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Die Fantastischen Vier : Liebe, auch in Offenbach

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Experimentierfreude und Traditionsbewusstsein: Die Fantastischen Vier lassen sich von den Fans feiern. Bild: Daniel Vogl

Wie 1992 auf dem Bravo-Cover: Die Fantastischen Vier vereinen Generationen in der Frankfurter Festhalle und zelebrieren die runden Jubiläumsfeierlichkeiten schon mal vorab in Frankfurts Gudd Stubb.

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          Bei den Fantastischen Vier lautet die Formel: „Immer Fantas, denn wir können’s nicht anders.“ Wird wohl schon so stimmen, die grobe Selbsteinschätzung. Zumindest reimte das die Stuttgarter Benztown Gang 2014 so in einer Zeile des Jubiläumssongs „25“. Fünf Jahre später passt diese treffliche Selbstanalyse, die mit den plakativen Zeilen „Viele haben viel zu früh die Schnauze voll, so wie John und Ringo, George und Paul. Hätten die sich noch ein bisschen Zeit genommen, dann wären sie sicher auch so weit gekommen“ noch einen cleveren Querverweis zu den Liverpooler Fab Four enthält, wieder prima.

          Zu hören ist er fast am Ende eines gigantischen Spektakels in der ausverkauften Festhalle zwischen „Ichisichisichisich“ und „Zusammen“. Wenig später schießen üppige weiße Konfetti-Fontänen über die Köpfe der Besucherschar hinweg, als wäre gerade Kirschblütenzeit. Dazu sagt Michi Beck salbungsvoll „Wir werden diesen Sommer 30 Jahre alt – und können das selbst kaum glauben“ .

          Die Massen stimulieren

          Tatsächlich standen Smudo, Michi Beck, Thomas D und And.Ypsilon erstmals als Fantastische Vier am 7. Juli 1989 auf einer selbstgezimmerten Bühne aus Europaletten. Als pophistorischer Tatort lässt sich ein ehemaliger Kindergarten in Stuttgart-Wangen identifizieren. Bis zum Juli ist es zwar noch eine Weile hin, aber Fanta 4 zelebrieren die runden Jubiläumsfeierlichkeiten schon mal vorab in Frankfurts Gudd Stubb. Drei Dutzend Songs gibt es, ein klanglich recht wohltemperierter Mix aus gut abgehangenen Oldies gepaart mit nicht wenigem Material vom aktuellen zehnten Studiowerk „Captain Fantastic“. Als perfekter Anheizer darf Langzeitwegbegleiter DJ Thomilla rund eine Stunde lang die Massen stimulieren.

          Dann fällt die Sichtblende, da stehen die drei wohlbekannten Silhouetten von Smudo, Michi Beck und Thomas D im Gegenlicht, hinter der Digitalkonsole von And.Ypsilon sammelt sich die Begleittruppe, riesige Projektionsflächen leuchten auf. Schon bei den ersten Takten von „Captain Fantastic“ hält es auf den beiden Rängen keinen mehr auf seinem Sitzplatz. Im bis zum hinteren Hallenende vollbesetzten Innenraum stehen ja ohnehin schon alle. Als mindestens ebenso riesengroß erweist sich die Erwartungshaltung der Fangemeinde, die von Erstklässlern bis zum Rentner reicht. Alles fit im Schritt, signalisieren die vier nahezu identisch gekleideten Anfangsfünfziger, um bis auf wenige Ausnahmen über mehr als zwei Stunden lang ordentlich Vollgas zu geben.

          „Was geht?“

          In aktualisierten Arrangements erklingen Ohrwürmer aus der Frühzeit wie „Was geht?“, „Jetzt geht’s ab“ und „Sie ist weg“. „Ich seh’ doch noch genauso aus wie 1992 auf der Bravo, oder?“, entfährt es Hausmeister Thomas D, als er sich für den einstigen Durchbruchshit „Die da?!“ sein damaliges Brillenmodell auf die Nase setzt.

          Erstaunlicherweise präsentiert der sonst prinzipiell oberkörperfrei auftretende Thomas D den ganzen Abend lang keine nackte Haut. Dennoch ist auch der Publikumsrenner „Yeah Yeah Yeah“ von flammender Leidenschaft getrieben – was dazu wohl die Beatles sagen würden? Überhaupt ist Inszenierung ein Kerngeschäft: Mit einem Original-Sample aus Hildegard Knefs Balladensurrealismus „Im 80. Stockwerk“ ist das famose „Die Stadt, die es nicht gibt“ bestückt, beim balladesken „Tag am Meer“ greift das Trio sogar zu Helium, um sich Piepsstimmen zu verpassen. Als Western-Showdown mit Smudo und Thomas im Gunslinger-Duell erscheint „Buenos Dias Messias“. Wenig später tummelt sich Smudo im Publikum, wagt unter der Diskokugel gar ein Tänzchen. Als Bandnerd And.Ypsilon auch mal eine Zeile rappt, erhält er frenetischen Applaus. Ein weiteres Glanzlicht zündet sich mit dem Akronymen-Stakkato von „MfG“.

          Kreuz und quer jagen die Fantastischen Vier durch ihre Bandgeschichte. Ob „Das ist mein Ding“, „Dann mach doch mal“, „Ernten, was wir säen“ oder „Gebt uns ruhig die Schuld (den Rest könnt ihr behalten)“ – die Besucherschar skandiert alles mit. Längst zählt das in seinen Anfangszeiten noch als Novelty-Act und One-Hit-Wonder belächelte Schwaben-Quartett zur hiesigen Pop-Elite. Und bei aller Rückschau dienen Experimentierfreude und Erneuerungswille ihnen bis heute als kreativer Motor. Im letzten Drittel sagen die Fantastischen Vier“ nochmals eindringlich „Danke“, tummeln sich unverfroren im „Tunnel“, bevor dann mit dem finalen „Troy“ samt goldenem Luftschlangenbeschuss eine weitere Fan-Dankesbekundung ansteht. Zum Abschied gibt es Lokalkolorit von Michi Beck: „Vergesst bitte nicht, Frankfurter: Nur Liebe, keinen Hass! Auch in Offenbach!“

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