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Carsten Knop

Verkehrspolitik ändern : Ein Weg für Frankfurt

  • -Aktualisiert am

Misslungenes Projekt: der gesperrte Mainkai in Frankfurt Bild: Diana Cabrera Rojas

Die verkehrspolitischen Anforderungen an die Mainmetropole unter einen Hut zu bekommen, ist für die Frankfurter Politiker offenbar eine schwierige Angelegenheit. Am Verhalten des Bürgers anzusetzen, ist jedoch der falsche Weg.

          1 Min.

          Die Frankfurter Verkehrspolitik ist kompliziert. Das ist einfach zu verstehen, nicht aber sind es die Pläne, die für die Zukunft derselben gemacht werden. Zunächst die einfachen Fakten: Radfahrer werden wichtiger, ebenso der öffentliche Personennahverkehr und die Autos, denn es gibt immer weniger Haushalte ohne. Die Frankfurter wollen eine lebenswerte und wirtschaftlich starke Stadt, die für Pendler attraktiv bleibt. Und die Pendler wollen nicht die Luft verpesten, sondern schnell hin und wieder weg.

          Diese Wahrheiten bekommen der Frankfurter Magistrat und der Verkehrsdezernent nicht unter einen Hut. Das ginge vielen so, aber manche Tapsigkeit verbietet sich auch. Das zeigt das Thema Mainkai-Sperrung. Der Versuch muss durch die Auswirkungen, die das Coronavirus auf den Verkehr hat, ergebnislos abgebrochen werden.

          Einen eigenen Weg finden

          Das könnte man unter höherer Gewalt verbuchen, tatsächlich aber war der Versuch an sich falsch angelegt. Denn hinter der Sperrung stand eben kein Verkehrskonzept für Frankfurt, es war Teil der Suche danach. „Jugend forscht“ aber ist in solchen Fragen fehl am Platz. Insofern wäre es im Lichte der Komplexität eben nicht besser, den Versuch zu verlängern, wie dies die Grünen fordern, sondern ihn zu vergessen: Wäre nicht schon etwas gewonnen, wenn man den Mainkai nur in den späteren Abendstunden und am Wochenende sperrte? Könnte man die politisch gewonnene Zeit für einen städtebaulichen Wettbewerb für den Umbau von Berliner Straße und Mainkai nutzen?

          In jedem Fall muss die Politik der Repression enden, die Bürger umerziehen will, die offensichtlich Fahrrad, Bahn und Auto zugleich haben wollen, um ihre Mobilitätsbedürfnisse zu befriedigen. Man braucht also: erheblich bessere und sicherere Radwege, einen moderneren und viel zuverlässigeren Personennahverkehr und eine flexiblere Steuerung des Autoverkehrs, die nicht nach dem archaischen An/Aus-Prinzip, sondern nach dem intelligenteren Drehregler funktioniert. Frankfurt muss nicht auf andere Städte schielen, die nicht vergleichbar sind, sondern selbstbewusst seinen eigenen Weg finden. Wie sonst auch. So einfach ist das.

          Carsten Knop
          Herausgeber.

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