https://www.faz.net/-gzg-9ake2

Mietfahrrad-Boom : Die andere Mobilität

  • Aktualisiert am

Umweltfreundlich, aber angesichts der schieren Menge eine Aufreger: Mietfahrräder Bild: Ly, Martin

Praktisch und für viele unverzichtbar, für das Straßenbild aber oft ein Albtraum: die Rhein-Main-Region im Mietfahrrad-Boom.

          5 Min.

          Praktisch und für viele unverzichtbar, für das Straßenbild aber oft ein Albtraum: die Rhein-Main-Region im Mietfahrrad-Boom. Doch wie erleben das die Bewohner der einzelnen Städte? Wir blicken nach Frankfurt, Darmstadt, Wiesbaden sowie nach Offenbach, Landkreis inklusive.

          Tausende Räder, zornige Bürger

          Die Mainmetropole ist ein Testmarkt für Mietrad-Anbieter. Hier wollen sie Erfahrungen sammeln, um dann womöglich auch in kleineren Städten anzutreten. Ein Dutzend Unternehmen zeigte im Herbst vergangenen Jahres, als der Mietrad-Boom in Deutschland Fahrt aufnahm, Interesse an einem Engagement in der Stadt. Drei von ihnen haben sich zu einem Versuch entschlossen und machen den etablierten Anbietern, der Bahn-Tochter Call a Bike und dem in Leipzig ansässigen Unternehmen Nextbike, Konkurrenz.

          Während Call a Bike und Nextbike ihre Räder an festgelegten Stellen parken und Kunden, die ihr Rad später nicht dort wieder abstellen, eine Zusatzgebühr zahlen müssen, lassen die Neuen ihre Räder frei flottieren: Die Mieter können sie an jeder beliebigen Stelle zurücklassen, sofern sie dabei nicht gegen die Straßenverkehrsordnung verstoßen. Nach vielen Beschwerden von Bürgern schlagen nun die drei Parteien der Frankfurter Regierungskoalition Alarm: „Die Leihräder sind mittlerweile ein Ärgernis“, klagte beispielsweise der verkehrspolitische Sprecher der CDU und verwies auf blockierte Zugänge zu Haltestellen und wild herumliegende Räder. Nun verlangen CDU, SPD und Grüne Spielregeln für den Mietrad-Markt, an die sich die Anbieter halten müssten. So sollten die Unternehmen dafür sorgen, dass Räder nicht die Gehwege versperrten, dass keine in den Grünanlagen abgestellt und dass kaputte Räder entfernt würden.

          Vor allem aber möchte die Regierungskoalition erreichen, dass die Unternehmen Mieträder, von denen in Frankfurt Tausende im Umlauf sind, nur mit Genehmigung der Kommune aufstellen dürfen. Derzeit gibt es für solche Objekte keine gesetzliche Regelung, weshalb Frankfurts Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) den Unternehmen keine Vorschriften machen, sondern sie nur um die Einhaltung gewisser Regeln bitten kann. In anderen Worten: Niemand kann die Unternehmen daran hindern, so viele Räder, wie sie möchten, in einer Stadt aufzustellen. Und niemand kann sie zwingen, das an festgelegten Stellen zu tun. Das soll sich nach dem Willen der Frankfurter Parteien ändern. Sie sind, wie auch Dezernent Oesterling, der Meinung, dass der Gesetzgeber den Städten eine Regelungsmacht erteilen sollte. Und hoffen, dass der Deutsche Städtetag die Bundesregierung für dieses Vorhaben gewinnen kann. (rieb.)

          Ein gelber Exportschlager

          Ein wenig Anschubhilfe vom Bund war schon nötig, um das Vermietsystem „MVG Mein Rad“ in Mainz auf den Weg zu bringen. Inzwischen sind die seit 2012 vielerorts in der Stadt verfügbaren melonengelben Räder für mehr als 2,3 Millionen Fahrten ausgeliehen und anschließend an einer der rund 120 Stationen wieder zurückgegeben worden. Was das vom Bund mit knapp zwei Millionen Euro bezuschusste Pilotprojekt unter der Überschrift „Neue Mobilität in den Städten“ trotz einiger den Aufschwung behindernden Zerstörungwellen letztlich zu einem der erfolgreichsten Leihradsysteme in Deutschland hat werden lassen.

          Weitere Themen

          Von Goethe bis Ebbel Video-Seite öffnen

          Quiz zu 75 Jahre Hessen : Von Goethe bis Ebbel

          Die Hessen haben ein Lieblingsgetränk, ihr Bundesland hat eine geographische Mitte und große Namen spielen eine Rolle und das Land hat Nachbarn. Ein Quiz zum 75. Jahrestag der Gründung des Bundeslands in Deutschlands Mitte.

          Topmeldungen

          Der Abteilungsleiter für Wirtschaftsfragen im amerikanischen Außenministerium, Keith Krach, traf am 18. September in Taiwan mit Ministerpräsident Su Tseng-chang zusammen.

          Militärmanöver : Plant China einen Angriff auf Taiwan?

          Amerikas Beziehungen mit Taiwan werden immer enger. Nun plant Washington neue Waffenverkäufe an Taipeh – und verärgert damit China. Peking verschärft seine Drohgebärden in Richtung der Insel.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.