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Eintracht Frankfurt : Gute Ansätze, schlechte Aussichten

Licht und Schatten: Alexander Meier trifft gegen Stuttgart, lässt aber auch mehrere große Gelegenheiten ungenutzt. Bild: dpa

Durch das 2:4 gegen Stuttgart rückt die Eintracht zurück auf den 15. Tabellenplatz und nur zwei Punkte an den Relegationsplatz heran. Neuzugang Regäsel deutet sein Potential an, doch nun fällt ausgerechnet der „Unersetzliche“ aus.

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          Seinen Hang zur Ironie hat Armin Veh auch in der Stunde der nächsten Niederlage nicht verloren. Selbst daran schuld sei er, meinte der 55-Jährige süffisant, dass seine Mannschaft vor eigenem Publikum einen weiteren Misserfolg habe hinnehmen müssen. Beim 2:4 gegen Stuttgart gehörte Filip Kostic zu den treibenden Kräften der Schwaben, die durch ihre überzeugende Vorstellung die Frankfurter in der Tabelle überflügelten. Der Serbe trat den Eckstoß, der zum zweiten VfB-Treffer unmittelbar vor der Pause führte, und verwandelte den Strafstoß, der die Partie eine Viertelstunde vor dem Abpfiff entschied.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          An Kostic war vor zwei Jahren auch die Eintracht höchst interessiert – doch der heute 23 Jahre alte Nationalstürmer entschied sich für die besser dotierte Offerte der Schwaben. Bei denen Veh seinerzeit – für ein paar Monate – die Verantwortung trug. „Dass der ein Guter ist, war mir klar“, sagte der Fußballlehrer, der am Samstag mitansehen musste, wie sich seine Leute nach Kräften gemüht hatten, doch in den ausschlaggebenden Szenen an einem Gegner scheiterten, der von einer Woge des Selbstvertrauens getragen wurde und die Hessen für jede kleinste Unachtsamkeit eiskalt bestrafte.

          „Wir hätten uns absetzen können“

          Als „gar nicht schlecht“, beurteilte Alexander Meier, der in der 52. Minute zum 1:2 getroffen hatte, den eigenen Auftritt. Der VfB habe sich aber „richtig gut“ präsentiert und bei allem Sturm und Drang die nötige Abgeklärtheit besessen, „auf unsere Fehler zu warten“, wie es Meier ausdrückte. Und sie kamen. Auch von ihm. Früh und Mitte der zweiten Halbzeit besaß der Goalgetter drei Gelegenheiten, die er an Tagen, an denen es für ihn einigermaßen normal läuft, eigentlich mit verbundenen Augen nutzt. So aber ließ er bei zwei Kopfbällen (26. und 69. Minute) sowie einem Flachschuss, den Christian Gentner vor der Linie wegschlug (55.), die Möglichkeit ungenutzt, dem in diesen Phasen hin und her wogenden Spiel eine andere Wendung zu geben. Außerdem verschätzte sich Lukas Hradecky vor dem zweiten Treffer der Stuttgarter gravierend. Der Keeper, der seinen Vorderleuten ansonsten den Rücken freihielt, flog unter dem Ball hindurch und stand so auf verlorenem Posten, als Daniel Didavi aus kurzer Distanz Maß nahm.

          „Wir hätten uns absetzen können“, sagte Kapitän Meier später mit Blick auf die Tabelle, in der es noch einen Tick ungemütlicher wurde. „Wir haben drei Punkte verloren, die wichtig gewesen wären, aber die Leistung war nicht so schlecht wie das Ergebnis.“ Die Bilanz des Auftaktprogramms nach der Winterpause, fand auch er, hätte schlechter ausfallen können, zufriedenstellend sei sie aber nicht: Durch einen Sieg, ein Unentschieden und nun die erste Niederlage seien vier Punkte zusammengekommen, auf denen sich aufbauen, aber nicht ausruhen lasse. „Jetzt bleibt es eng.“

          Yanni Regäsel nutzt seine Bewährungschance

          Meier war, anders als seine Vorgesetzten Veh und Sportdirektor Bruno Hübner, der Meinung, dass es vor allem an ihm gelegen habe, dass die Eintracht nicht in Führung gegangen sei. Dass er vor dem Kopfball im Zweikampf mit Kevin Großkreutz einen Schubser in den Rücken bekam, wollte er nicht als Ausrede gelten lassen: „Der Ball muss rein.“ Nicht ganz so galant wollte auch er über eine Szene hinweggehen, die viele Beteiligte im Nachgang zu Diskussionen anregte. Gentner hatte nach einem Freistoß von Szabolcs Huszti die Kugel im Strafraum weithin erkennbar mit einem vom Körper weggestreckten Arm abgewehrt – nur Referee Peter Sippel und seine Assistenten werteten die Situation (38.) trotz heftiger Proteste im Eintracht-Lager nicht als elfmeterwürdig. „Das war deutlich zu sehen“, sagte Meier, während Hübner davon sprach, dass überhaupt alle wichtigen Szenen „gegen uns gelaufen sind“. Vehs Analyse lautete ähnlich, doch sie besaß keinen selbstbemitleidenden Ton, sondern aus ihr klang der Optimismus durch, dass dieser Nachmittag ungeachtet seines unerfreulichen Ausgangs ein Schritt in die richtige Richtung darstellen könnte: „Ich habe viele Dinge gesehen, die richtig gut waren.“ Sein Team habe „mit Leidenschaft Fußball gespielt und nie aufgegeben“. Es seien „klare Aktionen“ erkennbar gewesen, besonders das Umschalten von Abwehr auf Angriff sei nicht mehr so von „Zufallsprodukten“ geprägt, „wir spielen uns die Chancen heraus“, lautete Vehs Beobachtung. „Das ist ein Unterschied zu 2015.“

          „Unersetzlicher“ Zambrano wird nächste Woche fehlen

          Dass Yanni Regäsel dabei seine Bewährungsprobe derart resolut zu nutzen versuchte, passte zu den kernigen Aussagen, mit denen sich das vor einer Woche auf den letzten Drücker der Transferperiode aus Berlin verpflichtete Talent in Frankfurt vorgestellt hatte; zu erwarten waren sie in dieser unerschrockenen Form dennoch nicht unbedingt. „Der Junge hat das gut gemacht“, stellte Veh fest. Und auch Kollege Meier, dem der Name des neuen Mitspielers noch nicht recht geläufig scheint, sagte, „der hinten rechts hat ein super Spiel gemacht“. Außenverteidiger Regäsel selbst bescheinigte sich einen formidablen Einstand, aber er sei noch zu mehr imstande. Das wird auch vonnöten sein, denn bei der nächsten schweren Aufgabe müssen die Frankfurter auf einen Mann verzichten, der in ihrer Defensive von Veh gerne als „Unersetzlicher“ bezeichnet wird: Carlos Zambrano sah in der 75. Minute wegen wiederholten Foulspiels Gelb-Rot – und wird in Köln am kommenden Samstag fehlen. Die Frage, wie sehr, hängt davon ab, ob und wie seine Mitstreiter seinen Ausfall gemeinschaftlich zu kompensieren imstande sind.

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