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Schweizer Straße in Frankfurt : Ebbelwei im Gerippten und Porsche im Halteverbot

  • -Aktualisiert am

Aufgekratzt: Die Stammtisch-Damen im Gemalten Haus Bild: Lukas Kreibig

Großstädtisch, vornehm, resolut, laut und manchmal ein bisschen neureich - das ist die Schweizer Straße in Sachsenhausen, die sich an diesem Wochenende wieder einmal feiert.

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          Gemütlich flanieren ist anders. Die Schweizer Straße ist eine Autostraße, an einigen Stellen sogar mehrspurig. Für Radfahrer von hibbdebach, die gewohnt sind, auf der Berger und Leipziger Straße Autofahrer auszubremsen - entweder mit dem Rad vorausfahrend oder entgegenkommend -, ist das eine Herausforderung. Vor allem ab der Gartenstraße, wenn auch noch die Straßenbahn um die Ecke kommt und Radfahrer zwischen Schienen, Kopfsteinpflaster und seitlich parkenden Autos jonglieren, deren Türen sich jederzeit öffnen könnten. Risiko! Dann schon lieber zu Fuß.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Gut einen Kilometer misst die Schweizer Straße vom Brückenkopf der Untermainbrücke bis zur Mörfelder Landstraße. Der Name ist seit 1877 belegt und soll darauf anspielen, dass betuchtere Großbürger seinerzeit auf der Straße der „gelobten Schweiz“ entgegenstrebten. Vornehm wirkt sie auch heute noch mit ihren schönen Gründerzeithäusern - guten Adressen für Kanzleien und Arztpraxen - und mit ihren stattlichen Platanen, deren Blätter im Sommer angenehmen Schatten spenden. Die Menschen, die hier leben, gehören eher zu den bessergestellten. Manche tragen ihr Geld auch gern zur Schau.

          Discounter gibt es hier nicht

          Im „Café Fellini“, Präsentierteller und Dolce-Vita-Treffpunkt am Schweizer Platz, sieht man Männer mit Halstuch und Jackett Geschäfte machen und gut frisierte Frauen bei einem Apérol die Familienlage besprechen. Einen Lebensmittel-Discounter wie Penny oder Aldi sucht man an der Schweizer Straße vergebens, und selbst bei Oxfam, dem Entwicklungshilfeverein, der gespendete Mode verkauft, hängen Designer-Blüschen von Dorothee Schumacher im Schaufenster.

          Die Autos, die vorbeifahren, sind durchweg größer als in anderen Stadtteilen. „Der Porsche Cayenne im Halteverbot“, so beschreibt Immobilien-Unternehmer Kilian Bumiller „die Spezialität“ der Straße, an der er auch Vermieter ist. Auf dem Weg ins Büro schnell anhalten, um noch ein Salätchen bei Feinkost Meyer einzukaufen - das Knöllchen, das man dafür im Halteverbot kassiert, „nehmen die Damen und Herren gern in Kauf“.

          Ein angesagtes Burgerlokal gibt es inzwischen auch. Als Ausgehstraße ist die Schweizer aber vor allem für die Traditionslokale Apfelwein Wagner und das Gemalte Haus bekannt - die Ebbelwei-Hotspots in Frankfurt, die so groß sind, dass auch sehr große Gruppen chinesischer Touristen darin Platz finden, die mit Bussen anreisen. Hier trifft man freilich auch Sachsenhäuser Urgestein, und am Stammtisch babbeln die Damen Hessisch.

          Eine Institution: Bei Wäsche Köhler gibt es große und kleine Schlüpfer.

          Zum Einkaufen müssten sie ihren Stadtteil eigentlich nicht verlassen. Die Geschäftswelt ist bunt gemischt, mehr als anderswo noch inhabergeführt, teils alteingesessen, wie etwa das Käsegeschäft Becker, Wäsche Köhler, das Sanitätshaus Pauli, die Konditorei Jamin oder Schmidt’s, ein Geschäft für ausgesuchte Papeterie und Wohnaccessoires, das - bis eine Mieterhöhung ins Haus stand - einmal deutlich größer und prominenter am Schweizer Platz zu Hause war. Jetzt verkauft hier Engel & Völkers Immobilien.

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