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Die Lehre vom Unterscheiden : Studiert Differentiologie!

  • -Aktualisiert am

Vergleichen ohne Gleichsetzen: Inhalt für ein neues Studienfach? Bild: dpa

AfD gleich NSDAP, Linke gleich SED, Kopftuchträgerin gleich Terroristin? Höchste Zeit, die Kunst des Unterscheidens zu lernen – am besten in einem eigenen Studienfach.

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          Ob Fahrradkunde, Spaziergangswissenschaft oder Kakerlakensoziologie – es gibt eigentlich keine Subkategorie menschlichen Erkenntnisstrebens, die nicht an irgendeiner Hochschule gepflegt würde. Eine Lücke im Vorlesungsverzeichnis, die dringend geschlossen werden müsste, fällt uns aber doch auf. Wir fordern hiermit Hessens akademische Bildungsstätten auf, ein neues Fach ins Leben zu rufen, das von Studenten aller Fakultäten besucht werden kann. Außerdem ist dieses Angebot unbedingt ins Programm der Frankfurter „Universität des dritten Lebensalters“ aufzunehmen. Es handelt sich um die Differentiologie – die Lehre vom Unterscheiden.

          In der Grundvorlesung lernt die geneigte Hörerschaft den Unterschied zwischen vergleichen und gleichsetzen. Sie erfährt zum Beispiel, dass es möglich ist, die AfD mit der NSDAP und die Linkspartei mit der SED zu vergleichen, ohne die einen mit den anderen gleichzusetzen. Verfeinert wird die Kunst des Differenzierens anhand der Begriffspaare rechts und rechtsextrem sowie links und linksextrem. Groß dürfte das Erstaunen der Jüngeren sein, wenn sie zu der Einsicht gelangen, dass ein Rechter kein Nazi sein muss, während sich mancher Seniorstudent von der Annahme verabschieden muss, Linker sei ein Synonym für Kommunist.

          Aufgaben für jede politische Präferenz

          Auf dieser Grundlage gelingt dann im Hauptseminar der Fortschritt von der Allgemeinen zur Speziellen Differentiologie. Hier werden die Hausarbeitsthemen mit Blick auf die politischen Präferenzen der Teilnehmer vergeben. AfD-Sympathisanten sind eingeladen, die inhaltlichen Unterschiede zwischen den Wörtern „Kopftuchträgerin“, „Islamistin“ und „Terroristin“ herauszuarbeiten. Anhänger der Gruppierung „Studis gegen rechte Hetze“ schreiben einen Aufsatz darüber, was Alice Weidel und Alice Schwarzer nicht gemein haben. Alle zusammen diskutieren zum Schluss darüber, ob es angebracht ist, die Erkenntnisse von Forschern, Fridays-for-Future-Proteste, Greta Thunbergs Wutreden und das Apocalypse-now-Theater von „Extinction Rebellion“ unter der Dachzeile „Klimahysterie“ zu subsumieren.

          Nach vier Semestern dürfen Absolventen den Titel „M. A. (Differentiologie)“ führen. Bleibt nur die Frage, ob der neue Studiengang besser an Universitäten oder an Fachhochschulen, Verzeihung, Universities of Applied Sciences, aufgehoben ist. Aber gibt es da überhaupt noch einen Unterschied?

          Sascha Zoske

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

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