenbar wird, wie schnell in diesen Tagen auch vermeintliche Felsen ins Wanken geraten können.

          Der Hessische Hof, ein Fünf-Sterne-Betrieb gegenüber der Festhalle, ist im Besitz der Hessischen Hausstiftung und gehört zur Unternehmensgruppe Prinz von Hessen, deren Vorstandsvorsitzender Donatus von Hessen ist. Der Adelshintergrund macht den Fall besonders interessant. Denn man darf annehmen, dass der Chef einer Familie, die auf ihre Besitztümer viel gibt, sehr viel dafür tun würde, nicht als der in die Bücher einzugehen, dessen Name mit Schwund statt mit Zuwachs oder wenigstens Erhalt in Zusammenhang gebracht wird. Anders ausgedrückt: Könnte er es sich leisten, würde der Eigner das Hotel wohl offen lassen.

          Ein Trost, der keiner ist

          Trost, der keiner sein kann, liegt in dem Wissen, dass momentan etliche Hotels in Frankfurt am Rande des Ruins manövrieren und dass sie wie der Hessische Hof vor allem ein Opfer der Coronavirus-Krise sind. Diese schlägt mit voller Wucht zu in einer Stadt, in der wie in keiner anderen in Deutschland das Wohl und Wehe der Branche vom Geschäft mit Messen, Tagungen und Geschäftsreisen abhängt. Fallen die weg, so wie jetzt, entfällt bei den meisten Häusern die Geschäftsgrundlage.

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          Den Eigentümern des Hessischen Hofs bleibt die Immobilie. Was sie damit tun, ist noch nicht entschieden. Vielleicht wird sie an eine Hotelgesellschaft verpachtet und Teil eines Konzerns, vielleicht gehört sie bald Investoren aus China. Vielleicht wird sie auch nur abgeschlossen und eines Tages mit dem heutigen Innenleben wieder aufgesperrt; derzeit ist alles denkbar.

          Unschön bis dramatisch ist die Schließung des Hessischen Hofs vor allem für die Mitarbeiter, denen gekündigt worden ist. In Vor-Corona-Zeiten mit ihrem Fachkräfte- und Personalmangel hätten die meisten wahrscheinlich eher heute als morgen in anderen Häusern Jobs bekommen. Auch das ist anders geworden, leider.

          Jacqueline Vogt

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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