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Johanniter Luftrettung : Deutschlands größte fliegende Intensivstation

Technische Meisterleitung: der Hubschrauber der Johanniter-Luftretung Bild: Johanniter-Luftrettung

Wenn extreme Notfälle möglichst schnell in Spezialkliniken müssen, zählt jede Sekunde. In Gießen setzt man daher auf modernste Technik in der Luft.

          2 Min.

          Rettungswagen an ihre Grenzen kommen. Denn für manchen Patienten hängt das Überleben davon ab, möglichst schnell in einer Spezialkliniken versorgt zu werden. Dafür hat die Johanniter-Luftrettung in Gießen  aufgerüstet und kann nun bei Extremfällen auf die größte fliegende Intensivstation Deutschlands zurückgreifen. Der Hubschrauber vom Typ H155 des Herstellers Airbus Helicopters gilt als die modernste Maschine ihrer Gewichtsklasse für Intensiv- und Rettungstransporte.

          Alexander Davydov

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Wir sind sehr stolz darauf, den immer höheren Anforderungen damit gerecht zu werden“, sagt Günther Lohre, Geschäftsführer der Johanniter-Luftrettung.  Angesichts der Schließung zahlreicher Kliniken auf dem Land und damit entstehender Versorgungslücken, sieht Lohre im Hubschrauber einen unverzichtbaren Lebensretter. Dort, wo normale Krankenhäuser nicht mehr weiterkämen, bringe der Helikopter die Patienten in die Spezialkliniken „von Bett zu Bett“. „Wenn es beispielsweise um einen Infektionstransport geht mit einer seltenen Krankheit und wir einen Patienten haben, der schnell ins Tropeninstitut nach Hamburg muss, sind wir die einzigen, die so etwas machen können“, sagt Lohre. Eine Isolierstation an Bord der Maschine ermögliche, dass das Begleitpersonal sicher vom Patienten getrennt sei.

          Doch nicht nur an die Maschine werden besondere Anforderung gestellt. Auch das medizinische Personal benötigt eine spezielle Ausbildung. Das bedeutet laut Lohre unter anderem mindestens fünf Jahre Erfahrung in der Bodenrettung und eine Ausbildung zum Facharzt in der Anästhesie. Die Johanniter-Luftrettung kooperiert mit mehreren Spezialkliniken unter anderem in Frankfurt, die das medizinisches Fachpersonal für den jeweiligen Flug stellen.

          Fliegender Lebensretter

          Die fliegenden Lebensretter seien im neun  Quadratmeter großen Innenraum der Maschine sowohl auf den Transport kleinster Patienten wie Neugeborenen in einem Inkubator eingestellt, als auch auf die schwersten Notfälle: „Wir haben Fälle, in denen Menschen mit einem Gewicht von über 360 Kilogramm ins Krankenhaus gebracht werden mussten. Mit einem normalen Rettungswagen ist das nicht mehr möglich und der Transport mit einem Lastwagen wäre menschenunwürdig“, so Lohre.  Auch Nachtflüge seien mit dem neuen Modell endlich möglich. Fast 860 Kilometer könne der Rettungshubschrauber damit am Stück zurückliegen mit einer Reisegeschwindigkeit von rund 280 Kilometer pro Stunde. Genug, um theoretisch fast jeden Ort in Deutschland zu erreichen: „Das reicht, um von Gießen nach Berlin zu fliegen und zurück.“

          Etwa neun Millionen Euro hat die Neuanschaffung des Hubschraubers gekostet, die Flugminute kostet mindestens 60 Euro – je nach Patient. So sei allein jeder neue Filter, der für die Isolierstation zum Einsatz komme, bis zu 1000 Euro wert. Es seien jedoch Kosten, die sich rentierten. Ein Vorgängermodell sei 800 bis 900 Mal pro Jahr im Einsatz,  und auch die neue Maschine wird laut Lohre häufig im Einsatz sein.

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