https://www.faz.net/-gzg-9k0d7

Universitätsmedizin Mainz : Alte Gebäude und zu kleine Stationen

Investieren für den Ausgleich: In Mainz wird eine Zahnklinik gebaut. Bild: Peter Pulkowski

Die Universitätsmedizin Mainz erwirtschaftet noch immer keine schwarzen Zahlen. Für 2018 wird ein Defizit von 40 Millionen Euro erwartet. Zusätzlich sollen 100 Stellen wegfallen.

          Allen Bemühungen zum Trotz ist die Universitätsmedizin Mainz immer noch weit davon entfernt, kostendeckend zu arbeiten. Für 2018 wird ein Defizit beim operativen Ergebnis in Höhe von bis zu 40 Millionen Euro erwartet; im Jahr davor lag das Minus bei 33,2 Millionen Euro. Darüber hinaus muss das Klinikum laut Vorstand vorsorglich „erhebliche Rückstellungen“ von rund 20 Millionen Euro tätigen, um für den Fall gewappnet zu sein, dass zum Klagen bereite Krankenkassen Rückerstattungen einfordern oder für bestimmte Leistungen zusätzliche Steuern verlangt werden.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz und für den Kreis Groß-Gerau.

          Obwohl man sich vom selbstgesteckten Ziel, eine „schwarze Null“ zu schreiben, seit 2012 immer weiter entfernt hat, zeigten sich der Medizinische und der neue Kaufmännische Vorstand des Klinikums, Norbert Pfeiffer und Christian Elsner, im Gespräch mit dieser Zeitung überzeugt davon, dass man „den Patienten“ längst nicht aufgeben müsse, da es durchaus probate Mittel gebe, um ihn – mit Hilfe des Landes und der Kassen – wieder auf die Beine zu bekommen.

          Wegfall von 100 Stellen

          Die Gründe für das Defizit, das im einzigen Universitätsklinikum von Rheinland-Pfalz inzwischen die Regel ist, seien vielfältig: Als landesweit einziges und vergleichsweise sehr gut ausgestattetes Haus der Supramaximalversorgung, mit 60 Kliniken und Abteilungen sowie fast 8000 Beschäftigten, könne man leicht bis mittelschwer erkrankte Patienten nicht so günstig versorgen wie ein normales Krankenhaus, das mit deutlich kleineren Operationssälen und viel geringerem technischen Knowhow auskomme, erklärte Pfeiffer. Ließen sich stattdessen mehr Klinikbetten für schwere Fälle freihalten – was de facto aber nicht geht, weil es in Mainz nur ein weiteres Krankenhaus gibt –, wären seinen Angaben zufolge jährlich gut 30 Millionen Euro mehr einzunehmen. Gleichwohl sei nicht beabsichtigt, Angebote zu streichen oder Abteilungen zu schließen; schon gar nicht in der aufwendigen und teuren Hochleistungsmedizin, versicherte der seit Januar zum Vorstand gehörende Elsner.

          Allerdings sollen etwa 100 Stellen wegfallen, verteilt „auf fast alle Bereiche“, ausgenommen die Pflege. Auch wenn keine Kündigungen vorgesehen sind, hat schon die Ankündigung die Belegschaft verunsichert. Er hoffe, „dass engagierte Mitarbeiter mit eigenen Ideen in Zukunft noch stärker als bisher dazu beitragen, die Arbeit im Klinikum effektiver und somit besser zu machen“. Derzeit gebe es zum Beispiel auf einer Station bisweilen freie Betten, während anderswo dringend eines gebraucht werde.

          Kleinteilige Struktur

          Überhaupt sei die kleinteilige Struktur des 1914 eröffneten Stadtkrankenhauses in vielerlei Hinsicht schwierig: So verteilten sich in Mainz 1600 Betten auf 110 Stationen mit durchschnittlich 14,5 Betten. Das sei weder sinnvoll noch wirtschaftlich, meint Pfeiffer. Deshalb wünschen sich die Verantwortlichen für die nahe Zukunft eine zentral gelegene „Herzkammer“ auf dem Gelände: ein neues Gebäude mit Ambulanzen und von verschiedenen Disziplinen zu nutzendem Operationstrakt sowie kurzen Wegen zu den dazugehörigen Stationen oder einem modernen Bettenhaus. An einem „Masterplan“ für das Klinikum wird laut Pfeiffer und Elsner aktuell gearbeitet.

          Denn obwohl eigentlich immer gebaut werde, aktuell etwa an der neuen Transfusionszentrale und einer Zahnklinik, müsse deutlich mehr Geld in Gebäude investiert werden, um bessere Bedingungen für die Medizin zu schaffen. Positiv sieht der Vorstand deshalb, dass das für die Investitionen verantwortliche Land für dieses und das nächste Jahr mehr als 110 Millionen Euro bewilligt hat, um das Herzzentrum zu erweitern und ein Krebszentrum zu schaffen. Bisher seien durchschnittlich nur rund zehn Millionen Euro im Jahr verbaut worden. Dem standen laut Pfeiffer jeweils etwa 25 Millionen Euro gegenüber, die in den Erhalt und die Sanierung der Altbauten gesteckt wurden.

          Ob die Universitätsmedizin als Ausbildungsstätte für den Ärzte-Nachwuchs im Land ebenfalls mehr Geld für Forschung und Lehre bekommen müsse, lässt das Klinikum gerade prüfen. Wenngleich man sich darüber freue, für diese Aufgabe neuerdings mehr als 90 Millionen Euro zu erhalten, was etwa zehn Millionen Euro mehr als zuvor seien. Alles in allem liegt der Etat der Universitätsmedizin Mainz, die pro Jahr fast 70.000 Patienten stationär aufnimmt und gut 290.000 ambulant behandelt, bei rund 750 Millionen Euro. Dafür, dass die Rechnung am Ende nicht aufgeht, machen die Verantwortlichen auch die Krankenkassen verantwortlich. Denn sobald eine vorher festgelegte Fallzahl überschritten sei, werde für die gleiche Leistung eine deutlich geringere Vergütung gezahlt.

          So gesehen, ist es sogar eine „schlechte Meldung“, dass es am Mainzer Klinikum 2018 so viele Geburten gab wie nie zuvor: 2168 Jungen und Mädchen kamen dort auf die Welt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Seit mehr als einer Woche sitzt Stephan E. bereits in der JVA Kassel I im Gefängnis. Nun soll er dem Mord an Walter Lübcke gestanden haben.

          Sitzung des Innenausschuss : Stephan E. gesteht Mord an Lübcke

          Der dringend Tatverdächtige Stephan E. hat gestanden, den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke ermordet zu haben. Das bestätigte Bundesinnenminister Seehofer. E. habe ausgesagt, allein gehandelt zu haben.

          Mehrbelastung : Die neue Grundsteuer schafft viele Verlierer

          Die Reform der Grundsteuer hat zum Ziel, die Steuerzahler zukünftig nicht mehr zu belasten. Doch selbst wenn die Städte den Hebesatz anpassen, zahlen manche mehr.

          Streit um May-Nachfolge : Johnson schlägt zurück

          Boris Johnson stand im Verdacht, den Medien ausweichen zu wollen, nun stellt er sich ihnen jedoch immer öfter. Das zeigt aber auch, dass er ins Stocken gerät, wird er auf exakte Zahlen und Fakten angesprochen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.