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DFB-Akademie Frankfurt : „Die Ampel stand auf Gelb“

Vorzug: Die Galopprennbahn ist nach Ansicht der Stadt und DFB besser für den Bau des Leistungszentrums geeignet als das Areal am Stadion (rechts). Bild: Imago

Am Waldstadion wäre für die Akademie des Deutschen Fußball-Bunds Platz gewesen. Es sprach aber auch einiges gegen den Standort.

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          Die FDP-Fraktion wirft dem schwarz-grünen Magistrat vor, „unheimlich viele Unwahrheiten“ bei der Suche nach einem Standort für das geplante DFB-Leistungszentrum verbreitet zu haben. Die planungspolitische Sprecherin Elke Tafel-Stein sagte, es seien keineswegs 23 Standorte geprüft worden. Aus den Unterlagen zu dem Vorgang, mit dem sich seit Dezember ein Akteneinsichtsausschuss befasst, lasse sich lediglich eine vertiefte Prüfung von fünf Standorten im Stadtgebiet ersehen.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Unverständlich sei vor allem, warum ein 14,7 Hektar großes Areal an der WM-Arena im Stadtwald verworfen worden sei. Angesichts der vom Fußball-Bund verlangten Fläche von 15 Hektar für die Akademie könne die Größe jedenfalls nicht der entscheidende Hinderungsgrund gewesen sein. „Das geht aus den Akten auch nicht hervor“, sagte Tafel-Stein. Vielmehr habe der DFB offenbar seine rund 90 Millionen Euro teure Akademie nicht so nahe am Flughafen bauen wollen, weil ihm die Lärmbelastung zu hoch gewesen sei. „Aber warum ist es da für den DFB zu laut, wenn doch die Eintracht da ihre Heimspiele austragen kann?“, fragt die Stadtverordnete, die für die FDP-Fraktion die Akten sichtet. Tafel-Stein moniert ferner, dass aus den Akten nicht hervorgehe, „warum es ausgerechnet die Rennbahn sein muss“. Sie halte den Standort am Waldstadion nach wie vor für den besten.

          Bannwald müsste gerodet werden

          Die Vorsitzende des Akteneinsichtsausschusses, Ursula auf der Heide (Die Grünen), berichtet von Profilen für acht Standorte, die aus den Akten hervorgingen. Unter den 23 zunächst genannten Standorten seien alle Grundstücke im Stadtgebiet gewesen, die überhaupt groß genug für das Projekt gewesen seien, erläuterte sie. Das Wort „prüfen“ für die ersten, nach einer groben Sichtung gleich wieder verworfenen Areale führe in die Irre. Am korrekten Vorgehen des Magistrats habe sie nach Durchsicht der Akten keinen Zweifel.

          Gegen den Standort am Waldstadion spricht laut auf der Heide unter anderem, dass dort „eine große Fläche Bannwald“ gerodet werden müsste, um die DFB-Akademie im gewünschtem Umfang zu errichten. Das sei auf dem Gelände der Galopprennbahn anders, weil das Areal ohnehin schon für eine sportliche Nutzung ausgelegt sei. Sie finde es zudem „absolut verständlich“, dass der DFB keinen Standort wolle, der direkt in der Einflugschneise liege. Der Fußballverband plane schließlich eine Art funktionalen Campus, der auch Zonen für Regeneration und Ruhe der Sportler bieten solle.

          Platz hätte nur für Mini-Version gereicht

          Allerdings sprechen laut Planungsdezernat weder der Fluglärm noch der Schutz des Bannwalds gegen die ausgeschiedene Variante. „Dieses Argument stammt nicht von uns“, sagt der Sprecher. Schon heute wird auf dem Gelände rund ums Stadion trainiert, mehrere Verbände haben dort ihren Sitz. Außerdem ist der Fluglärm auf der nahegelegenen Galopprennbahn kaum weniger belastend. Zwar hätten für das Leistungszentrum einige Bäume gefällt werden müssen, aber Bannwald wäre nicht abgeholzt worden.

          Das Areal an der WM-Arena war unter den letzten sechs Standorten, die eingehend geprüft wurden. Die Flächen wurden mit einem Drei-Farben-System bewertet - Rot, Gelb, Grün. „Die Ampel stand auf Gelb“, heißt es aus der Stadtverwaltung. Das Grundstück ist, mit Ausnahme der Rennbahn, als einziger Standort komplett in städtischem Eigentum. Wie aus der Anlage eines im Dezember veröffentlichten Magistratsberichts hervorgeht, liegt die Fläche nördlich und östlich des Stadions und wird von der Mörfelder Landstraße, dem Stadionbad, der Otto-Fleck-Schneise und einem Fußweg begrenzt. Das fast 15 Hektar große Gelände hätte nur für die Minimalversion der Akademie ausgereicht. Anders als auf der Rennbahn hätte die Verwaltung des DFB keinen Platz gehabt.

          Unmut von Fans befürchtet

          Der Standort wurde noch aus anderen Gründen abgelehnt: Der Zuschnitt des Grundstücks sei ungünstig, außerdem sei die Situation zu beengt, heißt es im Magistratsbericht. Weil im Katastrophenfall die Fläche vor dem Stadion für Rettungsfahrzeuge und Feuerwehrwagen benötigt wird, hätte auch das Brandschutzkonzept geändert werden müssen. Die ohnehin schwierige Parkplatz-Situation rund ums Stadion wäre ebenfalls neu zu ordnen gewesen: Auf dem Areal des früheren Rad-Stadions parken Busse und Autos, zum Parkplatz im Stadtwald führen eine Fußgängerbrücke über die Mörfelder Landstraße und ein Fußweg mitten über das Gelände. Man hätte die Besucherströme also an der DFB-Anlage vorbeiführen müssen. Offenbar fürchtete der DFB auch, dadurch den Unmut der Fans auf sich zu ziehen.

          Damit die Mannschaften ungestört trainieren können, sollte die Akademie nicht einsehbar sein. Das wäre am Stadion kaum zu erfüllen. Aus der Arena, aber auch aus der Zentrale von Nike fällt der Blick auf das Gelände. Außerdem laufen die Zuschauer daran vorbei. Schließlich wären zwei Sportplätze Teil der Akademie geworden, auf denen unter anderen die Frankfurter Eintracht trainiert.

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