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Die Kunst des Bierbrauens : Die brauen sich was zusammen

  • -Aktualisiert am

Maßarbeit und ihr Lohn: Peter Goetz am Bottich, unten ein selbstgebrautes belgisches Dunkel. Bild: Wohlfahrt, Rainer

Außer Hopfen, Malz und Wasser braucht es Zeit, Genauigkeit und eine wahre Liebe zum Produkt. Dann lässt sich sogar in einem Garten ein herrliches Bier brauen.

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          Manchmal bei gutem Wetter steigt den Autofahrern auf der Landstraße 3309 von Hanau nach Kahl ein eigenwilliger Geruch in die Nase. In Großkrotzenburg riecht es plötzlich süßlich und nach Getreide. Wer dem Geruch folgt, gelangt in die Friedrichstraße. Dort hat Peter Goetz mal wieder seinen Maischbottich in den Garten geräumt. In dem großen Edelstahltopf, der 100 Liter fasst, kocht der Fünfundsechzigjährige das Malz, das er an diesem Morgen geschrotet hat. So wird die Stärke aus dem Getreide in Zucker umgewandelt. Aber nicht nur am Geruch der Maische erkennt man, dass in der „Hausbrauerei Großkrotzenburg“ Brautag ist. Am Mast zwischen Gartentor und Zierkarpfenteichen wird dann das weiße Banner der VHD gehisst - der Vereinigung der Haus- und Hobbybrauer in Deutschland.

          Auch Daniel Greher hat so ein Banner im Gepäck. Greher kommt aus Frankfurt und braut dort in einem Kellergewölbe mit drei Freunden. 2010 haben sich Greher und Goetz bei den Haus- und Hobbybrauertagen der VHD kennengelernt. Sie beschlossen, „irgendwann einmal“ zusammen zu brauen. Heute ist irgendwann.

          Brauprotokoll hält jedes Detail fest

          Natürlich hat Greher auch ein paar Biere aus eigener Produktion im Rucksack. Das Kellerbier, das „in keine Schublade passt“, weil es „auf meinem Geschmack gewachsen ist“, wie Greher sagt. Und ein Honigbock. Zunächst aber bittet Goetz zur Verkostung. Er öffnet eine Flasche belgisches Amber: ein süffiges, vollmundiges Bier mit dunkler Bernsteinfarbe und dickem Schaum. Dazu steckt er sich eine kubanische Zigarre an. Das hat Tradition bei ihm.

          Greher, der bei einem schwedischen Telekommunikationsunternehmen arbeitet, ist ein großer, hagerer Typ, der schnell und viel redet. Goetz ist ein gemütlicher Kerl mit grauem Schnauzer und runder Brille. Über seinem Poloshirt mit gesticktem VHD-Logo trägt er eine Lederschürze, in die das VHD-Logo eingebrannt ist. Sie spannt ein wenig. „Mit des Bieres Hochgenuss wächst des Bauches Radius“, sagt Goetz dazu. Hin und wieder schaut er in den Topf und auf die Uhr. Begonnen hat er mit dem Maischen um 9.16 Uhr. So steht es im Brauprotokoll. Sie gibt ihm genau an, wie lange die Maische auf welcher Temperatur kochen muss.

          Ob genug Stärke in Zucker umgewandelt wurde, überprüft Goetz, indem er einen Tropfen Maische auf ein Refraktometer aufträgt und es sich wie ein Fernrohr vor das Auge hält. Am Farbverlauf erkennt er den Zuckergehalt. Nach dreieinhalb Stunden wird die Malzzuckerlösung, die Würze, aus der Maische abgelassen. Im Bottich bleiben beim sogenannten Läutern Malz- und Eiweißreste (der Treber) zurück. Es dauert etwa zweieinhalb Stunden. „Einmal“, sagt Greher, „einmal hat das Malz so geklebt, dass das Läutern vier Stunden gedauert hat. In der Zwischenzeit haben wir Bier getrunken.“ Das Ergebnis: Bei den Messungen verrechnet und am Ende ein Starkbier gebraut. Greher und Goetz lachen.

          Bei Ebay ersteigertes Buch brachte Goetz' Bierbrauerei in Gang

          Nachdem die Würze in den Sudbottich gelaufen ist, schippt Goetz ein Kilo Treber in eine Schüssel. Daraus backt seine Frau Stefanie zusammen mit dem gleichen Teil Mehl ein kräftiges Brot, das hervorragend zu Fleischsalat passt und Familie Goetz eingefroren für vier Wochen unabhängig vom Bäcker macht. Den Rest bekommen die Schweine eines Bekannten. Die Würze wird nun mit heißem Wasser verdünnt und aufgekocht. Dann kommt hinzu, was das Bier bitter macht: der Hopfen. Einmal, sagt Greher, habe ein Brauer aus seiner Gruppe auf dem Rosenmontagsumzug zu viel getrunken und bei den drei Hopfengaben die Minuten mit den Grammzahlen verwechselt. So landete deutlich mehr Hopfen im Bier. „Bei der Verkostung auf dem VHD-Treffen haben wir damit trotzdem den zweiten Platz gemacht. Es war ja ein Pils.“ Und ein Pils muss herb sein.

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