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DHL-Zentrum in Obertshausen : Über Sorter und Wendelrutschen zum Empfänger

  • -Aktualisiert am

Post-Moderne: In dem U-förmigen Gebäude in Obertshausen verteilt DHL die Sendungen auf die Region sowie die 33 anderen Basen in der Republik. Bild: Rainer Wohlfahrt

In Obertshausen hat DHL das größte Paketzentrum in Deutschland errichtet. Es soll 50.000 Sendungen in der Stunde verteilen können. Nachts fahren 200 Lastwagen die Basis an.

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          Gelbe Pakete in unterschiedlichen Größen ziehen auf dem Laufband wie Perlen an einer Schnur vorüber. Das Laufband heißt aber nicht Laufband, sondern „Sorter“: Das bewegliche Band sorgt dafür, dass die Kartons genau in der Mitte liegen. Passiert ein Paket eine Scan-Station, werden alle sechs Seiten, auch die untere, mit rotem Laserlicht nach der Adresse des Empfängers und dem Barcode abgesucht. Gleichzeitig bekommt die Sendung einen Leitcode zugeordnet, der den weiteren Weg durch das Paketzentrum bestimmt. Auf verschlungenen Wegen, bis zu drei Laufband-Etagen übereinander, geht es vorbei an einer Vielzahl von Wendelrutschen, die von jeweils zwei Sortern gleichzeitig bedient werden. Die Pakete haben unterschiedliche Zielorte; die einzelnen Abschnitte des Sorters, Zellen genannt, verfügen über die Informationen, an welcher Wendelrutsche ein Paket abgeworfen werden muss. Am unteren Ende der Rutschen befinden sich Lade-Teleskope, von denen aus Mitarbeiter die Pakete in Container stapeln. Diese gehen auf die Reise zu einem der 33 anderen Paketzentren der Deutsche Post DHL Group in Deutschland.

          Was einfach klingt, erfordert viel Technik und benötigt viel Platz: Im Gewerbegebiet Herbäcker in Obertshausen hat das Logistikunternehmen das größte Paketzentrum Deutschlands in Betrieb genommen. Gemeinsam drückten Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Jürgen Gerdes, Konzernvorstand „Post - e-Commerce - Parcel“ der Deutsche Post DHL Group, auf einen roten Knopf und setzten damit die Sortieranlage in Betrieb. Dort, wo die Bundeswehr früher ihr Gerätehauptdepot hatte, entstand ein U-förmiges Gebäude, das seinesgleichen sucht: Auf dem 150.000 Quadratmeter großen Grundstück ließ DHL einen 200 Meter breiten und 60 Meter tiefen Kopfbau mit zwei Schenkeln errichten, die es jeweils auf eine Länge von 280 Metern und eine Breite von 56 Metern bringen. Stützen und Pfeiler fehlen: 62 Spannbetonbinder wurden für die freitragende Dachkonstruktion eingebaut. Die Gebäudefläche von 40.000 Quadratmetern entspricht der Größe von fünf Fußballfeldern. Einen zweistelligen Millionenbetrag investierte DHL.

          Noch nicht alle Stellen besetzt

          Das Unternehmen hat sich in Obertshausen viel vorgenommen: 50.000 Pakete pro Stunde sollen dort sortiert werden. Die bisherigen 33 Paketzentren der Deutschen Post DHL können jeweils nur 30.000 bis 40.000 Sendungen pro Stunde verarbeiten. Etwa 200 Lastwagen pro Nacht werden künftig zum Standort Obertshausen fahren. Das neue Paketzentrum liegt in der Nähe der Autobahn 3 (Frankfurt-Würzburg); der Verkehr soll dadurch nicht durch Obertshausen fließen.

          Pakete, die in der Region bleiben, werden von Obertshausen zu Zustellbasen gebracht; dort holen die Zusteller die Pakete ab. Vorgesehen ist, dass später auch 36 Paketzustellbezirke in der Umgebung von dem neuen Paketzentrum aus direkt angefahren werden. 600 neue Arbeitsplätze vom Sortierer bis zum Mechatroniker und Hausmeister entstehen im Paketzentrum Obertshausen; derzeit sind noch nicht alle besetzt. Das Paketzentrum Rodgau mit 280 Beschäftigten bleibt erhalten; möglicherweise wird es dort aber Veränderungen geben.

          Pakethopter als zukünftiger Bote

          Mehr als sechs Kilometer Sortier- und Förderstrecken wurden in Obertshausen verbaut. Über 2000 Tonnen Stahl waren allein für die Tragkonstruktion der Anlagentechnik nötig. Mehr als 330 Tore und mehr als 400 Sortierendstellen sollen dafür sorgen, dass die Pakete beim richtigen Empfänger ankommen. Ein Gas-Blockheizkraftwerk und eine Photovoltaikanlage auf dem Dach gehören ebenfalls zu dem Gebäude. Neben der Kapazitätssteigerung verspricht sich DHL vom Standort Obertshausen noch schnellere Laufzeiten und eine höhere Flexibilität, um die permanent steigenden Kundenerwartungen in einem weiterhin boomenden Paketmarkt zu erfüllen.

          Band-Salat: die Sortierhalle in Obertshausen. Am Nachmittag des Eröffnungstages laufen nur wenige Pakete. Betrieb herrscht erst in der Nacht.
          Band-Salat: die Sortierhalle in Obertshausen. Am Nachmittag des Eröffnungstages laufen nur wenige Pakete. Betrieb herrscht erst in der Nacht. : Bild: Rainer Wohlfahrt

          Gerdes machte deutlich, DHL habe erstmals auch die Herstellerrolle für die eingebaute Sortieranlage übernommen. Dies eröffne dem Unternehmen großes Innovationspotential und ermögliche es, das eigene technische Wissen weiterzuentwickeln. „Wir kämpfen um jedes einzelne Paket“, sagte Gerdes. DHL verfüge über rund 30.000 Filialen und 11.000 Paketshops. Für die 3000 Packstationen hätten sich schon zehn Millionen Menschen registrieren lassen. Inzwischen habe DHL auch den ersten erfolgreichen Versuch hinter sich, Pakete mit einem Paketkopter zu einer Packstation zu befördern. Er glaube daran, dass man Paketkopter überall einsetzen könne: „Wir werden logistisch dreidimensional denken müssen.“

          Umlauf: Die Pakete werden automatisch befördert und sortiert.
          Umlauf: Die Pakete werden automatisch befördert und sortiert. : Bild: Rainer Wohlfahrt

          Bouffier sprach von einem „ganz besonderen Tag“ für DHL, für Obertshausen und für Hessen. Die Entscheidung, das größte Paketzentrum in Deutschland hier zu etablieren, sei ein „Bekenntnis zur Region und zu diesem Land“. Diese Entscheidung gebe es jedoch nicht ohne einen prosperierenden Flughafen. Das neue Paketzentrum in Obertshausen sei auch die Chance für viele Menschen, einen Arbeitsplatz zu finden. Bouffier bezeichnete die Logistik als „eine der großen Zukunftsbranchen in unserem Land“. Verbindungen und verlässliche Lieferungen seien Grundelemente einer funktionierenden Wirtschaft.

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