https://www.faz.net/-gzg-9ld29

Keine Auswärtssperre für Fans : Mit einem blauen Auge

Stadion des Lichts: Am 11. April wird das Viertelfinal-Hinspiel zwischen Benfica und der Eintracht angepfiffen. Bild: Reuters

Die Uefa sieht von einem Ausschluss der Eintracht-Fans beim Spiel in Lissabon ab. Der Klub, der seit den Pyro-Vorkommnissen von Rom und Mailand auf Bewährung spielt, muss aber 50.000 Euro zahlen.

          3 Min.

          Glück gehabt! Die Frankfurter Eintracht ist am Donnerstag mit einem tiefblauen Auge davongekommen, denn die Kontroll-, Ethik- und Disziplinarkammer der Europäischen Fußball-Union (Uefa) hat davon abgesehen, den Viertelfinalteilnehmer der Europa League mit einem Komplettausschluss seiner Fans zu bestrafen. Für das Auswärtsspiel am 11. April in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon sind also Frankfurter Anhänger zugelassen – 3200, was genau dem Kontingent entspricht, das der Eintracht als Auswärtsmannschaft für die Viertelfinal-Hinspielbegegnung im Estadio da Luz gegen Rekordmeister Benfica zusteht. So hat es die Uefa an ihrem Amtssitz in Nyon am Genfer See im schriftlichen Verfahren entschieden, und so muss es die Eintracht entsprechend umsetzen. Zudem muss der Klub, der seit den Pyro-Vorkommnissen von Rom und Mailand auf Bewährung spielt, eine Strafe von 50.000 Euro zahlen.

          Die Kontroll-, Ethik- und Disziplinarkammer musste tätig werden und auf die schlimmen Raketen-Angriffe reagieren, die am 14. März aus dem Block der Frankfurter Ultras im Mailänder Giuseppe-Meazza-Stadion abgefeuert worden waren. „Der Sachverhalt ist ja unstrittig, jeder hat es gesehen“, sagte Eintracht-Justiziar Philipp Reschke vor der Urteilsverkündung. In der Hauptstadt der Lombardei, in der die Eintracht dank des 1:0-Rückspielsiegs gegen Inter den Einzug in die Runde der letzten Acht perfekt gemacht hatte, hatten Unbelehrbare – Eintracht-Aufsichtsratschef Wolfgang Steubing sprach unlängst im Interview mit dieser Zeitung von „Vollidioten“ – drei Raketen gezündet. Eine landete knapp neben dem Inter-Spieler Ivan Perisic, eine verpuffte in der Luft, die dritte zischte ins Publikum. Dazu brannten etwa zehn bis fünfzehn Bengalos.

          Mit Verantwortung umgehen

          Das alles hätte es nicht geben dürfen, denn die einschlägig vorbelastete Eintracht spielte wegen wiederholten Abbrennens von Pyrotechnik in Rom im Dezember 2018 auf zweijähriger Bewährung. Die Androhung der Uefa: Sollten sich ähnliche Ausfälle wiederholen, münde dies automatisch in einen Fanausschluss im nächsten Auswärtsspiel. Dazu kommt es jetzt doch nicht, was Eintracht-Vorstandsmitglied Axel Hellmann in einer ersten Mitteilung mit großer Erleichterung aufnahm. „Wir können uns glücklich schätzen, dass man uns noch diese letzte Chance gelassen hat. Ich habe die große Hoffnung, dass nun jeder begriffen hat, wie mit dieser Verantwortung umzugehen sein wird.“

          Mailänder Zündeleien: „Vollidioten“ sorgen abermals für Entgleisungen.

          Der Bewährungszeitraum für die Ausschlussstrafe für das nächste Auswärtsspiel in einem Uefa-Pflichtspielwettbewerb, die eben nach den Vorfällen im letzten Gruppenphasenspiel bei Lazio Rom am 10. Januar verhängt worden war, wurde zudem um ein weiteres Jahr von zwei auf drei Jahre verlängert. Von einem Widerruf der Bewährung sah die Kommission letztmals ab. Hellmann kündigte an, dass man nach Abschluss des laufenden Wettbewerbs in der Europa League – „wann immer er für uns beendet sein sollte“ – intern gemeinsam mit der Fanszene diskutieren wolle, „wie es mit Blick auf zukünftige europäische Wettbewerbe weitergeht, um nicht wieder vor einem Zuschauerausschluss zu stehen“.

