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Kommentar : Der Coup

  • -Aktualisiert am

Umzug in Aussicht: Die Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Frankfurt (Archivbild) Bild: Frank Röth

Die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst soll ihren heißersehnten Neubau auf dem alten Bockenheimer Gelände der Goethe-Universität bekommen. Manch einer dürfte sich allerdings grämen. Ein Kommentar.

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          Boris Rhein klang noch vergnügter als sonst, Olaf Cunitz zitterten die Hände, und Thomas Rietschel überbot sich alle paar Minuten mit neuen rhetorischen Superlativen. Was der Minister, der Bürgermeister und der Präsident verkündeten, muss man nicht gleich als „Jahrhundertentscheidung“ feiern. Aber ein Coup ist Rhein und Cunitz ohne Zweifel gelungen: Bis 2025, so ist es geplant, bekommt die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst ihren heißersehnten Neubau. Nicht in Offenbach, wie mancher entweder befürchtet oder gehofft hatte, sondern auf dem alten Bockenheimer Gelände der Goethe-Universität.

          Mit einem Schlag wird damit eine Idee wiederbelebt, die vor kurzem noch klinisch tot erschien: die eines Kulturcampus, der diesen Namen verdient. Mit dem modernisierten Senckenberg-Komplex, weiteren Kulturinstituten und eben auch der Musikhochschule. Sollte dies so verwirklicht werden, wie es lange erhofft war und nun bekräftigt wird, könnte man Frankfurt nur gratulieren.

          Ist ein zweiter großer Coup in Aussicht?

          Verblüffend, wie das angeblich größte Hindernis für einen Umzug der Musikhochschule nun scheinbar mühelos beiseitegeräumt wurde. Das Junktim, das vermeintlich zwischen deren Verlagerung nach Bockenheim und dem Wegzug der Uni-Zentralbibliothek bestand, hat sich über Nacht aufgelöst - wie viel Anstrengung dafür tatsächlich nötig war, wissen nur die Beteiligten. Weniger wundersam, gleichwohl lobenswert ist die Entschlossenheit des Landes in der Finanzierungsfrage. Die Entscheidung, in der zweiten Heureka-Runde kleine Hochschulen überproportional zu bedenken, wirkt nur logisch angesichts der Wohltaten, die in den vergangenen Jahren besonders der Goethe-Universität zuteilgeworden sind.

          Dort dürfte sich mancher ein wenig grämen. Denn jetzt steht fest, dass das Land die 130 Millionen Euro teure Verlagerung der Zentralbibliothek in den nächsten zehn Jahren nicht finanzieren wird - und der Druck, der durch die offizielle Verbindung dieses Projekts mit den Raumnöten der Musikhochschule entstand, ist auch weg. Nun richten sich die Erwartungen auf Uni-Präsidentin Birgitta Wolff und ihre geheimnisvolle Arbeitsgruppe, die unkonventionelle Wege für eine Umsiedlung der Bibliothek erkunden soll. Gelingt es ihr am Ende, einen privaten Investor zu präsentieren? Das wäre dann ein noch größerer Coup als der gestern verkündete.

          Sascha Zoske

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

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