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„Die Schule der Frauen“ auf Hessisch : „Der Deiwel, isch verplatz“

Zungenschlag: Michael Quast (links) pflegt mit „Barock am Main“ seit Jahren die hessische Mundart - hier in „Der Menschenfeind“ Bild: Maik Reuß

Molières „Die Schule der Frauen“ feiert im Frankfurter Cantatesaal Premiere. Auf Hessisch. Und das neue Volkstheater lebt, wie Michael Quast beweist.

          Das neue Volkstheater, könnte man nach dieser begeistert aufgenommenen Premiere glauben, ist - wenigstens beinahe - ganz das alte. Im besten nur denkbaren Sinne. Naturgemäß nicht jenes Volkstheater von Liesel Christ, das mit Lustspielen, Farcen und auch ein wenig Boulevard mehr als vierzig Jahre lang in Frankfurt ein äußerst treues Publikum hatte. Eher schon das der Commedia dell’Arte und der Comédie Française, wie es Molière vor allem und vielleicht auch Goldoni geprägt haben. Volkstheater also, wie es vor Hunderten von Jahren womöglich einmal war. Immer schon knüpft Michael Quast mit seiner Fliegenden Volksbühne erkennbar lustvoll vor allem an barocke Theatertraditionen an.

          Christoph Schütte

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Doch trotz reichlich aufgetragener Schminke und Perückenpuder erscheint etwa das Jahr für Jahr stattfindende Festival „Barock am Main“ kein bisschen angestaubt. Bisweilen wider besseres Wissen scheint es dem Publikum vielmehr gerade im sommerlichen Höchster Bolongarogarten, als habe Molière seine maßlos-komischen Figuren, als habe er seinen „Tartüff“ oder den „Geizigen“ geradewegs für Michael Quast geschrieben. Und für die gleichfalls von Wolfgang Deichsel ins Hessische übertragene „Die Schule der Frauen“, für die Komödie, die jetzt auf der Bühne des nicht ganz ausverkauften früheren Volkstheaters Premiere hatte, gilt das allemal. In der Rolle des Arnold, wie Arnolphe in der Mundartfassung heißt, hat Quast zunächst zwar „en Heidespaß, wie eins de anner hinnergeht“, muss aber bald schon fürchterliche Seelenqualen leiden.

          Schmeicheln, fluchen oder klagen

          Mithin kann Michael Quast als Schauspieler alle komödiantischen Register ziehen und im Ringen um sein Mündel Agnes (Pirkko Cremer) wütend toben, schmierig schmeicheln, fluchen oder klagen, mal um Liebe betteln und mal das junge Ding ermahnen, eben noch erbärmlich wimmern und im nächsten Augenblick schon wieder scheinbar triumphieren. Vor allem aber sieht man Arnold zunehmend verzweifelt gegen seinen Widersacher Horazius (Dominic Betz) intrigieren, der ihm Agnes schamlos auszuspannen trachtet. Dabei kann es im Grunde keinen Zweifel geben, weisen doch schon seine ondulierten Locken darauf hin. Einer der Gehörnten, über die sich Arnold mit Freund Christoph (Detlev Nyga) zu Beginn noch köstlich amüsiert, wird er am Ende selbst sein: „Der Deiwel, isch verplatz.“ Und muss dazu noch tapfer sauertöpfisch gute Miene machen.

          In der schon vor einigen Jahren für „Barock am Main“ entstandenen und nun für den Cantatesaal neu bearbeiteten Inszenierung der „Schule der Frauen“ präpariert Sarah Groß immer wieder hübsch-komische Miniaturen. Dazu gehört etwa der Spaziergang Arnolds mit seinem Mündel. Getragen wird der Abend unterdessen von den Schauspielern, die mit erkennbarer Lust am verzweifelt liebestollen Treiben agieren. Neben Quast ragen dabei Valerie von Scheel und vor allem Alexander J. Beck aus einem glänzend harmonierenden Ensemble heraus: Herrlich einfältig geben sie das Dienerpaar, das in einem Wetterhäuschen am Fenster sitzt und folgerichtig auch schon mal auf das kommende Unheil vorausweist.

          Der „Heidespaß, wie eins de anner hinnergeht“ ist Arnold freilich längst vergangen. Diesen hat, gerade wie es sich gehört, stattdessen das Publikum.

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