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Politik : Die Träume der Hessen-SPD

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Illusorisch: Nancy Faeser glaubt daran, dass die SPD stärkste Kraft im Land Hessen werden kann, obwohl die Umfragewerte zurzeit etwas anderes zeigen. Bild: Maria Klenner

Die Hessen-SPD hat den ehrgeizigen Wunsch das Land sozialer, gerechter und moderner zu machen. Inzwischen dürften die Sympathiewerte der SPD allerdings auch in Hessen dramatisch gesunken sein.

          Die Sozialdemokraten holen in Hessen zum ganz großen Wurf aus und bedienen sich dabei einer gehörigen Portion Autosuggestion. Ehrgeizig ist schon der Anspruch, das Land sozialer, gerechter und moderner zu machen als die seit vier Jahren regierende Koalition aus CDU und Grünen.

          Geradezu illusorisch aber erscheint angesichts der deprimierenden Umfragewerte die Erwartung von Generalsekretärin Nancy Faeser, die Partei könne bei der Wahl am 28. Oktober nach mehr als einem Vierteljahrhundert endlich wieder stärkste Kraft im Land werden. Erfreulich, dass die größte Oppositionspartei nicht in Fatalismus verfällt, allerdings ist wohl kaum davon auszugehen, dass Faeser selbst auf einen Wahlsieg ihrer Genossen hohe Wetten abschließen würde.

          Zwar sah Mitte Januar eine auf Hessen bezogene Umfrage die SPD unter Thorsten Schäfer-Gümbel noch bei 25 Prozent, nur sechs Punkte hinter der CDU von Ministerpräsident Volker Bouffier und mit einem Plus von 1,3 Punkten im Vergleich zur Landtagswahl im Herbst 2013. Doch dürften die Sympathiewerte der von ihrer Bundesspitze gebeutelten Sozialdemokraten inzwischen auch in Hessen dramatisch gesunken sein. Vor fünf Wochen war die Partei noch nicht von allen guten Geistern verlassen.

          Mancher Genosse mag sich mit der Hoffnung trösten, dass es schlimmer kaum noch kommen kann. Doch selbst gesetzt den Fall, die Selbstbeeinflussung der hessischen Sozialdemokraten würde Wunder wirken und die Partei nach der Landtagswahl knapp vor der CDU rangieren, so würde sie aller Voraussicht nach zwei Partner zur Regierungsbildung benötigen. Mit zwei Partnern an ihrer Seite wiederum könnte dann aber wohl auch eine knapp geschlagene Union eine Parlamentsmehrheit zusammenbekommen.

          Reichlich Stolpersteine auf dem Weg zu einem SPD-Ministerpräsidenten. Deshalb schließen Oppositionsführer Schäfer-Gümbel und seine Generalsekretärin Faeser derzeit auch nur ein Bündnis mit der AfD aus und halten sich ansonsten alle Optionen offen. Die FDP ist einer Annäherung an die Sozialdemokraten grundsätzlich nicht abgeneigt, den Grünen wäre ein Wechsel an die Seite der Sozialdemokraten durchaus zuzutrauen, Rot-Grün-Rot ist unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich, und dann gibt es ja immer auch noch die Variante einer großen Koalition. Ein paar Prozent weniger für die CDU, ein paar Prozent mehr für die Sozialdemokraten, und die Karten wären neu gemischt. Es bleibt spannend in Hessen.

          Ralf Euler

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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