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Frankfurt-Marathon : Die letzten Kilometer der Ideallinie gezogen

  • -Aktualisiert am

Herr der Ideallinie: Marathon-Helfer Harry Eisenkopf mit seinem Farb-Handwagen Bild: Bernd Kammerer

Auch dieses Mal soll die blaue Linie beim Marathon in Frankfurt den Läufern den richtigen Weg weisen. Wie in den vergangenen Jahren hat Harry Eisenkopf sie aufgesprüht.

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          Der Trubel rund um die Fotografen und Kameraleute scheint Harry Eisenkopf wenig zu beeindrucken. Gelassen drückt er den Hebel eines dreirädrigen Handwagens und sprüht einen blauen Strich auf den Opernplatz. Seit 15 Jahren markiert Eisenkopf in den Wochen vor dem Rennen die Ideallinie für den Frankfurt- Marathon. An diesem Sonntag zieht er die letzten 17 Kilometer für dieses Mal. „Es ist schon eine mühselige Aufgabe, aber mir macht das einfach Spaß“, sagt der 60 Jahre alte Verwaltungsangestellte, der selbst fast einhundert Marathons gelaufen ist.

          Diese Erfahrung hilft ihm beim Markieren der Ideallinie. Auf gerader Strecke kommt etwa alle 25 Meter ein Strich, in den Kurven müssen es mehr sein. Er schneidet sie, damit die Läufer keine unnötigen Meter zurücklegen. Eine wirklich gute Ideallinie gibt es laut Eisenkopf in Deutschland vor allem in Frankfurt, Hamburg und Berlin. Auch im Ausland werde nicht immer auf eine gute Markierung geachtet. „In New York ist die Linie zum Beispiel einfach in der Mitte der Straße.“

          Er lebt die Strecke

          Unterstützt wird Eisenkopf von Dieter Bremer, dem langjährigen Streckenchef des Frankfurt-Marathons. Bremer fährt nun mit dem Auto voraus in Richtung Platz der Republik und zeigt dabei die Ideallinie an. Hinter den beiden fährt ein Wagen der Stadtpolizei, der Eisenkopf im Innenstadtverkehr schützen soll. Mit kleinen Planänderungen müssen sie stets rechnen. So mussten sie wegen eines Filmteams an der Ecke Kaiserstraße/Neue Mainzer Straße von ihrer ursprünglichen Route abweichen. „Es passiert schon mal, dass morgens etwas los ist“, sagt Bremer. „Den Teil der Strecke müssen wir später nachholen.“

          Die größte Gefahr für den Marathon sind Baustellen. Denn Start und Ziel sind exakt festgelegt. Wenn man wegen einer Baustelle die Strecke an einer Stelle um 28 Meter verändert, darf man nicht einfach Start und Ziel um 28 Meter verschieben. Eine solche Änderung führte einmal dazu, dass Bremer die Strecke an sechs Stellen neu planen musste. Auch deshalb fährt er schon lange vor dem Rennen die Route mit wachsamen Augen ab. „In den letzten Wochen lebe ich quasi auf der Strecke“, sagt er. So will er sicherstellen, dass am 25. Oktober alles glatt läuft.

          Dieses Jahr werden 8000 Staffel- und 14000 Marathonläufer erwartet und damit in etwa so viele wie in den Vorjahren. Das ist laut Bremer schon ein Erfolg, da die Zahl der Veranstaltungen zunehme. Einer der sportlichen Höhepunkte ist die Teilnahme von Arne Gabius, der 2014 bei seinem Marathon-Debüt in Frankfurt die viertschnellste Zeit gemäß der ewigen deutschen Bestenliste lief. Am 25. Oktober will er beim ältesten deutschen Stadtmarathon den Rekord von 1988 knacken. Dafür muss er sich um weniger als eine Minute verbessern. Anmelden kann man sich noch bis zum Wettkampfwochenende. „Der ein oder andere wartet noch ab, wie das Wetter wird“, sagt Bremer. „Wir hatten schon mal 1000 Anmeldungen an den letzten zwei Tagen.“

          In seinen 13 Jahren als Streckenchef hat er viel erlebt. Löcher von Baustellen seien provisorisch abgedeckt worden, und bei einem Kinderlauf seien die Jungen und Mädchen von der Strecke abgekommen. Daraufhin habe man sie in der Stadt suchen müssen, erzählt er. Als Eisenkopf ihm ein Zeichen gibt, hält er an. Auf dem Rückweg vom Platz der Republik zur Alten Oper hat sich ein Bügel vom Handwagen gelöst, ohne den Eisenkopf keinen Strich mehr auf den Asphalt sprühen kann. Das Fehlen blieb so lange unbemerkt, weil er hier keine Markierungen mehr auftragen musste. „Den Bügel wiederzufinden, ist, wie nach der berühmten Nadel im Heuhaufen zu suchen“, sagt Bremer. „Wenn uns jetzt die Maschine ausfällt, wäre das der Super-GAU.“ Mit dem Vorgängermodell sei das schon einmal vorgekommen. Er überlegt, die Aktion abzubrechen oder zu versuchen, den Bügel durch einen kurzen Stock zu ersetzen. Nach etwa 20 Minuten taucht Eisenknopf mit dem Bügel in der Hand auf. „Das sind halt so die kleinen Schmankerl, die passieren“, sagt er lachend.

          Profis, Amateure und Kinder Mehr als 14 000 Läufer werden in zwei Wochen zum diesjährigen Frankfurt-Marathon erwartet. Auf die 42,195 Kilometer lange Strecke, die als eine der schnellsten weltweit gilt, gehen am 25. Oktober außer zahlreichen Spitzenathleten, darunter die Deutschen Arne Gabius und Mona Stockhecke, vor allem viele Amateursportler. Gestartet wird das Rennen um 10 Uhr am Messeturm, der Zieleinlauf befindet sich in der Festhalle. Für Kinder und Jugendliche der Jahrgänge 1999 bis 2007 wird zudem von 10.55 Uhr an ein Mini-Marathon gestartet. Die 4,2 Kilometer lange Strecke führt die Nachwuchsläufer von der Ludwig-Erhard-Anlage ebenfalls auf den roten Teppich der Festhalle. An die Jahrgänge 2006 bis 2010 richtet sich der Struwwelpeter-Lauf, bei dem die Kinder schon am Samstag von 11.30 Uhr an auf 420 Metern ihr Bestes geben können. (bad.)

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