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Die Sprache lernen : Extraportion Deutsch in den Ferien

Mit Sprachunterricht und Theaterpädagogik sollen die Schüler auch in den Ferien Deutsch lernen können. Bild: Maximilian von Lachner

Wer die Worte nicht kennt, der hat es in der Schule schwer. Das Projekt „DeutschSommer“ ermöglicht ausländischen Schülern, die erst seit kurzem in Deutschland leben, auch in den Ferien die Sprache zu lernen.

          Die knapp ein Dutzend Schüler sitzen im Kreis, in der Mitte liegt ein Poster mit einem Wimmelbild, wie man es aus Kinderbüchern kennt. Es zeigt eine Kleinstadtszenerie mit Autos, Radfahrern und Fußgängern, Bäckerei, Post und Kiosk. „Ich sehe was, was du nicht siehst, und das ist klein und gelb“, sagt Ihsane, ein Mädchen mit geflochtenem Zopf. Die anderen Kinder müssen raten. „Mango“, sagt ein Junge. Lehrerin Barbara Dilk verbessert: „Sag bitte den ganzen Satz: Ich sehe eine Mango.“ Der Junge wiederholt den Satz, aber Ihsane schüttelt den Kopf.

          Matthias Trautsch

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          In der Textorschule wird auch in den Ferien gelernt. 30 Kinder im Alter von neun bis zehn Jahren nehmen drei Wochen lang am „Deutschsommer“ der Stiftung Polytechnische Gesellschaft teil. Das Programm, das es seit mittlerweile zwölf Jahren gibt, kombiniert Deutsch-Training mit sprachintensivem Theaterspiel. Im Laufe der Jahre hat es sich zu einem Erfolgsmodell entwickelt, das an neun Standorten in Hessen angewendet wird.

          Im Klassenraum der Sachsenhäuser Grundschule geht die Suche nach etwas kleinem Gelben weiter. Ein Junge vermutet, der Kiosk sei gemeint. Die Lehrerin wendet ein, dass der zwar gelb, aber ziemlich groß sei, und veranschaulicht mit zwei Fingern, was „klein“ bedeutet. Eben so klein wie die Eiswaffel, die Ihsane, wie sie schließlich selbst verrät, gemeint hat.

          Täglicher Deutschunterricht in den Ferien

          Das Ratespiel dient der Erweiterung des Wortschatzes. Dass die Schüler so wenig Deutsch können, liegt daran, dass die meisten von ihnen erst seit kurzem im Land sind. Ihre Familien sind als Arbeitsmigranten aus EU-Staaten oder als Flüchtlinge hierhergekommen. Die Kinder besuchen zwar sogenannte Intensivklassen, tun sich im Schulalltag aber schwer, den sprachlichen Rückstand aufzuholen. Das kann Auswirkungen auf die gesamte Bildungslaufbahn haben: Wenn es am Ende der Grundschule um die Wahl der weiterführenden Schule geht, spielen Deutschkenntnisse eine wichtige Rolle. Deshalb zielt das Ferientraining in der Textorschule auf Drittklässler ab.

          Zehn Frankfurter Grundschulen haben Kinder für das Programm nominiert. Nun bekommen die Mädchen und Jungen täglich zwei Stunden Deutschunterricht, zwei Stunden spielen sie Theater. Auf Grundlage des Buchs „Rosie und Moussa“ studieren sie mit Theaterpädagogen ein Stück ein, das sie zum Abschluss des „Deutschsommers“ aufführen. Dann werden auch ihre Eltern im Publikum sitzen. Überhaupt sei es wichtig, die Eltern einzubinden, sagt Roland Kaehlbrandt, der Vorsitzende der Polytechniker-Stiftung. Mütter und Väter, die morgens ihre Kinder brächten, würden angesprochen und zum Frühstück eingeladen.

          Kontakte, die so entstünden, würden gehalten und wenn möglich ausgebaut, sagt Kaehlbrandt. „Wir laden die Familien ein in die Oper oder zu einer Führung durch die Stadtbücherei.“ Ideal sei im Anschluss eine Aufnahme in das Diesterweg-Stipendium, mit dem die Stiftung ganze Familien fördert. Die Stadt weiß das „Deutschsommer“-Konzept zu schätzen. Es habe sich gezeigt, „dass Kinder in diesem Format sehr große Fortschritte machen“, sagt Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD). Deshalb werde die Stadt das Ferienprogramm in Sachsenhausen auch in diesem Jahr mit 60.000 Euro finanzieren. An weiteren Standorten, etwa der Wegscheide in Bad Orb sowie den Jugendherbergen in Oberreifenberg und Wetzlar, kooperieren die Polytechniker mit anderen Stiftungen.

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