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Die Toten Hosen : Immer wieder dieselben Lieder

  • -Aktualisiert am

Ganz der Alte rockt er die Bühne wie eh und je: Tote Hosen-Sänger Campino. Bild: Wresch, Jonas

Die Toten Hosen heizen in der ausverkauften Festhalle ihren Fans ein. Sie bleiben ihrem Stil treu.

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          „Das klingt doch nicht wie Frankfurt! Das klingt eher nach Mannheim!“ Frontmann Campino hat die provokanten Tricks und Plattitüden parat, mit denen sich die ohnehin im Hysteriemodus befindlichen Massen in der seit Wochen ausverkauften Festhalle herausfordern lassen, ihm noch ein bisschen lauter entgegenzubrüllen. 50 Jahre alt wurde er letzthin.

          Nach dem imposanten Einstieg mit „Drei Kreuze (dass wir hier sind)“ und „Ballast der Republik“ schwitzt Klaus Maria Brandauers Mackie Messer seine hautengen Jeans und das blaue Hemd so schnell durch, dass man dabei zusehen kann. Campino leistet Schwerstarbeit. Zumal Deutschlands Punk-Rock-Veteranen auf ihrer aktuellen Tournee durch Deutschland auch noch ein Jubiläum begehen: Seit 30 Jahren stehen sie auf der Bühne. Da darf der Europameisterschafts-Hit „Tage wie diese“ nicht fehlen. Schließlich lassen sich die Toten Hosen ja auch mit wehenden Fahnen feiern, als handele es sich um ein Fußballgroßereignis.

          „Du lebst nur einmal (vorher)“

          Unübersehbare Spuren der Alterung in den Gesichtern von Campino, Kuddel, Andi, Vom und Breiti haben drei Jahrzehnte im Dienst von Ekstase und Exzess hinterlassen. Auf drei gigantischen Leinwänden, auf denen der Marathon aus 33 Songs mit Einspielern und Momentimpressionen untermalt wird, zeichnen sich jede Falte, jede Anstrengung penibel ab. Überlebt haben die Toten Hosen den Wahnsinn, seit Dekaden eine der populärsten Formationen Deutschlands zu sein. „Du lebst nur einmal (vorher)“ heißt der Song, der als Erklärung, ja: Rechtfertigung dienen könnte. Doch irgendwie braucht es sie auch gar nicht, denn böse Zungen werden weiterhin behaupten, die Toten Hosen seien nichts als eine niemals erwachsen gewordene Schülerband. Seit Pioniertagen gefangen in der Rolle, die auf Krawall geeichten Anheizer der Nation zu geben.

          Eine gut geölte Unterhaltungsmaschinerie, die ihre Sache aus dem Effeff beherrscht, steht auf der Bühne. Schroffe Akkorde, dominantes Dröhnen und der an Iggy Pop orientierte Campino, der in hypnotischem Sprechgesang Klassiker wie „Hier kommt Alex“ und „Bonnie & Clyde“ von sich gibt. Künstlerisch nicht allzu viel hinzugelernt haben die Toten Hosen trotz ihres aktuellen Formatradiohits „Altes Fieber“ mit der programmatischen Zeile: „Und immer wieder sind es dieselben Lieder.“ Doch wer würde auch ernsthaft von einer Truppe Innovation erwarten, die längst über den Luxus mehrerer Fan-Generationen verfügt?

          Ins Eingemachte aus 30 Jahren mischen sich Hannes Waders Liedermacherode „Heute hier, morgen dort“, die Anti-Nazi-Hymne „Schrei nach Liebe“ der Ärzte und das Manifest „Keine Macht für Niemand“ von Ton Steine Scherben. „Wollt ihr eine zweite Halbzeit? Wir haben noch keine Lust zu gehen“, feixt Campino nach etwa zwei Stunden. Üppige elf Zugaben mit „You’ll Never Walk Alone“ als obligatorischem Finale liefern die Toten Hosen, bevor im grellen Saallicht die Realität wieder Einzug hält.

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