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Kürzungen für Gymnasien : Vielfalt geht verloren

Reaktionstest: Im Leistungskurs Chemie an der Schillerschule in Frankfurt-Sachsenhausen Bild: Helmut Fricke

Weil die Hessische Landesregierung Geld für Inklusion und Ganztagsschulen braucht, kürzt sie in der Oberstufe. Eltern sehen das Abitur bedroht.

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          Das hatte sich Alexander Lorz anders vorgestellt. Als der hessische Kultusminister im Sommer nach Frankfurt kam, wollte er eigentlich eine Vereinbarung über ein Ganztagsprogramm für Grundschulen unterzeichnen. In fröhlichem Rahmen, mit musizierenden Kindern und dankbaren Eltern. Doch als die schwarze Limousine aus Wiesbaden auf den Hof der Sachsenhäuser Grundschule einbog, wurde sie nicht mit Blumensträußen, sondern mit Protestplakaten empfangen. Rund tausend Oberstufenschüler waren von mehreren Frankfurter Gymnasien gekommen, um gegen die Kürzungen der schwarz-grünen Landesregierung zu demonstrieren.

          Matthias Trautsch

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Überraschung war dem CDU-Politiker anzumerken. War es doch bis dahin relativ ruhig geblieben um die geplanten Sparmaßnahmen. Lediglich der Hessische Philologenverband hatte aufgeschrien, als im Frühjahr 2015 bekanntgeworden war, dass die Oberstufen künftig weniger Lehrerstunden zugewiesen bekommen sollten. „Dieser Landesregierung ist alles andere wichtiger als das Gymnasium und die Studierfähigkeit der Abiturienten“, äußerte der Verbandsvorsitzende. Die Bildungspolitik unter Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sei „von einer erschreckenden Orientierungslosigkeit gekennzeichnet“.

          „Die Kürzungen haben tiefgreifende Konsequenzen.“

          Klare Wort von einem Verband, der sich eigentlich der CDU verbunden fühlt. Trotzdem dauerte es Wochen, bis sich auch an den Schulen Empörung regte. Das hängt mit zwei Dingen zusammen. Erstens begründete die schwarz-grüne Landesregierung die Einsparungen mit Zielen, die im hessischen Bildungsdiskurs sakrosankt sind: dem Ausbau der Ganztagsschulen, der Inklusion und der Integration. Jahrelang hatten Eltern für Nachmittagsbetreuung und für das Recht behinderter Schüler auf den Besuch einer Regelschule gestritten. Wer wollte jetzt kritisieren, dass die Landesregierung diese Aufgaben endlich anging und dafür eben an anderer Stelle sparen muss?

          Der zweite Grund hängt mit der komplizierten Materie der Lehrerstundenzuweisung zusammen. Die Fachleute vom Philologenverband hatten gleich begriffen, dass es allenfalls rechnerisch korrekt war, dass Kultusminister Lorz von einer nur marginalen Kürzung der Zuweisung um anfangs ein, nach drei Jahren um dann insgesamt zwei Prozent sprach. Doch die meisten anderen, zumal die mit der Lehrerstunden-Arithmetik nicht vertrauten Eltern, erkannten erst nach und nach, dass dieser verhältnismäßig kleine Einschnitt genau die Angebote treffen würde, die für sie die Schulform Gymnasium attraktiv machen.

          Am humanistischen Lessing-Gymnasium im Frankfurter Westend, das sich auf eine bis ins 16. Jahrhundert zurückreichende Tradition beruft, hat sich der Schulelternbeirat inzwischen tief in die Materie eingearbeitet. „Wir haben das monatelang durchgerechnet und diskutiert“, sagt der Vorsitzende Martin Wiesmann. „Aber es gibt keinen Puffer mehr, die Kürzungen haben tiefgreifende Konsequenzen.“

          Annette Reschke, die stellvertretende Vorsitzende des Elternbeirats, macht das an einer vereinfachten Beispielrechnung deutlich. „Wenn es heißt, wir müssten 0,7 Lehrerstellen einsparen, dann klingt das nach gar nichts.“ Umgerechnet seien das aber 15 Unterrichtsstunden je Woche und somit drei Leistungskurse oder bis zu sieben Grundkurse. Das bedeute, dass Kurse entweder nicht mehr stattfinden könnten oder zusammengelegt werden müssten.

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