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Musikmesse in Frankfurt : Die teuerste Gitarre der Welt inklusive

Glitzerkram: die teuerste Gitarre der Welt, präsentiert von Gibson Bild: Grapatin, Niklas

Für vier Tage ist Frankfurt Mittelpunkt der Musikwelt. Die Messe freut sich über mehr Aussteller, der Handel über gute Verkäufe. Und die Hersteller warten auch mit Kuriositäten auf.

          Gibson geht es gut. So gut, dass sich der Gitarrenbauer aus den Vereinigten Staaten in diesem Jahr auch Schnickschnack der Luxusklasse auf der Musikmesse leistet. Flankiert von zwei breitschultrigen und angemessen finster dreinblickenden Männern, zeigt Gibson-Marketingmann Paul Jernigan eine E-Gitarre mit 400 Diamanten auf dem Korpus und dem Kopf. 1,4 Kilogramm Gold hat das Unternehmen zudem in dem Instrument verbaut, wie es heißt. Alles zusammen ergibt die teuerste Gitarre der Welt. Auf zwei Millionen Dollar veranschlagt der Hersteller den Wert des Werks, das er mit dem Designer Aaron Shum aus Hongkong ersonnen hat. „Das ist ein großartiges Geschenk für deine Frau“, meint Jernigan augenzwinkernd am Stand in Halle 4. Zumal die Gitarre spielbar sei.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ob Gibson sie denn wirklich hergeben will? Jernigan legt den Kopf zur Seite und sagt freundlich: „Jetzt ist sie erst einmal auf Tournee rund um die Welt - und, ehrlich gesagt, ist sie für den Verkauf nicht vorgesehen.“ Gibson hat es offenbar nicht nötig, das Edelprodukt meistbietend zu veräußern, da das um Audiobedarf wie Kopfhörer erweiterte Sortiment laut Jernigan gut läuft. „Wir verkaufen wie verrückt und expandieren.“ Und um noch mehr Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, lässt die Marke vor der Halle 4 per Gebläse einen Gitarristen inklusive Instrument mehrere Meter über dem luftgepolsterten Boden einer Art Hüpfburg schweben. Der griechische Hersteller Anastasios Music Instruments wartet immerhin mit der handgefertigten Leier des Hermes auf und darf auf Käufer hoffen. Denn die Branche steht ganz gut da, jedenfalls auf den ersten Blick.

          Steigende Umsätze im Handel

          Messe-Geschäftsführer Detlef Braun spricht vor der Eröffnung der Schau am heutigen Mittwoch von „insgesamt günstigen Rahmenbedingungen“. Der Handel habe 2014 mit Instrumenten, Noten und Zubehör hierzulande 967 Millionen Euro und damit 4,5 Prozent mehr umgesetzt als im Jahr zuvor. Vor allem elektrisch verstärkte Instrumente verkauften sich gut. Doch es gibt nicht nur Gewinner. Nach Brauns Worten haben es besonders Hersteller von großen Instrumenten wie Flügeln, Orgeln und Akkordeon in Deutschland schwer, ihre Produkte abzusetzen. Wie weiter berichtet wird, finden besonders Instrumente aus dem mittleren Preissegment vergleichsweise schwer Abnehmer. Dagegen finden sich etwa für Gitarren mit fünfstelligem Preis ohne weiteres Liebhaber. Und am anderen Ende der Preisskala machten die Hersteller auch Boden gut. Westerngitarren zu 50 Euro das Stück und E-Versionen für 100 Euro sind längst so gut, dass sich mit ihnen kein Kind in der Musikschule schämen muss, wie es heißt.

          Allerdings kommen immer weniger Mädchen und Jungen im Kindesalter mit Instrumenten in Kontakt, da vielerorts der Musikunterricht öfter ausfällt, wie Braun beklagt. Zudem sei die digitale Welt eine harte Konkurrenz: „Wir leben in einer Welt, in der junge Leute es gewohnt sind, auf Knopfdruck Spaß zu haben.“ Deshalb wolle die Musikmesse noch mehr als früher die Freude am Musizieren wecken und biete nun zwei Publikumstage sowie zum 14. Mal die Mitmach-Aktion „Music4kids“ (siehe Kasten). „Wir bieten etwas für alle Altersgruppen, aber die Nachwuchsförderung liegt uns besonders am Herzen“, sagt der Messe-Geschäftsführer.

          Einen Erfolg kann Braun schon verbuchen: Die Zahl der Aussteller ist von 1318 im vergangenen Jahr auf 1329 gestiegen. 69 Prozent von ihnen kommen aus dem Ausland. Schon länger auf Erfolg gebürstet ist die Veranstaltungsbranche, die sich gleichzeitig auf der Technikschau Prolight and Sound zeigt. 2014 setzte die Branche 3,75 Milliarden Euro hierzulande um. Tendenz: steigend. 928 Aussteller bedeuten einen Rekord.

          Konzerte, Workshops, Foto-Schau

          Wer musikbegeistert ist oder es noch werden will, der findet derzeit in Frankfurt genügend Anlaufstellen. Die Musikmesse ist in diesem Jahr am Freitag und Samstag für das Publikum geöffnet. Mit der Mitmach-Aktien „Music4kids“ zielt die Messe auf Jungen und Mädchen im Kindergartenalter, auf Schüler und Jugendliche. Die Aktion wird täglich in Halle 5.0 angeboten. Am Samstag steht in der Festhalle von 15 Uhr an der „School Jam“ an, dann wird Deutschlands beste Schülerband gekürt. An allen Tagen ist in Halle 4.1 eine Schau mit Werken von Neal Preston zu sehen, der über vier Jahrzehnte viele Rockstars fotografiert hat - eine Neuerung auf der Musikmesse. Während der Messe kommen aber wie in der Vergangenheit auch die Konzertgänger und Autogrammjäger auf ihre Kosten. Der langjährige Toto-Schlagzeuger Simon Phillips und Gitarrist Tony Iommi (“Black Sabbath“) unterschreiben am Freitagnachmittag Autogrammkarten. Das aus Youtube bekannte Trio Dirty Loops spielt am Freitag um 18.30 Uhr auf der Veranstaltungsfläche Agora, auf der Guildo Horn am Tag zuvor um 16.30 Uhr auftritt. Die Band Luxuslärm gibt am Samstag von 14 Uhr an Autogramme in Halle 3.1, eine halbe Stunde später spielt Gitarrist Tobias Rauscher auf der Acoustic Stage. Die Messe ist am Freitag und am Samstag von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Die Tageskarte kostet an der Kasse 30 Euro, online 20 Euro. Kinder bis 14 Jahre zahlen acht Euro, ältere Jugendliche und Studenten 16 Euro. (thwi.)

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