https://www.faz.net/-gzg-9u6lk

Schauspieler Maximilian Schell : Die Königskinder von der Alm

Maximilian Schell 2012 auf seiner Alm. Von dort kamen die Nachlässe Schells und seiner Schwester Maria an das Deutsche Filminstitut und Filmmuseum. Bild: Anna Jockisch

Das Deutsche Filmmuseum Frankfurt widmet Maximilian Schell eine große Schau und ein Buch. Er gehört zu den wenigen deutschsprachigen Schauspielern, die in Hollywood erfolgreich waren.

          5 Min.

          Schmutzig oben, schmutzig unten,/ ’s ganze Männchen nur armhoch, / Halbzerrissene Sandalen, / Und in jedem Sack ein Loch./ Heu, unreife Stachelbeeren, / Brot und aus drei Kapseln Mohn – / Und ein Riss im Hinterteile, / Das ist mein geliebter Sohn.“

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Maximilian Schell, geboren am 8. Dezember 1930 in Wien, gestorben am 1. Februar 2014 in Innsbruck, hat das Gedicht, das sein Vater Hermann Ferdinand Schell (1900–1972) über ihn als Dreikäsehoch geschrieben hat, bis ins hohe Alter auswendig gekonnt. Sogar in einer Fernsehshow hat er es vorgetragen. Eine noch frühere, die erste der Huldigungen auf das erklärte Lieblingskind, ein Wiegenlied auf das Neugeborene, zitiert die Mutter, Margarethe Schell von Noé (1905–1995), in ihren Erinnerungen. „Du bist mein kleines Königskind, / nur du hast solche Augen“ – wie so viele Gedichte ihres Mannes konnte die Mutter auch dieses bis an ihr Lebensende auswendig.

          Vier Kinder, zwei Filmkarrieren

          Sie war nicht die Einzige: Eine Liebesgabe der Angehörigen bestand darin, das Werk des einst durchaus anerkannten, sehr bald aber vergessenen Schweizer Autors und Journalisten Hermann Schell, den die Familie stets lieber als „Dichter“ bezeichnete, zu zitieren, als wäre es der eigene Atem. Zwei taten sich darin besonders hervor: Maria (1926–2005), die Älteste, und Maximilian (1930–2014), das dritte seiner vier Kinder. „Darf ich vorstellen ...?“ – wie das Gedicht über den Sohn hieß auch eine Sprechplatte von 1965, Lyrik in Vinyl, Untertitel: „Maria und Maximilian Schell lesen Jugenderinnerungen ihres Vaters Hermann Ferdinand Schell.“ Es ist eine von mehreren gemeinsamen künstlerischen Produktionen der Geschwister, die auch gemeinsam vor der Filmkamera standen und Theater spielten. Sie beide huldigten nicht nur mit dieser Schallplatte dem Vater, der einige Jahre später ausgerechnet während der Endproben zu seinem Stück „Auf Befehl der Kaiserin“ 1972 am Landestheater Salzburg starb. Inszenierung: Maximilian Schell. Maria spielte.

          Zwar sind alle vier Kinder Schell, Maria, Maximilian, Carl (1927-2019) und Immaculata „Immy“ (1935-1992), Schauspieler geworden. Nur zwei aber haben das geschafft, was man eine Weltkarriere nennt, ernteten Erfolg und hohe Gagen – das, was den Eltern versagt blieb. Die Filmkarriere von Maria Schell begann 1948, war kometenhaft, erlebte einige Knicke im Vergleich zu derjenigen des Oscar-Preisträgers und vielfach ausgezeichneten Maximilian, der 1955 vom Theater ins Filmgeschäft kam.

          Beide bewegten sich auf dem internationalen Parkett zwischen Stars, berühmten Künstlern, Politikern. Dennoch war sie zu Beginn die Berühmtere, vor allem in der deutschsprachigen Presse, die sogar, als Maximilian für seine Rolle in „Judgment at Nuremberg“ (1961, Regie Stanley Kramer) als bester Schauspieler ausgezeichnet wurde, titelte: „Kleiner Bruder von Maria Schell gewinnt Oscar.“ Beide kamen reichlich vor in der Regenbogenpresse, Maria zumal, die früher anfing, Filme zu drehen, bis zu ihrem Lebensende, mit zahlreichen privaten Enthüllungen. Das Liebäugeln mit und gleichzeitige Fliehen vor dem Boulevard zieht sich durch die Familiengeschichte des gerne sogenannten „Schell-Clans“. Den es so gar nicht öffentlich gegeben hätte ohne den Erfolg dieser beiden Geschwister.

          Obgleich Maria gern die Anekdote erzählte, sie habe sich, damals erst drei, vier Jahre alt, den kleinen Bruder mit Hilfe eines Einsiedlers herbeigewünscht, scheint die besonders enge Beziehung der beiden erst gewachsen zu sein. „Maximilian war da. Wie immer.“ schreibt Maria Schell in ihren Erinnerungen. 2002 hat er ihr mit „Meine Schwester Maria“ ein filmisches Denkmal gesetzt, das die Weltkarriere der Schwester, ihre zunehmende Demenz und ihre Rolle als Schwester gleichermaßen würdigten. „Ich habe das ja alles irgendwie miterlebt, von Jugend an. Ich hab’ miterlebt, wie die Maria eine echte Schauspielerin geworden ist, die mehr wusste, als nur das Talent zu haben“, sagte Schell in einem Interview mit dieser Zeitung anlässlich der Ausstellung im Deutschen Filminstitut und Filmmuseum (DFF) zu Maria Schell 2007. „Sie war sehr beeindruckend – soweit man das von einer Schwester sagen kann.“

          Weitere Themen

          Genie und Alltag

          Paul Celans Briefe : Genie und Alltag

          Zeitreise in Briefen: Barbara Wiedemann hat einen Querschnitt aus Paul Celans umfangreicher Korrespondenz ediert. Identifiziert wird die Geliebte „Hannele“.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.