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Burns Supper : Die Poesie des Schafsmagens

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Burns Supper am Main: Schotten feiern ihren Nationaldichter - aber nicht nur in der Heimat Bild: Junker, Patrick

Schotten feiern den Nationaldichter Robert Burns - aber nicht nur in der Heimat. Sondern auch am Main, mit dem Burns Supper.

          Die vollen Gläser gehen nach oben, Stühle fallen um. Applaus. Trotz aller Eigenheiten sei er der größte Schotte aller Zeiten, ruft die BBC-Moderatorin Alison Walker in den Saal. Nicht nur die anwesenden Landsleute stimmen ihr zu. Der schottische Nationaldichter Robert Burns scheint beliebt zu sein. Ob das allerdings an seinen poetischen Fähigkeiten oder eher dem Single Malt-Whisky liegt, der reichlich ausgeschenkt wird, ist nicht ganz klar. Egal. Hoch die Tassen. Burns, geboren am 25. Januar 1759, hat immerhin bald Geburtstag. Darum begeht auch die Regionalgruppe Rhein-Main der British Chamber of Commerce in Germany das jährliche „Burns Supper“.

          Der erste Höhepunkt naht: Der Einzug des Haggis. Begleitet von Dudelsackspiel und Trommelwirbel wird eine gräuliche Masse hereingetragen, vor der man den ganzen Abend bereits gewarnt wurde. Aber wenn man vergisst, dass Haggis unter anderem aus Herz, Leber, Lunge und Nierenfett vom Schaf besteht, schmeckt es wirklich gut. Und zur Not hat man ja noch den Whisky.

          Bevor das Essen serviert wird, trägt der Synchronsprecher Neil Macgillivray das Burns-Gedicht „Address to the Haggis“ auf Gälisch vor und schneidet den Schafsmagen auf: „Und dann, o welch gesegnete Sicht, warm-dampfend, reich.“ Für die Schotten sei Burns wie Goethe für die Deutschen, sogar in Singapur und anderen weit von der Heimat entfernten Orten feierten die Schotten das „Burns Supper“ nach dem ritualisierten Ablauf. Die Feier in Frankfurt in diesem Jahr ist besonders: Mit Macgillivray und Alison Walker wurden zwei Mitglieder der „Robert Burns Guild of Speakers“ als Redner gewonnen, einer Vereinigung mit nur 37 Mitgliedern, ein Mitglied pro Jahr, das der früh verstorbene Burns auf Erden weilte.

          Auch Walker ist aufrichtig begeistert von Burns’ Dichtung: Er sei ein „soft-hearted ladies man“ und zugleich ein „hard-drinking mens’ man“ gewesen, sagt sie in ihrer „Immortal Memory“-Rede, der mit seinen Gedichten das Leben der „einfachen Leute“ zum Ausdruck gebracht habe. Tatsächlich war der schottische Patriot, Freimaurer und britische Steuerbeamte, der mit sechs Frauen 14 Kinder hatte, eine sehr ambivalente Person. Das gibt auch Walker zu. Aber wohl auch deswegen ist sie so fasziniert von Burns und möchte ihn noch bekannter machen.

          Vor allem seine Liebesgedichte hätten es ihr angetan. Laut vielen Gästen ist das „Burns Supper“ vor allem ein riesiger Spaß, im Gegensatz zu vielen anderen Nationalfeiertagen, die oft gleich abliefen. Hier hingegen komme es schon einmal vor, dass nach einigen Gläsern Whisky so mancher Herr im Schottenrock beim Tanz zeigen möchte, was sich darunter befinde. Davon jedoch bleibt man an diesem Abend verschont. Eigentlich überraschend, da noch vor dem Dessert eine der beiden Sorten Whisky bereits ausgetrunken ist. Und zu diesem Zeitpunkt hat man noch lange nicht alle Toasts hinter sich: „To Robert Burns.“

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