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Carsten Knop

Kommunalwahlen in Hessen : Der Zeitgeist ist grün

  • -Aktualisiert am

Perfektes Storytelling auch beim Bild vom Wahlabend: Die grünen Spitzenkandidaten Martina Feldmayer, Bastian Berghhoff (3.v.links), der Bundestagsabgeordnete Omid Nouripour (links) und die Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (rechts). Bild: Frank Röth

Das Spektakulärste am hessischen Wahlabend ist das Abschneiden der Grünen. Sie beherrschen derzeit ein perfektes „Storytelling“ – und sind vergleichsweise unverbraucht.

          2 Min.

          Die Kommunalwahlen in Hessen haben die Grünen gewonnen. Sie legen deutlich zu. Die FDP hat sich recht gut behauptet, die CDU muss zumindest nicht laut klagen. Die SPD hat keinen Grund zu Freude, und die AfD ist unspektakulär schwach. Dort, wo starke Amtsinhaber in Wahlen zum Oberbürgermeister gegangen sind, wurden sie für ihre Amtsführung belohnt und deutlich bestätigt. In Hanau und Bad Homburg bleibt an der Spitze der Stadt deshalb alles beim – aus der Sicht der Wähler – bewährten Alten.

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          Das Entscheidende, wenn nicht sogar Spektakuläre, nicht nur am hessischen Wahlabend ist aber das Abschneiden der Grünen. Sie haben unter den Diskussionen um den Ausbau der A49 und die Abholzung des Dannenröder Forsts nicht gelitten, wurden im Zweifel für ihre Verlässlichkeit an der Seite des Gesetzes sogar belohnt. Der von den Grünen formulierte Dreiklang aus Ökologie, Ökonomie und sozialer Gerechtigkeit kommt bei den Wählern an; die effiziente und geräuschlose Arbeit an der Seite der CDU im Wiesbadener Landtag hilft auch bei den Kommunalwahlen. Zudem liegen die Grünen voll auf der Linie des Zeitgeists, längst nicht nur der jungen Wähler.

          Perfektes Storytelling

          Das heißt, dass für diejenigen, die hier ihre Stimme abgeben, Klimaschutz dort anfängt, wo die Menschen leben. Denn so ist es in den Wahlprogrammen der Grünen formuliert: Alte Energieträger durch regenerative zu ersetzen, heißt für diese Wähler, dass es der einzige Weg ist, um Wohlstand und Lebensqualität zu erhalten. Das Handwerk freut sich im Zweifel über entsprechende Förderprogramme beim Umbau von Heizungen, die Eigentümer über die entsprechenden Zuschüsse – und ein gutes Gefühl haben dabei alle diejenigen, die an diese Formel glauben.

          Der Verkehr wiederum wendet sich vom klassischen Auto mit Verbrennungsmotor schneller ab als die Technologie der Elektroautos hinterherkommt – und digitale Bildung wollen inzwischen sowieso alle. Die Grünen beherrschen derzeit ein perfektes „Storytelling“, wie es in der PR-Branche heißt, denn sie holen die Wähler an allen diesen Stellen ab. Sie wirken nach wie vor vergleichsweise unverbraucht – und haben wenig mit Skandalen zu tun.

          Die anderen Großen, und zu diesen muss man die Grünen klar zählen, verheddern sich in Awo- und Maskenaffären, wobei die CDU in Hessen noch von der vergleichsweise besonnenen Amtsführung des Ministerpräsidenten Volker Bouffier profitiert. Für künftige Wahlen, gleichgültig auf welcher Ebene, ist die Aufgabe für alle Herausforderer der Grünen gleich. Die Suche nach einem klareren Profil muss schnell zu Ergebnissen führen: Wer traut sich, seine Wirtschaftskompetenz mal wieder etwas stärker in den Vordergrund zu schieben? Den Glauben daran, dass ohne die Kraft des Marktes keine Wende hin zum Besseren gelingt, auch nicht beim Klimaschutz?

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          Trends und Ergebnisse : Alle Zahlen zur Kommunalwahl in Hessen

          Wer will sich in die Debatte für eine realistische Verkehrs- und Energiewende einbringen, welche die Interessen der im Hier und Jetzt wirtschaftlich Handelnden nicht außer Acht lässt? Wer denkt daran, dass staatliche Förderprogramme nicht nur bezahlt werden müssen, sondern auch Ideen auf der Basis rein individueller Entscheidungen verdrängen? Wer hält die Fahne der Freiheit hoch – und das Recht auf eine bessere Bildung in einer Gesellschaft, die Leistung weiter belohnt?

          Es gibt noch viel zu gewinnen, was aber, gleichgültig, wie überzeugend das Programm ist, nur im Rahmen einer integeren Amtsführung gelingt. Dann gewinnen Oberbürgermeister sogar noch Wahlen, wenn sie von der SPD kommen, siehe Hanau.

          Carsten Knop
          Herausgeber.

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