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Vorsteher des Börsenvereins : Lebensmittelpunkt Messegelände

Seinen Schreibtisch im Haus des Buches an der Frankfurter Braubachstraße hat Heinrich Riethmüller seit dem Sommer nach und nach geräumt. Bild: Wonge Bergmann

Die letzte Buchmesse als Branchenchef: Nach dem Ende der Bücherschau übergibt Heinrich Riethmüller sein Amt als Vorsteher des Börsenvereins an seine Nachfolgerin.

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          Zum ersten Mal war er mit zehn Jahren auf der Buchmesse. „Da gab es noch diese kleinen Lokomotiven, die zwischen den Hallen hin und her fuhren.“ So kann es gehen, wenn man einer Buchhändlerfamilie angehört und früh erste Eindrücke sammelt: „Ich habe mich immer auf jede Messe gefreut.“ Auch dieses Jahr, in dem Heinrich Riethmüller zum sechsten und letzten Mal Fachbesucher und Messeveranstalter zugleich ist: „Es ist immer ein Höhepunkt im Leben eines Buchhändlers, wenn man in Frankfurt ist.“

          Florian Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Gegen möglichen Stress hilft Routine. Seit er nach seiner Buchhändlerlehre mit Anfang zwanzig als Profi wieder auf die Messe kam, ist er jeden Herbst am Main gewesen, seit „sicherlich vierzig Jahren“. Und weiß eines: „Mich haut da nichts mehr um.“ Auch nicht die jeweils neueste Diskussion um die Zukunft der Branche: „Das Schöne ist, dass das gedruckte Buch ein sehr resistentes Medium ist.“ Das hat es seiner Meinung nach, trotz der Neuerungen, die Verleger, Buchhändler, Autoren und Leser in den vergangenen zwanzig Digitalisierungsjahren gemeinsam durchzustehen hatten, reichlich bewiesen.

          Ende nach zwei Amtszeiten

          Seit 2013 ist Riethmüller Vorsteher des Börsenvereins, der die Frankfurter Buchmesse seit 1949 veranstaltet. Nach zwei Amtszeiten zu je drei Jahren darf er sich satzungsgemäß nicht noch einmal zur Wahl stellen. Am Samstag nach der Buchmesse geht das Amt daher auf seine im Sommer gewählte Nachfolgerin, die Mainzer Verlegerin Karin Schmidt-Friderichs, über. Und Riethmüller begrüßt morgen im Kaisersaal des Frankfurter Römer zum letzten Mal Schriftsteller, Verleger und Publikum aus Stadt und Branche zur Verleihung des Deutschen Buchpreises. Dann, am Dienstag, folgt die Eröffnung der Buchmesse durch den obligatorischen Hammerschlag, diesmal mit Bundesaußenminister, norwegischer Ministerpräsidentin und Kronprinzenpaar.

          Hat die Messe sich in all den Jahren verändert? „Sie wird internationaler.“ Immer mehr Ausstellungsfläche werde von Verlagen aus aller Welt gebucht. Die Zahl der deutschsprachigen Aussteller hingegen sei seit Jahren konstant. Auch die Besucher der Messe veränderten sich: „Wir haben weiterhin steigende Zahlen beim Publikum.“ Und das ist gut so: „Wir sind darauf angewiesen, dass die Messe nicht nur Fachmesse ist.“ Mit rund 10 000 akkreditierten Journalisten aus Deutschland und dem Ausland nähmen die Medien die Frankfurter Messe so wahr wie keine andere: „Dieses Spektakel um das Buch ist für die Branche extrem wichtig.“ Eine Chance, die es zu nutzen gelte: „Man muss alles unternehmen, um Menschen für Bücher zu begeistern.“

          Andererseits brauchen vorher auch die Besucher der Fachmesse drei Tage lang ihre Ruhe vor den Massen, die sich samstags und sonntags durch die plötzlich enger wirkenden Gänge zwischen den Ständen schieben. Denn sie kommen auch weiterhin einmal im Jahr in Frankfurt zusammen, die Verleger, Lektoren, Autoren und Agenten, auch wenn die Branche ihre Geschäfte zwischen New York, London und Sidney Tag für Tag auf Facetime anbahnen und mit einer E-Mail abschließen kann. Wie eine Eins steht trotzdem, was die Frankfurter Bücherschau nach wie vor zur international bedeutendsten macht – das Lizenzgeschäft: „Gerade da ist Face-to-Face immer noch wichtig.“

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