          „Rom war ein Desaster“

          Die Eintracht, die sich auch von ihrem langjährigen Rechtsbeistand Christoph Schickhardt beraten ließ, sprach vor der Urteilsverkündung am Donnerstag von einem juristisch kniffligen Fall. In ihrem auf gut 20 Seiten dargelegten Schriftsatz vertraten die Frankfurter gegenüber der Uefa die Auffassung, dass sich beide Fälle – Rom und Mailand – nicht miteinander vergleichen ließen. „Rom war ein Desaster, die Reise nach Mailand ein voller Erfolg“, sagte Schickhardt am Montag im HR-Fernsehen. „15.148 Fans waren dabei. Tagsüber ist nichts passiert, nicht einmal eine Espressotasse ist kaputt gegangen“, sagte der Fachanwalt für Sportrecht. Bis zum Abend, bis zu den Momenten, in denen aus dem Block der Ultras die Raketen abgeschossen wurden.

          Nach einigen Tagen des Nachdenkens meldeten sich die Ultras rund um das Bundesliga-Heimspiel gegen Nürnberg zu Wort. Auf zahlreich ausgehängten Plakaten entschuldigte sich die Gruppierung für die Vorkommnisse im Guiseppe-Meazza-Stadion und kündigte interne Konsequenzen an. „Das Spiel in Mailand gegen Inter war eines der größten der jüngeren Vereinsgeschichte“, hieß es in der verbreiteten Erklärung. „Dass die Stimmung im Anschluss trotzdem eisig war, lag vor allem an den Leuchtspuren. Das war scheiße und ist durch nichts – gar nichts – zu entschuldigen. Wir übernehmen die Verantwortung dafür und ziehen daraus interne Konsequenzen.“ Wie genau die aussehen, ist bis heute nicht bekannt.

          Bekannt ist nur: Die Eintracht, die schon früher erfolgreich mit Schickhardt zusammengearbeitet hat – der Ludwigsburger Jurist hatte maßgeblichen Anteil an der Lizenzerteilung im Sommer 2002 – hatte auch jetzt wieder seine Kanzlei mit dem Fall betraut. Eine gute Entscheidung, denn augenscheinlich hat seine Argumentationskette bei der Uefa Wirkung gezeigt. Wie die Eintracht die ihr zur Verfügung stehenden 3200 Eintrittskarten verteilt, hat der Klub nur wenige Minuten nach der Urteilsverkündung bekanntgegeben. Die Tickets kosten 33 Euro, sind in den Blöcken 28 bis 34 angesiedelt und können vom 1. April an, 10 Uhr, ausschließlich online bestellt werden.

          Topmeldungen

          Libyens Rebellenführer Haftar : Der eigensinnige Kriegsherr

          Die Bemühungen um Frieden in Libyen kreisen vor allem um Chalifa Haftar. Er gilt als ausgesprochen stur - sogar seinen Förderer Putin stieß er vor den Kopf. Auf Betreiben der Vereinigten Arabischen Emirate?

          Bundesliga im Liveticker : Furioser Start ohne Tore

          Im Kampf um den Titel ist der BVB in Augsburg gefordert. Aber auch die vier anderen Partien versprechen Spannung. Und es gibt schon einige große Chancen. Verfolgen Sie die Spiele im Liveticker.
          Die Bundesliga in Aktion: Die Medienpartner verlangen nach Spannung.

          TV-Vermarktung : Das Milliardenspiel der Topklubs

          Die deutschen Topklubs stehen vor der größten Auktion ihrer Geschichte. Die Vermarktung der Fernsehrechte spült ihnen Milliarden in die Kassen. Streaming-Dienste bringen sich in Position – und das Kartellamt ist alarmiert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.