https://www.faz.net/-gzg-8e3o8

Kürzungen für Gymnasien : Vielfalt geht verloren

Jahrelange Profilbildung der Gymnasien ginge verloren

Bedroht wären zunächst Kurse mit relativ geringen Anmeldezahlen, etwa in Griechisch, Musik und Geschichte, eben solche, die das Profil der humanistisch und musisch geprägten Schule ausmachen. Oder man streicht mit Chemie einen Kurs, der von einem Gymnasium eigentlich erwartet wird. Die stärkeren, für das Abitur oft verpflichtenden Fächer würden zwar weiterhin angeboten, durch Zusammenlegungen aber in ihrer Qualität gefährdet, sagt Reschke. „In einem Leistungskurs Mathematik kann man mit 28 Schülern nicht mehr arbeiten.“

Ein Anliegen der CDU-Bildungspolitik in Hessen war seit den Zeiten von Roland Koch die Profilbildung der Gymnasien. Sie sollten unterschiedliche Schwerpunkte entwickeln, in den Naturwissenschaften etwa durch Kooperationen mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen, in den Sprachen durch bilingualen Unterricht und in der Musik durch eine reichhaltige Orchesterarbeit und die Förderung begabter Solisten.

In Großstädten wie Frankfurt, wo viele Gymnasien untereinander konkurrieren und sich voneinander abheben wollen, entstand so eine bunte Bildungslandschaft. Entscheidend ist dabei, dass das Profil von der fünften Klasse bis zum Abitur verfolgt wird - schließlich sollte ein Kind, dessen naturwissenschaftliche Neigungen in der Mittelstufe durch entsprechende Förderung wachsen, in der Oberstufe auch die Möglichkeit haben, Physik oder Chemie als Leistungskurs zu wählen.

Eltern und Lehrer protestieren

Diese über die Jahre entwickelten Profile drohten nun „mit einem Federstrich zunichtegemacht“ zu werden, warnt Elternbeirätin Reschke. „Das ist erschütternd.“ Wenn jedes besondere Angebot gestrichen werde, dann führe das Gymnasium nur noch zu einem „Schmalspur-Abitur“, sagt Wiesmann. Es sei auch nicht möglich, wie vom Kultusministerium vorgeschlagen, noch mehr an freiwilligen Arbeitsgemeinschaften zu kürzen und so Ressourcen für die Oberstufenkurse zu gewinnen. Um den Verlust von 15 Wochenstunden zu kompensieren, müsste das Lessing-Gymnasium nach Wiesmanns Worten sämtliche Arbeitsgemeinschaften streichen - darunter auch so wichtige wie jene, die sich dem Andenken der im Nationalsozialismus verfolgten jüdischen Schüler und der drei Widerständler vom 20. Juli 1944 widmeten, die am Lessing-Gymnasium Abitur gemacht haben. „Das ist kein Ringelpiez, da wird wertvolle Arbeit gemacht.“

Die Angst davor, mit den fachlichen Schwerpunkten und besonderen Angeboten auch die Identität zu verlieren, geht an Gymnasien im ganzen Land um, ist aber besonders stark in Frankfurt, dem mit Abstand größten hessischen Schulträgerbezirk. Dort gibt es viele kleinere und mittlere Gymnasien, in denen sich die Kürzungen direkt auswirken, weil sie nicht durch Umschichtungen zu kompensieren sind. In „Frankfurter Appellen“ haben sich die Elternbeiräte aller 19 öffentlichen Gymnasien an die Landesregierung gewandt, um davor zu warnen, mit den Kürzungen fortzufahren.

Weitere Themen

Muslimisches Bad, Fahrplanwechsel, „Loverboys“

F.A.Z.-Hauptwache : Muslimisches Bad, Fahrplanwechsel, „Loverboys“

Ein Frankfurter möchte ein muslimisches Schwimmbad bauen. Der jährliche Fahrplanwechsel im Dezember bringt eine neue S-Bahn-Station. Die hessische Landesregierung beschäftigt sich mit „Loverboys“. Das und was sonst noch wichtig ist in Rhein-Main, steht in der F.A.Z.-Hauptwache.

Topmeldungen

Verfasste laut Dokumenten aus der Stasi-Unterlagenbehörde über zwölf Berichte zu Kameraden: der neue Verleger der „Berliner Zeitung“ Holger Friedrich

„Berliner Zeitung“ : Was ist das für ein Verleger?

Der Einstieg von Silke und Holger Friedrich beim Berliner Verlag war furios. Sie veröffentlichten ein Manifest, alles sah nach Aufbruch aus. Und was ist jetzt, nach den Stasi-Enthüllungen?
Geht’s nicht voran? Ein Mann wartet unterwegs auf das Internet.

Mobilfunkausbau : So soll das Handy schneller werden

Die Bundesregierung will im Mobilfunkausbau verängstigte Bürger besser informieren. Denn die bremsen zuweilen den Antennenausbau wegen möglicher Strahlenbelastung. Doch das ist nicht der einzige Grund für den lahmenden Ausbau des Netzes.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.