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Deutsche Bank : Das gab es doch schon einmal

Damals ein großes Ereignis: 24 Stunden lang feierte die Deutsche Bank am 31. August 1999 die nagelneue Deutsche Bank 24. Bild: AP

Auf die Idee, das Privatkundengeschäft auszugliedern, sind Manager der Deutschen Bank schon einmal gekommen, im Jahr 1999. Eine Erinnerung aus aktuellem Anlass.

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          An alles war gedacht. Die Mitarbeiter hatten neue Krawatten bekommen mit einheitlichem Logo. An der Börse gab es Sekt. 2400 Luftballons stiegen in den Frankfurter Himmel. Und weil es gerade Dienstag war, wurden am Abend die Skater bewirtschaftet, die schon damals stets an diesem Wochentag durch Frankfurt rasten. 24 Stunden lang feierte die nagelneue Deutsche Bank 24 am 31.August 1999 den Beginn ihrer Tätigkeit am folgenden Tag. Gute Laune war Pflicht. Die Bank biete ihren Kunden viel mehr Möglichkeiten, hieß es. Sie werde in der Belegschaft ungeahnte Kräfte freisetzen. „Unser Geschäft muss künftig durchs Herz gehen“, sagte Herbert Walter, Chef der Deutschen Bank 24. „So wie Liebe durch den Magen gehen muss.“

          Manfred Köhler
          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Doch mit der Liebe war es so eine Sache, damals, als sich das größte deutsche Kreditinstitut entschied, sein Geschäft mit Privatkunden und den kleineren Unternehmenskunden in eine Tochtergesellschaft auszugliedern. Nicht jeder bemerkte das überhaupt. Aber manchen, dem die Neuerung sehr wohl auffiel, beschlich das Gefühl, nun zweitklassig zu sein. Vor allem Geschäftskunden, die zu der neuen Tochtergesellschaft wechseln mussten, schauten skeptisch. Sie hatten bloß ein Schreiben erhalten, dass ihre Konten künftig von der Deutschen Bank 24 geführt würden und nicht mehr von der alten, ehrwürdigen Deutschen Bank selbst. Der Brief sei in einem „wenig verbindlichen Ton“ gehalten gewesen, hieß es.

          Zusammenlegung mit Postbank erwägt

          Fünf Millionen Mark Jahresumsatz galten damals für Unternehmen als Grenze. Wer darüber lag, blieb bei der Deutschen Bank. Die Selbständigen, Freiberufler und kleineren Betriebe aber mussten allerhand Folgen tragen: Briefköpfe mussten geändert, Firmenunterlagen neu gedruckt und Geschäftspartner auf die geänderte Bankleitzahl und den neuen Namen der Hausbank hingewiesen werden.

          Die Erinnerung an diese Zeit kommt in diesen Tagen wieder, in denen in der Deutschen Bank neuerlich überlegt wird, das Privatkundengeschäft, also all das, was in den Filialen stattfindet, auszugliedern. Es womöglich mit der Postbank zusammenzulegen, die seit 2012 zu 94 Prozent der Deutschen Bank gehört, und dieses Unternehmen dann an die Börse zu bringen. Natürlich, die Welt hat sich weitergedreht. Die Begründung ist diesmal zum Teil eine andere. Die Deutsche Bank kommt seit Jahren nicht voran, ihr Aktienkurs gibt ein trauriges Bild ab. Zugleich verlangen Aufsichtsbehörden ein besseres Verhältnis des Eigenkapitals zur Bilanzsumme. Diese Quote steigt besonders leicht, wenn man Geschäft abstößt. Schließlich genießt in der Politik seit der Finanzkrise das Trennbankenmodell große Sympathie: Wenn sich Investmentbanker verzocken, sollen sie dabei nicht auch noch das solide Geschäft mit Einlagen und Krediten in den Abgrund reißen.

          Andere Schwierigkeiten gab es aber auch schon 1999. Mit dem Privatkundengeschäft lässt sich wegen des harten Wettbewerbs nicht so viel verdienen, wie man es im Vorstand gerne sähe. Damals hieß es unumwunden, ein Marktanteil in Höhe von sieben Prozent reiche nicht aus, um bei steigenden Ansprüchen der Kunden und sinkenden Margen das Geschäft profitabel zu betreiben. Die Ausgliederung sei die einzige Alternative zum Totsparen, sagte seinerzeit Deutsche-Bank-Vorstandsmitglied Tessen von Heydebreck.

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