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TU Darmstadt : „Politik und TU sind oft beste Freunde“

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Außenansicht der TU Darmstadt: „Autonome Hochschulen sind leistungsfähiger“ meint Uni-Präsident Hans Jürgen Prömel. Bild: Grimm, Lena

Die Technische Universität Darmstadt war 2004 die erste deutsche Universität, die zur autonomen Hochschule erklärt wurde. Seitdem legt sie allein ihre Forschungsschwerpunkte fest und beruft ihre Professoren. Jetzt wurde Bilanz gezogen.

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          Der Präsident der Technischen Universität Darmstadt hat eine positive Bilanz von zehn Jahren Hochschulautonomie gezogen. Hans Jürgen Prömel sagte am Montagabend auf einem Symposion mit dem Titel „Wissenschaftspolitik und Hochschulautonomie – ziemlich beste Freunde?“, Darmstadts Erfahrungen zeigten, dass autonome Hochschulen leistungsfähiger seien. Die Autonomie läge daher auch im Selbstinteresse der Hochschulpolitik. Allerdings sei sie an Voraussetzungen gebunden. „Man muss Autonomie wollen, und man muss Autonomie können“, sagte Prömel. An der Technischen Universität sei dies nach Irritationen in der Anfangsphase der Fall. Es gebe heute in den universitären Gremien Einigkeit zur Fortführung des 2005 begonnen Experiments.

          Rainer Hein

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Darmstadt.

          Der Landtag hatte im November 2004 einstimmig ein Gesetz verabschiedet, mit der die Darmstädter Universität zur ersten autonomen Hochschule erklärt wurde. Sämtliche Bauvorhaben wickelt sie seitdem selbständig ab, ebenso Berufungen, Personalplanung und die Festlegung von Schwerpunkten in Forschung und Lehre.

          „Zurück zur staatlichen Kontrolle ist keine Alternative“

          Roland Koch, 2004 Hessens Ministerpräsident, sagte auf dem Symposion, dass es sich um ein Experiment gehandelt habe. Nicht die Politik, sondern der damalige Präsident Jan Dietrich Wörner habe für den Weg geworben. „Wir hätten es nicht gemacht, wenn Wörner nicht Präsident gewesen wäre. Ihm haben wir es zugetraut, das Experiment zum Erfolg zu führen. Wäre er gescheitert, würde es die autonome Stiftungsuniversität Frankfurt nicht gegeben.“

          Dass ein Scheitern nicht auszuschließen war, machte Prömel mit dem Hinweis auf die mehr als 100 Bauprojekte mit einem Volumen von 400 Millionen Euro deutlich, die seit 2005 abgewickelt wurden: „Hätten wir beim Neubau der Universitäts- und Landesbibliothek eine Kostensteigerung um nur zehn Prozent gehabt, hätten wir den Fachbereich Physik für ein Jahr schließen können.“ Auch mit dem aktuellen Vorhaben, einen neuen Schwerpunkt zu intelligenten Techniken aufzubauen, gehe die TU ins Risiko. Solche Entscheidungen setzten die Bereitschaft der universitären Gremien voraus, Verantwortung zu übernehmen.

          Laut Wilhelm Krull, Generalsekretär der Volkswagen-Stiftung, zahlt sich dieser Mut aus, wenn die universitäre Demokratie funktioniere, die Hochschulräte ihre wichtige Funktion angemessen ausübten und Personal- und Organisationsentwicklung Hand in Hand gingen. Dann führe die Autonomie zu einer „Kultur der Kreativität“, deren Basis Vertrauen und das Bewusstsein für wissenschaftliche Integrität bildeten. Mit Blick auf Nordrhein-Westfalen, wo die Wiedereinführung der ministeriellen Fachaufsicht angestrebt wird, sagte Krull, an einer autonomen Steuerung der Universitäten führe kein Weg mehr vorbei. „Zurück zu mehr staatlicher Kontrolle ist keine Alternative“.

          Alle Fragezeichen beseitigt

          In einer Diskussionsrunde äußerten sich der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Horst Hippler, Hessens Staatssekretär für Wissenschaft und Kunst, Ingmar Jung, Brandenburgs Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Sabine Kunst, und der ehemalige Präsident der Universität Wien und Mitglied des Darmstädter Hochschulrates, Georg Winckler, ähnlich – allerdings mit deutlichen Einschränkungen. So hält Hippler den Autonomie-Status nur für Universitäten einer bestimmten Größe für möglich.

          Kunst gab zu bedenken, dass der Staat weiterhin die Möglichkeit haben müsse, etwa Vorgaben zur Lehrerausbildung zu machen. Jung verwies darauf, dass die Landesregierung den Hochschulen und Universitäten weitreichende Rechte zugestanden habe. Bis auf die Bauautonomie seien sie der TU nahezu gleichgestellt.

          Wickler meinte, für manche sei die Ministerial-Universität weiterhin bequemer als die Freiheit der Autonomie. Deutlich wurde in der Debatte, dass das Fragezeichen hinter dem Veranstaltungsmotto gestrichen werden kann. Zumindest im Fall Darmstadts sind Politik und Universität inzwischen ziemlich oft „beste Freunde“.

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