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Dichter Marcus Roloff : Unser Mann mit der Brausetablette

Der Dichter in der Stadt: Marcus Roloff im Café Fellini am Schweizer Platz in Frankfurt Bild: Patricia Kühfuss

Dichten, das ist, als werfe man die Welt ins Wasser der Sprache: So beschreibt der Frankfurter Lyriker Marcus Roloff das, was er tut. Jetzt hat er einen neuen Gedichtband geschrieben.

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          Gelegentlich legt er das Smartphone quer und tippt die Verse, die ihm gerade eingefallen sind, mit beiden Daumen ein. Wenn er dann so dasitzt, kommt Marcus Roloff sich gelegentlich vor wie sein Sohn, wenn er Nintendo spielt. Aber auf diese Weise geht das Schreiben schneller, und darauf kommt es dem Frankfurter Dichter an, wenn es darum geht, alles festzuhalten, was ihm, schon halb oder ganz zum Wort geworden, durch das Bewusstsein zieht. „Eins von beiden ist immer zu langsam, das Schreiben oder das Denken.“

          Florian Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          In diesem Sommer hat Roloff das Telefon als Schreibgerät so richtig entdeckt. Im Juli ist er zusammen mit seiner Frau bei Cagliari auf Sardinien gewesen, wo sie schon seit Jahren gerne hinfährt. Diesmal hat er sie begleitet und verblüfft und erholt festgestellt: „Da ist nichts, gar nichts.“ Ein paar Wochen später fuhr die Familie zusammen für ein paar Tage nach Tarragona, da war der Aufbruch so eilig, dass Roloff das kleine Notizheft vergaß, in dem er seine ersten Vers-Ideen sonst festhält.

          Sein neuer Gedichtband

          So kam es, dass er die Freuden der Notizfunktion seines Handys entdeckte. Und die segensreiche Wirkung von Flughäfen und Busbahnhöfen ohne W-Lan-Empfang. Denn das Internet mit seiner perfiden Aufforderung zu dem, was er „Ganzzeitrecherche“ nennt, ist auch für Dichter eine Ablenkung, gerade für einen Lyriker wie Roloff. Seine Texte entwickeln sich in hohem Maß über die Beziehungen, die zwischen einzelnen Wörtern, Silben und Klängen herrschen. Trotzdem rechnet Roloff sich nicht zu den experimentellsten unter seinen Zeitgenossen. Er nehme Gegenstände und mache aus ihnen etwas Sprachliches, sagt er. Dabei komme es ihm darauf an, dass seine „Sprachdinge“ der Wirklichkeit genügten: „Im Grunde werfe ich die Wirklichkeit, die ich wahrnehme, ins Wasser.“ Dort, im Sprachnass, so lässt sich das Bild fortführen, löst sie sich auf, aber das fertige Gedicht enthält Sprache und Welt.

          Roloffs neuer Gedichtband „Reinzeichnung“, der vor einigen Wochen im Wunderhorn-Verlag erschienen ist, führt diese in Wörter getauchte Welt in 52 Texten und drei Abteilungen vor. Dass der Autor nach zwei Bänden im Frankfurter Gutleut-Verlag zu den Kollegen in Heidelberg gewechselt ist, ergab sich aus einem Gespräch am Wunderhorn-Stand auf der Frankfurter Buchmesse. Im Herbst 2013 hatte er sich dort mit dem befreundeten Literaturkritiker Michael Braun zum Plaudern niedergelassen und hörte von den Verlagsmitarbeitern, er solle ihnen bei Gelegenheit doch etwas vorbeischicken. Das tat er. Mitte des folgenden Jahres erhielt er die Nachricht, das Buch werde gemacht, Ende des Jahres hatte er alle Gedichte beisammen, zu denen gründlich überarbeitete ältere Ideen ebenso gehören wie gänzlich Neues.

          Eigentliche Arbeit ist das Feilen, das Kürzen

          In den nächsten Wochen ist Roloff mit „Reinzeichnung“ mehrfach zu hören. Gestern hat er auf der „Hochstädter Lyriknacht“ gelesen, am 11.September tritt er in der Frankfurter Romanfabrik auf, am 17.September gibt es in der Sachsenhäuser Kneipe „Alte Liebe“ ein Gespräch mit Hendrik Jackson, in dem die beiden Dichter den Eigenarten ihres jeweiligen Schreibens nachgehen.

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