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Die Stadt als Kino : Geguckt wird, wo Leinwand ist

  • -Aktualisiert am

Der Erziehungswissenschaftler will unterhalten, aber schon auch erziehen. Er nennt es anders, sagt, es habe sich etwas geändert bei den Zuschauern. Leute, die zuerst die leicht bekömmlichen Filme von „Kino Kulinarisch“ konsumiert hätten, schauten heute auch Dokumentarfilme auf Persisch mit englischen Untertiteln. Und ja, auch Streifen wie „Die Liebe und Viktor“ sind ausverkauft. Dieses Erstlingswerk von Patrick Banush wurde 2009 mit einem Budget von nur 10.000 Euro produziert und war seither nur wenige Male auf der Leinwand zu sehen. Blockbuster verurteilt Brettschneider nicht, im Gegenteil. „Ein Leben ohne Hollywood kann ich mir nicht vorstellen“, sagt er. „Dirty Dancing“ hat er schon 100 Mal gesehen und jedes Jahr mindestens einmal gezeigt. „Er verhandelt alles, worum es im Leben geht, und er hat diese magischen Momente wie die Tanzszene auf dem Baumstamm und die Hebefigur im Wasser“, schwärmt er. Brettschneider liebt auch den Starkult von Hollywood, sein Profilfoto auf Facebook hat er in der Pose des jungem Marlon Brando inszenieren lassen.

Selbst einmal mit einem Film berühmt zu werden, dagegen hätte Brettschneider, wäre es anders gelaufen, nichts einzuwenden gehabt, er hatte das im Hinterkopf bei seinem ersten Studium. Dass er Kino- und nicht Filmemacher geworden ist, bereue er trotzdem nicht, sagt er. Ohne ihn würden viele Leute viele gute Filme schließlich gar nicht sehen. Und weil Brettschneider zum Kinomachen nicht unbedingt ein Kino braucht, kann er auch ganz gut davon leben.

Brettschneider legt mit neuer Filmreihe nach

Die Leitung des Hafenkinos hat er vor anderthalb Jahren allerdings abgegeben. 2014 war der Hafen 2 in einen Neubau wenige hundert Meter vom alten Standort entfernt gezogen. Wie viele andere hatte Brettschneider den Charme des alten Lokschuppens geliebt. Die neue Veranstaltungshalle im jetzigen Kulturzentrum ist als Winter-Spielort zwar komfortabler, aber das Erlebnis, sagt Brettschneider, sei früher ein anderes gewesen. Hinzugekommen sei, dass er andere Gewinnvorstellungen gehabt habe als das Paar, das heute den Hafen 2 betreibt, vor allem aber, dass neben den Filmreihen im Ledermuseum die Herausforderung lockte, auch in Frankfurt Kino machen zu können: Mit dem Verein Lichter Filmkultur ist er seit zwei Sommern Veranstalter des Freiluftkinos im Hof des Cantate-Saals neben dem Goethehaus.

Ende Januar hat Brettschneider wieder eine Filmreihe begonnen. Der „Broken Dreams Club“ ist für Filme reserviert, die vom Scheitern handeln. Freunde hatten ihm abgeraten, Offenbach sei noch nicht so weit, warnten sie. Auch Brettschneider zweifelte ein bisschen daran, dass es für sein neues Projekt Publikum geben würde. Doch entgegen seinen Befürchtungen kamen zum Auftakt nicht nur Freunde und Bekannte. Brettschneider zeigt „Amy“, einen Dokumentarfilm über Amy Winehouse. Als Ort für den „Broken Dreams Club“ hatte er das Chamäleon gewählt, die Kneipe, in der er einst davon geträumt hat, Offenbach besser und interessanter zu machen.

Hier spielt der Film

Daniel Brettschneider wurde 1980 geboren und wuchs in Offenbach auf. 2010 erfand er das „Hafenkino“, seit 2014 führen es die Betreiber des Kulturzentrums Hafen 2 weiter. Mehr Informationen im Internet unter www. hafen2.net. 2011 hat Brettschneider den Hugo-Eberhardt-Saal im Deutschen Ledermuseum zum Kino reaktiviert. In dem früheren kommunalen Kino zeigt er mit dem Verein „Kino im DLM“ Filme, seit 2014 unter dem Namen Lederpalast. Bei „Kino Kulinarisch“ wird vor dem Film ein passendes Menu servier. In der Reihe „Stummfilm und Ton“ werden Stummfilme von modernen Bands begleitet. Bei „Kino International“ laufen die Filme in Originalversion mit Untertiteln.Mehr Informationen unter www.lederpalast.de. Informationen zum Freiluftkino Frankfurt unter www.freiluftkinofrankfurt.de. Der Fahrradladen Artefakt in Offenbach ist alle vier Wochen „Ladenkino“. Was dort gezeigt wird, hat immer einen Bezug zum Fahrrad (www.artefakt-offenbach.de). kamu.

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