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Neue Rothofstraße in Frankfurt : Die Dressgass’

  • -Aktualisiert am

Präsidentenausstatter am Main: Bekleidungsgeschäft Brooks Brothers mit Kunde Gerald McCullah Bild: Jana Mai

Der Dresscode in Banken ist streng. Wer Anzug und Kostüm braucht, wird nun an der Neuen Rothofstraße in Frankfurt fündig. Wobei dort nicht alles so ist, wie es scheint.

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          Hier segeln fast alle unter falscher Flagge: Der angebliche italienische Designer ist waschechter Frankfurter, der britische Schuhladen in Wahrheit italienisch, der mit englischem Namen daherkommende Herrenausstatter ein Niederländer, und hinter den angeblichen Söhnen aus der Londoner City steckt eine Düsseldorfer Schneiderkette.

          Aber Etikettenschwindel macht ja den Inhalt nicht automatisch schlecht. Nebeneinander aufgereiht an der Neuen Rothofstraße in Frankfurt erzeugen die Läden dort ein Flair, das ein wenig an angelsächsische Finanzzentren erinnert, wo man zur Lunchzeit gern einmal seine neuen Schuhe abholt oder zur Anprobe beim Schneider vorbeischaut. Es gibt Mode für Damen und Herren, nicht so teuer wie an der Goethestraße, aber standesgemäß. Vor allem Männer, deren Mehrheit ja lange Einkaufsbummel scheut, finden auf ein paar Metern das, was Banker, Anwälte und Berater von Welt brauchen: maßgeschneiderte Anzüge in sittsam Blau und Grau, Hemden mit individueller Kragenweite, handgefertigte Schuhe, wie man sie an der Wall Street trägt, Designerware, die aus uniformen Anzugträgern einzigartige Typen machen soll, und, nicht weniger wichtig, teure Uhren fürs eigene Handgelenk und Juwelen für die Liebste.

          „Noch ein unentdecktes Fleckchen“

          Wenn die Kunden denn den Weg in Frankfurts neue Dressgass' finden. „Es ist noch ein unentdecktes Fleckchen in der Stadt“, sagt Daniele Natale, Filialleiter und Maßschneider von Brooks Brothers.

          Der älteste Herrenausstatter Amerikas, der in seiner zweihundertjährigen Geschichte so gut wie jeden Präsidenten und Schauspielstar eingekleidet hat, betreibt weltweit Geschäfte. Mit ihrer einzigen deutschen Filiale ist die amerikanische Marke einer der Pioniere an der Straße südlich von Freßgass' und Goethestraße. „Als wir vor zwei Jahren eingezogen sind, waren wir hier mitten in einer Baustelle, das war ein ziemliches Chaos“, sagt Natale.

          Chaos ist allerdings das Gegenteil des Ladens, in dem die Regale höchst übersichtlich bestückt sind, die Hemden exakt Kante auf Kante liegen und alles nur so vor Gediegenheit strotzt. So sollen es Männer mögen, die mindestens 1200 Euro für einen Anzug von der Stange hinlegen oder ihn sich für ein Sümmchen mehr gleich ganz individuell anfertigen lassen. "Wir stehen für den blauen oder grauen Anzug, wer es modischer mag, ist eher auf der anderen Seite der Straße richtig", weist Natale freimütig den Weg. "Das ist ein gutes Nebeneinander an Geschäften, hier nimmt uns kein Nachbar Kunden weg."

          Für Väter und Söhne

          Gleich gegenüber haben sie es auf einen anderen Typ Mann abgesehen. Bei der Modekette Suitsupply glauben sie nicht daran, dass gut angezogene Herren automatisch auf den Gentlemen-Charme der vorletzten Jahrhundertwende stehen. Suitsupply mischt seit 2000 vor allem den europäischen Markt auf, ihr Gründer, der Niederländer Fokke de Jong, und seine Designer haben den Anzug zum Fashion-Objekt erklärt, mit dem sich weit mehr anstellen lässt als nur der perfekte Sitz. Verarbeitet werden italienische Stoffe, genäht wird aber in China, statt Maßkonfektion bietet man den Änderungsschneider gleich im Shop - alles zusammen senkt den Anzugpreis im Vergleich zur Nachbarschaft, bei unter 500 Euro geht es los.

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