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Forderung nach Reformen : „Das System Kino steckt fest“

Auf der Berlinale fordern hessische Filmschaffende Veränderungen. Bild: dpa

Auf der Berlinale fordern hessische Filmschaffende Veränderungen. „Das System Kino steckt fest“, lautet ihr Befund. Die neue hessische Kunstministerin Angela Dorn hat in Berlin derweil ihre eigene Premiere.

          Die „Frankfurter Positionen“ machen in Berlin die Runde. Doch es geht nicht um das gleichnamige Kunstfestival der BHF-Bank-Stiftung, das soeben in Frankfurt zu Ende gegangen ist, sondern um ein Thesenpapier: Am Mittwoch wird im Rahmen der Berliner Filmfestspiele die Veranstaltung „Filmförderung zukunftsfähig gestalten“ stattfinden. Eine Diskussion über das, was 2018 in Frankfurt verhandelt worden ist. „Das System Kino steckt fest“, lautet der Befund, den schon am Tag vor der Eröffnung der Berlinale die aktuellen Zahlen der Filmförderungsanstalt bestätigt haben. 2018 ging der Umsatz aus dem Kartenverkauf in den Kinos von 122 auf 105 Millionen zurück.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) hat prompt vor der Eröffnung der Berlinale einen Runden Tisch zur Filmförderung und zum Kulturgut Kino angekündigt – und sich dabei auch lobend zu den Frankfurter Film-Positionen geäußert. „Unser Papier macht in Berlin die Runde“, sagt Gregor Maria Schubert vom Lichter Filmfest hocherfreut. Er und Mit-Festivalleiterin Johanna Süß hatten 2018 Filmschaffende aus allen Gewerken eingeladen, um Vorschläge für eine Reform der Filmlandschaft zu erarbeiten.

          „Frankfurter Positionen zur Zukunft des Deutschen Films“

          Nun ist Lichter, zusammen mit den Initiative Pro Quote Film, dem Bundesverband Regie und der Plattform Crew United Gastgeber der Berliner „Debatte rund um die Vorschläge der Frankfurter Positionen zur Zukunft des Deutschen Films“. Und die haben es in sich: Weg mit dem „deutschen Gremienfilm“, der Kino und Fernsehförderung notorisch zusammen denkt und das künstlerische Wagnis verhindert. Weg mit falschen kommerziellen Erwartungen, hin zu mehr Nachwuchs- und Talentförderung: „Über künstlerische Filme kann nicht mehr in intransparenten Gremien mit einer verschwommenen pseudokommerziellen Spruchpraxis entscheiden werden“, heißt es in den „Positionen“, die den „selbst auferlegten Quotendruck“ und den „sozialpädagogischen Ansatz der siebziger Jahre“ der öffentlich-rechtlichen Sender kritisieren. Schon vor einem Jahr wurde die nun diskutierte Aufhebung der Sperrfristen für die Kinoauswertung von Filmen gefordert, die 120 Tage währt. Außerdem fordert das Frankfurter Papier, Förderungen zu entkoppeln, vor allem von Produktion und Verleih.

          Die kritischen „Positionen“, die beim diesjährigen Lichter Filmfest im März weiter diskutiert werden sollen, sind nicht der einzige hiesige Beitrag zu Berlinale. Manches hat jedoch direkt mit der auf „Ländereffekte“ bedachten Filmförderung zu tun: Am Sonntag hatte der Film „Born in Evin“ der als Schauspielerin bekannten, in Frankfurt aufgewachsenen Maryam Zaree seine vielbeachtete Weltpremiere. Die Tochter der vormaligen Frankfurter Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne) erforscht in der mit Hilfe von 120.000 Euro aus der hessische Filmförderung gedrehten autobiographischen Dokumentation die Lebenswege jener Kinder, die, wie sie, in Evin, einem iranischen Gefängnis, in dem Regimekritiker gefoltert wurden, geboren worden sind.

          Dorns Debüt als Gastgeberin

          Zwei andere von Hessen geförderte Produktionen sind in Berlin zu sehen, weil sie im Mai um den wegen seiner Auswahlkriterien umstrittenen Deutschen Filmpreis konkurrieren: David Nawrath hat in Frankfurt sein Spielfilmdebüt „Atlas“ gedreht, der Ende April in die Kinos, kommt; mit im Rennen ist auch der Kinderfilm „Pettersson und Findus 3“, der von Hessen Invest Film 550.000 Euro Unterstützung bekam.

          Am Dienstag wird die neue hessische Kunstministerin Angela Dorn (Die Grünen), die durch ihr Amt auch oberste Chefin der hessischen Filmförderung ist, ihr Debüt als Gastgeberin des Berlinale-Empfangs in der Landesvertretung geben. Gleich im Anschluss wird am Potsdamer Platz Ellen Harrington, Direktorin des Deutschen Filminstituts und des Filmmuseums Frankfurt das neue Kürzel DFF und die Projekte ihres Hauses vorstellen. Die Frankfurterin Brenda Lien wiederum, Musik- und Filmkünstlerin aus der Filmklasse von Rotraut Pape an der Offenbacher Hochschule für Gestaltung, gehört zu den 250 ausgewählten internationalen „Berlinale Talents“, die das Festival zum Kontakte knüpfen nutzen können. Kulturstaatsministerin Grütters kennt Lien, Jahrgang 1995, aber schon: Vor ein paar Monaten hat sie ihr für „Call of Comfort“ den Deutschen Kurzfilmpreis für den besten Experimentalfilm überreicht. Der Preis versteht sich auch als Filmförderung: Das Preisgeld muss für ein neues Projekt verwendet werden.

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