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Geldhäuser suchen Büros : Die Brexit-Flüchtlinge kommen tatsächlich

Platzwahl: Goldman Sachs will wegen des geplanten Brexit eine namhafte Zahl von Stellen von London nach Frankfurt verlagern Bild: Reuters

Goldman Sachs sucht Büroflächen am Main – wegen des Brexits. Doch steht die Großbank damit nicht alleine da: Etliche Geldhäuser sind mit verbindlichen Flächengesuchen in Frankfurt unterwegs.

          Dass Goldman Sachs die erste große angelsächsische Investmentbank ist, die Klartext redet, hat die Makler in Frankfurt überrascht. Zuletzt waren alle davon ausgegangen, dass Morgan Stanley den Reigen eröffnen und offiziell ankündigen werde, eine nennenswerte Zahl von Jobs aus London nach Frankfurt zu verlagern. „Alle warten darauf, dass eine Bank sich an die Öffentlichkeit wagt“, hatte einer der maßgeblichen Makler noch am Freitag im Gespräch mit dieser Zeitung gesagt, „die anderen werden dann rasch folgen.“

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Nun hat das Warten ein Ende. Richard Gnodde, Europachef von Goldman Sachs, hat im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung angekündigt, die Zahl der Arbeitsplätze in Frankfurt „sehr wahrscheinlich“ mindestens verdoppeln zu wollen. Derzeit beschäftigt Goldman Sachs etwa 200 Banker in Frankfurt.

          „Grundannahme: Der Brexit kommt“

          Der unklare Ausgang der Wahl in Großbritannien am 8. Juni hatte in Frankfurt zunächst zu einer gewissen Verunsicherung geführt. Würde eine geschwächte Premierministerin Theresa May einen weicheren Brexit anstreben? Oder würde der Brexit womöglich ganz abgesagt und damit die Umzugsüberlegungen der Banken hinfällig machen? Gnodde hat nun klargestellt, sich auf solche Überlegungen nicht einlassen zu können. „Die Grundannahme ist: Der Brexit kommt.“

          Sein Geldhaus beginne deshalb damit, Ressourcen nach Frankfurt und in andere europäische Städte zu verlagern, so Gnodde weiter. Man könne nicht warten, bis im Detail geregelt sei, wie die Trennung 2019 vonstattengehe. Deswegen habe die Bank Pläne entwickelt, damit man unabhängig vom Ausgang der Verhandlungen in ganz Europa arbeitsfähig sei. Diese Verhandlungen beginnen heute.

          Wie aus Frankfurter Immobilienkreisen zu hören ist, sind etliche Banken mit sehr konkreten Gesuchen unterwegs. „Um die Jahreswende waren das oft noch eher unverbindliche Erwägungen, jetzt agieren die mit klaren Vorgaben“, berichtet ein Projektentwickler. Etliche Verträge seien unterschriftsreif. Dem Vernehmen nach ist die Verdoppelung der Mitarbeiterzahl, wie sie Goldman Sachs anstrebt, der Durchschnittswert für alle Gesuche. Über Morgan Stanley, die in Frankfurt schon jetzt stark vertreten ist, ist sogar zu hören, dass sie zu den rund 6000 Quadratmetern Bürofläche, die sie derzeit belegt, weitere 10 000 bis 12 000 Quadratmeter sucht. Das würde mindestens eine Verdreifachung der Belegschaft bedeuten.

          JP Morgan hat sich dem Vernehmen nach im Taunusturm eine Option auf weitere 4000 Quadratmeter einräumen lassen. Zu den Banken, die nach geeigneten Flächen suchen, zählen auch die Citigroup und die Mitsubishi Bank. „Von den Schweizer Banken UBS und Credit Suisse haben wir da noch gar nicht gesprochen“, sagt ein Immobilienberater. Von der britischen Standard Chartered Bank heißt es, sie habe sich schon für ein Objekt entschieden.

          Und dann ist da die Deutsche Bank, die angekündigt hat, bis zu 4000 Mitarbeiter aus London abzuziehen, je nachdem, welche Geschäfte künftig nach EU-Regularien noch über London abgewickelt werden dürfen und welche nicht. Ein großer Teil davon könnte an den Hauptsitz nach Frankfurt verlagert werden.

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