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Prozess um abgelehnte Bewerberin : Dicken-Verein: „Stigmatisierung bei der Arbeitssuche“

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Hand an der Waage: Eine erfolglose Stellenbewerberin klagt vor dem Arbeitsgericht Darmstadt, weil sie angeblich wegen ihrer Leibesfülle abgelehnt wurde (Symbolfoto) Bild: Kretzer, Michael

Eine Frau fühlt sich auf der Suche nach einer Stelle benachteiligt – weil sie aus Sicht potentieller Arbeitgeber zu dick sei. Nun klagt sie vor dem Arbeitsgericht Darmstadt – der Verein Dicke bei der Jobsuche heißt die Klage gut.

          Eine erfolglose Stellenbewerberin klagt vor dem Arbeitsgericht Darmstadt, weil sie angeblich wegen ihrer Leibesfülle abgelehnt wurde. Die Frau Anfang 40 verlangt laut ihrem Anwalt Klaus Michael Alenfelder eine Entschädigung von 30.000 Euro. Die Ablehnung verstoße gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz. Die Sache wird diesen Donnerstag verhandelt. Der Verein Vereins Dicke bei der Jobsuche heißt den Vorstoß der Bewerberin gut.

          Die Frau habe sich im Sommer 2013 um die Stelle beworben, teilte der Anwalt mit. Ihr potentieller Arbeitgeber habe ihr nach einem Vorstellungsgespräch gesagt, sie werde wegen ihrer Körperfülle nicht genommen, sie sei zu dick. Die Klägerin hat laut Anwalt die Kleidergröße 42.

          Potentieller Arbeitgeber schweigt

          „Es muss schon ein deutlich spürbarer Betrag sein“, begründete Alenfelder die Höhe der Entschädigungsforderung. Der Betrag entspreche in etwa neun Monatsgehältern des erwarteten Jobs als Geschäftsführerin.

          Der potentielle Arbeitgeber, eine Organisation aus dem Gesundheitsbereich, will sich nicht detailliert äußern. „Wir wollen in einem laufenden Verfahren keine Auskunft geben“, sagte eine Sprecherin. Eine Stellungnahme von Ende 2013 sei noch gültig: Die Klägerin habe einseitig Behauptungen aufgestellt.

          In diesem Verfahren war bereits im Dezember 2013 ein erster Termin geplant gewesen. Er wurde wegen eines Krankheitsfalles vertagt, auch ein weiterer Termin im Februar scheiterte.

          Dicken-Verein heißt Klage gut

          Anonymisierte Bewerbungen ohne Angabe des Namens, Alters und Geschlechts sollen zwar Diskriminierungen bei der Stellenbesetzung verhindern. Dennoch werden vor allem übergewichtige Menschen nach Ansicht des Vereins Dicke bei der Jobsuche benachteiligt.

          „Die soziale Stigmatisierung bei der Arbeitssuche ist gegeben, aber sie ist schwer nachzuweisen“, sagte die Vereinsvorsitzende Gisela Enders. „Meistens werden Menschen ja allein schon wegen ihres Fotos aussortiert.“ Bei anonymen Bewerbungen sei das nicht anders, da finde „die Aussortierung mit dem Auge“ nach dem Bewerbungsgespräch statt.

          Nicht nur aus diesem Grund heißt der Verein den anstehenden Prozess in Darmstadt um eine erfolglose Bewerberin gut. Ein Termin vor dem Arbeitsgericht ist für diesen Donnerstag, 11.45 Uhr, angesetzt.

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