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Hausbesetzung in Frankfurt : Geplänkel am „Paradieshof“

Trommeln für ein „Willkommenszentrum“: Aktivisten und Polizisten vor dem Paradieshof. Bild: Helmut Fricke

In Sachsenhausen besetzte die Gruppe „Project Shelter“ das Gebäude kurzzeitig und forderte wiederholt ein „Willkommenszentrum für Migranten“. Nach kurzer Konfrontation mit der Polizei verließen die Aktivisten das Gebäude freiwillig.

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          Friedlich mit einer Demonstration zu Ende gegangen ist am Samstagabend der zweite Versuch der Gruppe „Project Shelter“, ein Haus für ein „Willkommenszentrum für Migranten“ zu besetzen. Am Nachmittag hatten in Alt-Sachsenhausen etwa 50, zum Teil vermummte Mitglieder der Gruppe zunächst Barrikaden aus Holzpaletten errichtet und dann eine Seitentür des seit Jahren leerstehenden „Paradieshofes“ aufgebrochen. Als die von Anwohnern alarmierte Polizei eintraf, hatten die Aktivisten das der Stadt gehörende Gebäude schon wieder verlassen.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Polizei zufolge mussten die Einsatzkräfte unter kurzzeitigem Einsatz von Pfefferspray die Straßensperre überwinden, um zu dem Gebäude vorzudringen. Zu weiteren Konfrontationen sei es nicht gekommen, niemand sei festgenommen worden, von Verletzten sei nichts bekannt. Dagegen beklagte ein Sprecher von Project Shelter, einige Mitglieder hätten wegen des „rabiaten Vorgehens“ der Polizei Verletzungen davongetragen.

          Paradieshof soll „Leuchtturm“ der Kultur und des urbanen Miteinanders werden

          Sinn der Aktion war laut einer Erklärung der Gruppe, auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen, ein selbstverwaltetes Willkommens- und Begegnungszentrum für Flüchtlinge und obdachlose Migranten errichten zu können. Schon im Dezember hatte sie deswegen ein Haus an der Berger Straße besetzt, es musste geräumt werden. Diesmal beließ es Project Shelter dabei, Transparente an die Fassade des Paradieshofes zu hängen, gelbe Bänder zu den Bäumen zu spannen und eine Kundgebung auf dem kleinen Platz vor dem Gebäude abzuhalten. Auch die Polizei war um Deeskalation bemüht: Sie sperrte das Areal zwar ab, ließ aber Aktivisten, die zu ihren Unterstützern jenseits der Kette wollten, passieren. Von einem „Kessel“ konnte daher keine Rede sein. Gegen 19 Uhr wurde spontan eine Demonstration angemeldet, an der laut Polizei etwa 100 Personen teilnahmen; sie zogen über die Alte Brücke bis zur Konstablerwache.

          Für die Stadt hat sich durch die Kurzzeitbesetzung nichts an den Plänen mit dem „Paradieshof“ geändert. Wie Mark Gellert, Referent von Planungsdezernent Olaf Cunitz (Die Grünen) gestern auf Anfrage sagte, läuft das Verfahren noch, mit dem ein Investor für eine Neugestaltung des Gebäudekomplexes ausgewählt werden soll. Ziel sei, gegen die Entwicklung von Alt-Sachsenhausen zu einem von Kneipen und Shisha-Bars dominierten Viertel dort einen „Leuchtturm“ der Kultur und des urbanen Miteinanders zu setzen. Deswegen hatte die Stadt das Gebäude schon vor einigen Jahren gekauft, nachdem das Lokal „Paradieshof“ aufgegeben worden war. Die Idee, der „Fliegenden Volksbühne“ von Michael Quast dort ein Domizil zu schaffen, scheiterte vor drei Jahren jedoch an zu hohen Investitionskosten.

          Keine Anzeige durch die Stadt

          Laut Gellert könnten am Paradiesplatz ein Café, eine kleine Theaterspielstätte, Ateliers, Büros und Wohnungen entstehen. Ende des zweiten Quartals soll entschieden werden, wer von den neun Interessenten den Zuschlag erhält. Ob der Paradieshof, dessen Substanz durch den langen Leerstand marode geworden ist, erhalten bleibt, ist noch ungewiss.

          Die wiederholte Kritik von Project Shelter, Frankfurt unterstütze es nicht bei dem Vorhaben, Flüchtlinge und Migranten, die auf der Straße lebten, eine Unterkunft zu geben, man werde vielmehr schon seit einem Jahr hingehalten, wies der Referent des Planungsdezernenten zurück. Es sei wie bei jedem anderen Anliegen, das von Vereinen oder Initiativen an die Stadt herangetragen werde: Zunächst müsse fachlich durch die Dezernate und von den Gremien geprüft werden, ob es Unterstützung verdiene. Einfach nur ein Gebäude zu fordern, sei zu wenig, zumal der Stadt nur wenige ungenutzte zur Verfügung stünden.

          Zu einer mittelbaren Konfrontation mit der Kommune ließen es die Aktivisten am Samstag nicht kommen. Weil sie den Paradieshof freiwillig verließen, musste die Stadt auch keine Anzeige erstatten und von der Polizei nicht die Räumung verlangen.

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