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: Die Region 2015: Weniger Einwohner, mehr Platz in den Städten

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Das Gewerbegebiet an der Stadtgrenze, die Reihenhaussiedlung für junge Familien im angrenzenden Neubaugebiet, dazwischen der mit dem Auto leicht erreichbare Supermarkt: alles auf der grünen Wiese. So ...

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          Das Gewerbegebiet an der Stadtgrenze, die Reihenhaussiedlung für junge Familien im angrenzenden Neubaugebiet, dazwischen der mit dem Auto leicht erreichbare Supermarkt: alles auf der grünen Wiese. So sah in den vergangenen Jahren die Entwicklung in den meisten Kommunen aus, auch im Rhein-Main-Gebiet. Doch werden diese planerischen Ziele auch noch in zehn Jahren gelten? Werden weiter große Flächen am Stadtrand für Gewerbe und Wohnen gebraucht? Wächst die Bevölkerung überhaupt weiter, und welche Verkehrsinfrastruktur braucht die Region in den nächsten Jahren?

          Mit diesen Fragen beschäftigen sich derzeit der Planungsverband Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main und das Regierungspräsidium in Darmstadt. Sie erarbeiten gemeinsam mit den im Planungsverband vertretenen 75 Kommunen den bundesweit ersten regionalen Flächennutzungsplan. Damit werden zwei Planungsebenen in einer zusammengefaßt: das grobe Raster des Regionalplans, der vor allem Wohn- und Gewerbeflächen vorgibt, und der präzisierende Flächennutzungsplan, den die Kommunen festlegen. Der regionale Flächennutzungsplan soll bis 2007 fertiggestellt sein und für die nächsten fünf bis zehn Jahre gelten.

          Um sinnvoll abstimmen zu können, wo Gewerbeflächen, Wohngebiete oder Straßen entstehen, Erholungsgebiete, regionale Grünzüge und Landwirtschaft erhalten bleiben sollen, haben sich Regierungspräsidium und Planungsverband darauf verständigt, erstmals in der Rhein-Main-Region eine öffentliche Diskussion darüber anzustoßen, wie sich der Ballungsraum überhaupt entwickeln soll: Sie wollen ein Leitbild für die Region erarbeiten. Der regionale Flächennutzungsplan, "das ist die Chance, qualitative Neuerungen in den Köpfen und in der Planung zu verankern", sagt Jens Scheller (Die Grünen), Erster Beigeordneter des Planungsverbands. "Dazu müssen wir allerdings wissen, welche Trends auf uns zukommen." Denn Scheller ist überzeugt, daß es nicht mehr dieselben sein werden, die in den vergangenen Jahren die Planung bestimmt haben. Eine erste Diskussionsrunde hat im November zum Thema "Mobilität in Ballungsräumen" stattgefunden - mit überraschend großer Resonanz bei den Kommunalpolitikern. Möglicherweise, weil allein das Pendleraufkommen in der Region beachtlich hoch ist: Wie der Planungsverband ermittelt hat, sind im vergangenen Jahr gut 315000 Pendler täglich nach Frankfurt gefahren. Das entspricht rund 65 Prozent der Arbeitsplätze, die nicht von Frankfurtern besetzt waren. Bei einzelnen Umlandgemeinden wie Eschborn oder Sulzbach übersteigt diese Quote sogar die 90-Prozent-Marke. Ein anderes zentrales Thema der Region ist der Flächenverbrauch. Wie das Statistische Landesamt errechnet hat, haben sich die hessischen Städte und Gemeinden seit 1989 um rund 23200 Hektar ausgedehnt - der Zuwachs entspricht fast der Fläche Frankfurts (24800 Hektar). Allerdings verlangsamt sich nach Angaben der Statistiker allmählich der Verbrauch von Grünflächen. Die Frage bleibt für die Planer, ob das dichtbesiedelte Rhein-Main-Gebiet weiter zusammenwachsen soll oder wieviel Grün die 3,7 Millionen Südhessen benötigen.

          "Die vorhandenen Flächenpotentiale in der Region reichen aus, wir sollten nicht mehr die grüne Wiese in Anspruch nehmen, sondern uns diesen Landschaftsraum erhalten", meint der Frankfurter Städteplaner Albert Speer und hat Planer und Politiker zum Umdenken aufgefordert. Allein durch die Aufgabe von Güterbahnhöfen, beispielsweise in Frankfurt und Hanau, und das Vorhandensein militärischer Konversionsflächen stünden schon jetzt große innerstädtische Flächen zur Verfügung. Durch Umstrukturierungen kämen weitere in den nächsten zehn bis 15 Jahren hinzu. Auch beim Wohnen sieht der Städteplaner angesichts einer immer älter werdenden Gesellschaft den Trend zur Rückbesinnung auf den Ausbau innerstädtischer Strukturen. Die Städte müßten sich künftig nicht mehr nach außen, sondern nach innen entwickeln. "Ich bin der Überzeugung, daß die Rhein-Main-Region in der Lage ist, bei diesem Prozeß eine Beispielfunktion zu übernehmen", sagt Speer.

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