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Umgang mit Missbrauch : Die katholische Kirche und das Recht

Wollte vermeiden, dass der Eindruck von „Taschenspielertricks“ entstehe: Wolfgang Rösch, Limburger Generalvikar Bild: dpa

Auch nach Aussagen des Bistums Limburg zum Ausmaß des sexuellen Missbrauchs durch Geistliche bleiben viele Fragen: Das Bistum tut gut daran, diese Fragen rasch zu beantworten. Im Sinne der Opfer. Aber nicht nur deshalb. Ein Kommentar.

          Irgendwann merkte der Limburger Generalvikar, dass die Sache in die falsche Richtung lief. Er wolle vermeiden, dass der Eindruck von „Taschenspielertricks“ entstehe, sagte Wolfgang Rösch, nachdem er sich selbst in der unklaren Darstellung der Missbrauchszahlen zur Diözese verheddert hatte – und Nachfragen von Journalisten erkennen ließen, dass hier gerade gar nichts klar und souverän vorgetragen worden war.

          Tatsächlich ist die Pressekonferenz des Bistums am Dienstagnachmittag ein interessantes Beispiel dafür, was weite Teile der katholischen Kirche entgegen allen Beteuerungen für Transparenz halten. Besser machte es das Bistum Fulda, das ebenfalls zu einer Pressekonferenz einlud und viel mehr Details zu Opfern und Tätern veröffentlichte – in klarer Form. Hätten hingegen die Journalisten in Limburg nicht immer wieder nachgefragt, wäre an diesem Nachmittag trotz der umfangreichen Missbrauchstudie der Deutschen Bischofskonferenz etliches unklar geblieben.

          Urteil eines Gerichts

          So steht nun fest, dass es im Bistum schon vor 2001 mindestens zwölf Personen, in Mehrheit Priester, gab, die durch das Urteil eines Gerichts oder durch eigene Aussage strafrechtlich als Täter bekannt waren. Kurz gesagt: Straftäter, die sich in irgendeiner Form an Kindern und Jugendlichen vergriffen hatten.

          Der Skandal ist: Das Bistum tat daraufhin – nichts. Es leitete keine kirchenrechtlichen Verfahren ein, obwohl es Urteile weltlicher Gerichte gab. Auf mehrmalige Nachfrage antwortete der für den Umgang mit den lange zurückliegenden Straftaten ebenso wenig wie der Generalvikar verantwortliche Kirchenrechtler des Bistums: „Ich kann nur sagen, seitdem es eine Meldepflicht gibt, haben wir alle Fälle gemeldet.“ Diese Pflicht besteht seit 2001, zu melden haben die Bistümer die Vorfälle an die römische Glaubenskongregation.

          Was aber geschah mit den übrigen zwölf Straftätern in kirchlichen Diensten? Kaum denkbar, dass in einer Personalakte nicht vermerkt worden wäre, dass ein Priester wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt wurde. Wohin wurden die Täter versetzt? Wer wusste davon? Wer entschied das? Was waren die neuen Aufgaben? Hatten pädophile Täter weiterhin Kontakt zu Messdienern und Kommunionkindern? Wer kümmerte sich wie um die Opfer? Und wer trägt die Verantwortung für all das?

          Das Bistum Limburg tut gut daran, diese Fragen rasch zu beantworten. Im Sinne der Opfer. Aber auch, um aus vielen Worten endlich eine wahrhaftige Aussage zu machen.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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