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Freiwillige Feuerwehr : Mit Mut, Besonnenheit und Kameradschaft

  • -Aktualisiert am

„Unersetzliche Arbeit“: Regelmäßig präsentieren die ehrenamtlichen Brandschützer ihr Können in der Öffentlichkeit, hier 1994 auf dem Römerberg. Bild: Helmut Fricke

Einst mussten Brände von den Bürgern selbst gelöscht werden. Dann bildeten sich die ersten Freiwilligen Feuerwehren. Doch die Geschichte der Feuerwehr liest sich nicht nur erfolgreich.

          Vom Ledereimer zum Löschgruppenfahrzeug, vom Turnverein zum Kreisfeuerwehrverband: Weil sie in gemeinschaftlicher, organisierter Form etwas für ihre Orte und Stadtteile tun wollten, taten sich 1869 die ersten freiwilligen Feuerwehrgruppen am Main zusammen. Nicht nur der damals berühmt-berüchtigte „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn hatte mit der sportlichen Ertüchtigung der Landeskinder vor allem politische Ambitionen verbunden, auch seine seit Beginn des 19. Jahrhunderts in zahlreichen Turnvereinen organisierten Anhänger debattierten und agitierten schon früh weit über die Leibesertüchtigung hinaus.

          Angestachelt durch die Revolution von 1848 und den Aufruf des Heidelberger Lösch- und Rettungsgerätefabrikanten Carl Metz, der sagte: „Das Löschwesen ist Turnerwesen“, entwickelten sich aus freiwilligen Löschgruppen oder Pompier-Korps in Turnvereinen in Rödelheim, Bockenheim oder Sachsenhausen die ersten Freiwilligen Feuerwehren Frankfurts.

          Vollständig verstört

          Revolutionär wie die Nationalversammlung war das auch deshalb, weil das Feuerlöschen bis dahin als individuelle Bürgerpflicht gegolten hatte, wozu jeder Haushalt einen Ledereimer vorhalten und im Brandfall mit diesem eigenhändig löschen helfen musste. Doch die ungeübten und verängstigten Bürger konnten in den eng bebauten Gassen der Stadt oft wenig ausrichten, und auch die ersten freiwilligen Feuerwehren arbeiteten noch wenig abgestimmt und waren nicht geschult. Offenbar erst die Brandkatastrophe von 1867, bei der weite Teile der Innenstadt und auch die mittelalterliche Krönungskirche der deutschen Kaiser vollständig zerstörte wurden, ließen die einzelnen Feuerwehrgruppen zusammenrücken und fortan an gemeinsamer Ausbildung, Struktur und Organisation arbeiten.

          Von zentraler Bedeutung: Kinder- und Jugendausbildung, die von den Freiwilligen Feuerwehren und dem Kreisverband geleistet wird

          Dabei fühlten sich die Freiwilligen Feuerwehren schnell den „Turn-Feuerwehren“ überlegen und unsachgemäße oder sogar rivalisierende Einsätze scheinen an der Tagesordnung gewesen zu sein. Deshalb wurde 1873 durch die Stadtverordnetenversammlung der Aufbau einer bezahlte Berufsfeuerwehr beschlossen, ebenso die Auflösung der Freiwilligen Feuerwehren 25 Jahre später.

          Ein Bindeglied zwischen Feuerwehren

          Doch dazu kam es nur in Einzelfällen, denn schon damals, so beschreibt es anschaulich die zum Jubiläum des Kreisfeuerwehrverbands herausgegebene Festschrift, gingen die zahlreichen Brand- und Hilfeleistungseinsätze in der wachsenden Stadt „bis an die Grenzen des Belastbaren für den Berufsfeuerwehrmann“. Der Kreisfeuerwehrverband wurde zunehmend zum Bindeglied zwischen den Freiwilligen- und den Berufsfeuerwehren – und das ist er als Dachorganisation der Frankfurter Feuerwehren bis heute. Mehr als 4000 Mitglieder zählt der Verband inzwischen, die Hälfte davon sind Ehrenamtliche. Organisiert sind in dem Verband derzeit nicht nur 28 freiwillige Feuerwehren und Jugendfeuerwehren, die Berufsfeuerwehr der Stadt und die Rettungshundestaffel, sondern auch die Werksfeuerwehr der Gebrüder Schmidt Druckfarben, Alters- und Ehrenabteilungen, Feuerwehrvereine und das 1968 gegründete ehrenamtliche Aktionskomitee Kind im Krankenhaus.

          So erfolgreich las sich die Geschichte des Kreisfeuerwehrverbands nicht immer. Die beiden Weltkriege forderten ihren Tribut, ebenso die Eingliederung aller Feuerwehren in das Polizeisystem unter den Nationalsozialisten. Doch gerade während der Bombenangriffe und Brandverwüstungen des Zweiten Weltkriegs zeigte sich die Bedeutung und die hohe Einsatzbereitschaft der Frankfurter Wehrmänner, und bereits 1946 wurde der Brandschutz der Stadt mit Hilfe der Amerikaner neu organisiert und wieder aufgebaut. Im Fokus stand zunächst die Berufsfeuerwehr, die Freiwilligen Feuerwehren litten in den fünfziger und sechziger Jahren unter Bedeutungsschwund und geringen Mitgliederzahlen. Doch als die Berufsfeuerwehr 1967 als Erste in der Bundesrepublik auch den gesamten zivilen Bevölkerungsschutz der Stadt übernahm, wurde klar, dass es ohne starke Freiwillige in den einzelnen Stadtteilen nicht ging. Die Mitgliederzahlen stiegen wieder an, und die Aufgaben wurden mit Gefahrenabwehr und -prävention – auch in den Bereichen Industrie, Verkehr, Umweltschutz und Branderziehung – immer vielfältiger.

          Heute leisten vor allem die Freiwilligen Feuerwehren und damit auch der Kreis-verband durch ihre engagierte Kinder- und Jugendausbildung eine „unersetzliche Arbeit“, so der zuständige Dezernent Markus Frank (CDU), Schirmherr der Jubiläumsfeierlichkeiten, die der Kreisfeuerwehrverband in diesem Jahr plant. Die gelebten Werte der Feuerwehren, wie Mut, Besonnenheit, Solidarität und Kameradschaft, seien auch Grundwerte der Gesellschaft, betont Frank. Stadtbrandinspektor Dirk Rübesamen, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbands, freut sich über die Anerkennung und Unterstützung seitens der Stadt. Und er blickt trotz gelegentlicher Nachwuchssorgen auch nach 150 Jahren Kreisfeuerwehrverband optimistisch in die Zukunft: „Mit unserem Erfahrungswissen muss uns vor künftigen Herausforderungen nicht bange sein.“

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