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Diakonie Hessen : Kritik an Sammelabschiebungen nach Afghanistan

  • -Aktualisiert am

Angespannte Lage: Die Rückführung nach Afghanistan wird von der Diakonie Hessen kritisiert. Bild: dpa

Mehr als drei Dutzend Afghanen aus dem gesamten Bundesgebiet sind am Abend vom Frankfurter Flughafen aus abgeschoben worden. Menschenrechtsorganisationen kritisieren die Sammelabschiebung in das Kriegsland.

          Abermals sind am Abend von Frankfurt aus knapp vierzig Afghanen aus dem gesamten Bundesgebiet in ihr Heimatland abgeschoben worden. Nach Informationen dieser Zeitung ist der Flug mit 38 Männern gegen 22 Uhr ohne Zwischenfälle gestartet. Unter den Abgeschobenen soll sich auch ein islamistischer Gefährder aus Nordrhein-Westfalen befinden sowie ein 23 Jahre alter Afghane aus Hessen, der vor einigen Wochen bereits abgeschoben worden war, jedoch wieder nach Deutschland zurückgeschickt wurde. Er war in Hessen als Gewalttäter aufgefallen und unter anderem wegen Körperverletzung, räuberischen Diebstahls und versuchter Nötigung mehrfach vorbestraft. Insgesamt sollen 13 Straftäter an Bord gewesen sein

          Eine offizielle Bestätigung für den Flug gab es nicht. Die beteiligten Behörden geben in der Regel erst Auskunft, wenn die Abschiebung auch formal vollzogen ist, was bedeutet, dass das Flugzeug in dem Zielland alle Personen von Bord gebracht hat.

          Diakonie kritisiert Abschiebung

          Die Diakonie Hessen hat am Montag unterdessen einen Abschiebestopp für afghanische Flüchtlinge gefordert und dies mit der angespannten Sicherheitslage in Afghanistan begründet. Mehrere Initiativen demonstrierten am Montag am Flughafen gegen Abschiebungen nach Afghanistan.

          „Afghanische Flüchtlinge brauchen Sicherheit“, sagte Andreas Lipsch, Leiter der Abteilung Flucht und Migration bei der Diakonie Hessen. „Die gibt es nur über einen Abschiebungsstopp. Wenigstens die Ausstellung längerfristiger Duldungen, so wie es im hessischen Koalitionsvertrag angekündigt war, muss schnell umgesetzt werden.“

          „Angst und Schrecken“

          Auch wenn etwa in Hessen vorrangig Straftäter und Gefährder abgeschoben würden, versetze jeder der monatlichen Abschiebeflüge auch unbescholtene afghanische Flüchtlinge, die ausreisepflichtig seien, „in Angst und Schrecken“, so Lipsch.

          Tatsächlich werden in Hessen vor allem Afghanen in ihr Heimatland zurückgebracht, die zuvor durch Straftaten aufgefallen waren. Zuletzt fand im Dezember vergangenen Jahres eine Sammelabschiebung nach Afghanistan mit 14 ausreisepflichtigen Personen statt; darunter ein Mann, der sich wegen Vergewaltigung verantworten musste, ein weiterer wegen Totschlags. Insgesamt wurden seit Dezember 2017 mehr als 430 Männer und Frauen in das Kriegsland zurückgebracht.

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