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Renovierung der Wohnung : Die Ansprüche der Mieter

Schön ist anders: Aber solange in diesem Bad noch alles funktioniert, darf der Vermieter untätig bleiben. Bild: Jens Gyarmaty

Wer günstig wohnt, nimmt viel hin. Mängel sind das eine. Aber was ist, wenn man nach Jahren des Renovierungsstaus ein bisschen schöner wohnen möchte?

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          Paula Friedrichs ist eine treue Mieterin. Vor 16 Jahren hat sie ihre Wohnung in Sachsenhausen bezogen und ist seitdem geblieben. Nicht nur, weil sie sich in ihrer Wohnung wohl fühlt, sondern auch, weil die Miete für die Lage mit rund 12,50 Euro warm den Quadratmeter ausgesprochen fair ist. Der Vermieter hat die Miete in der ganzen Zeit nur einmal erhöht.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Auf der anderen Seite geht es Friedrichs (Name von der Redaktion geändert) wie vielen langjährigen Mietern. Der Vermieter zeigt sich gnädig bei der Miete, ist aber knickerig, wenn es um die Wohnung selbst geht. Kurzum: Es wurde nie etwas gemacht – bis auf einen Anstrich, den Friedrichs selbst veranlasste und zahlte, und den Austausch der Badewanne durch den Vermieter nach einem Wasserschaden.

          „Dann ziehen Sie doch aus“

          Allmählich sieht man das der Wohnung – trotz guter Pflege – auch an: Die Heizkörper-Farbe blättert ab, das Waschbecken im Bad ist stumpf, rund um die Bad-Armaturen zeigt sich Rost, und die Bodenfliesen, noch vom Vormieter verlegt, haben Sprünge. Es ist ein Punkt erreicht, an dem Friedrichs auch nicht länger hinnehmen möchte, dass es im Badezimmer keine einzige Steckdose gibt.

          Nun fragt sich die Mieterin, welche Ansprüche sie gegenüber dem Vermieter hat. Was muss er machen, was fällt lediglich unter „nice to have“ und wäre von ihr zu zahlen? Verärgert sie den Vermieter womöglich mit ihren Wünschen? Und: Riskiert sie eine Mieterhöhung?

          Rolf Janßen, Geschäftsführer des DMB Mieterschutzvereins Frankfurt, kennt die Ängste. Um den Vermieter ja nicht zu provozieren, blieben Mieter still und nähmen einen Standard weit unter dem üblichen Niveau in Kauf. Janßen gesteht, dass Vorstöße in die andere Richtung das Verhältnis zum Vermieter durchaus in Schieflage bringen könnten. Da heiße es dann: „Wenn Ihnen die Wohnung nicht gefällt, dann ziehen Sie doch einfach aus.“

          Erhöhung nach Modernisierung möglich

          Der Mieterschützer stellt gleichwohl klar: „Die Angst vor Kündigung ist unbegründet.“ Mieter hätten mehr Ansprüche, als ihnen bewusst sei. Dies auch, weil viele Vertragsklauseln zu Schönheitsreparaturen, wonach der Mieter für Anstrich und Tapezieren verantwortlich ist, nicht gültig seien.

          Grundsätzlich muss der Vermieter alles reparieren, was kaputt ist. Das läuft unter Instandsetzung, infolgedessen die Miete nicht erhöht werden darf (siehe auch „Wer muss zahlen?“). Bodenfliesen mit Rissen im Bad fallen laut Janßen unter diese Pflicht. Schließlich könnte sich dort Feuchtigkeit sammeln und sich Schimmel bilden. Mieter haben einen Anspruch darauf, dass so lange nach der Ursache gesucht wird, bis sie gefunden ist, sagt Janßen.

          Das Gegenstück zur Instandsetzung ist die Modernisierung: „Hierbei kommt immer etwas obendrauf“, sagt der DMB-Geschäftsführer. Etwa mehr Schallschutz durch neue Fenster oder mehr Wohnqualität durch den angebauten Balkon. Elf Prozent der Kosten darf der Vermieter anschließend auf die Jahresmiete umlegen.

          Viele Klauseln unwirksam

          Doch nicht alles, was „on top“ kommt, ist in dem Sinn eine Modernisierung. Ein Badezimmer ohne Steckdose? So ein Bad entspreche nicht mehr dem Wohnstandard, der inzwischen üblich sei, sagt Janßen. Ebenso die alte Elektroinstallation, die dazu führt, dass beim Anschluss eines Großgerätes die Sicherung herausfliegt. Auf solche Um- und Einbauten hat der Mieter einen Anspruch, damit die Wohnung einen Mindeststandard aufweist. „Es ist die Grundpflicht des Vermieters, solche Mängel zu beseitigen“, so Janßen.

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