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Deutsches Elfenbeinmuseum : Gräfliche Bleibe bezogen

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Materiallieferanten: Elefantengruppe aus der Tierabteilung des Elfenbeinmuseums Bild: Rainer Wohlfahrt

In Erbach stehen die Exponate jetzt im Grafenschloss. Damit kehrt ein Handwerk an seinen Ursprung zurück. Denn Graf Franz I. erfährt so eine Würdigung.

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          Gut ein Jahr nach der Schließung hat das Deutsche Elfenbeinmuseum in Erbach im Odenwald wieder geöffnet, aber an einem anderen Standort. Stadt und Land vereinigten die Gräflichen Sammlungen im Schloss mit dem Elfenbeinmuseum. Die bisherige Lösung war nicht länger haltbar, weil die Stadt die Kosten für ihr eigenes Elfenbeinmuseum in der Borchershalle nicht länger tragen konnte. Die Schließung drohte, da das Kulturangebot als freiwillige Leistung einer Schutzschirmkommune nicht mehr durchsetzbar war. Die Sammlung gehört weiter der Stadt, die sich über die Betriebsgesellschaft Schloss Erbach gGmbH finanziell beteiligt. Das Schloss besitzt seit 2005 ohnehin das Land, das es dem Grafenhaus für 13,3 Millionen Euro abkaufte.

          Nicht genutzte Depoträume, in denen sich die Küchen und Vorratsräume befanden, haben die Elfenbeinsammlung aufgenommen. Die Kosten für Umzug, Umbau, Sanierung, Einrichtung der Ausstellungsräume und Museumskonzept bezifferte der hessische Kunst- und Kulturminister Boris Rhein (CDU) am Dienstag zur offiziellen Eröffnung auf rund 1,25 Millionen Euro, die aus dem neu aufgelegten Kulturinvestitionsprogramm des Landes stammten.

          Mammutknochen, Korallen und Holz

          Mit dem Wechsel in die Stadtmitte und in das Schloss schließt sich ein Kreis. Denn Graf Franz I. zu Erbach-Erbach, der von 1754 bis 1823 lebte, brachte die Schnitzkunst in den Odenwald, um der armen Bevölkerung ein neues Auskommen zu ermöglichen. Auf seinen Reisen durch Europa entdeckte er in Wien die Elfenbeinschnitzerei und erlernte selbst das Handwerk. Nach seiner Rückkehr ließ er im Schloss eine Werkstatt einrichten, in der er seine ersten Objekte anfertigte und sein Können weitergab.

          1783 ging daraus die Erbacher Zunft der Dreher hervor, deren erster Obermeister er wurde. Sein Enkel Eberhard IV. förderte die Zunft und schuf die Grundlage für eine Handwerks- und Industriekultur. Vor allem die „Erbacher Rose“ wurde an den Fürstenhöfen bekannt, die Nachfrage stieg. In Kleinbetrieben wurden Schnitzereien als Massenware produziert. Einen Einbruch erlebte das Handwerk erst 1989 mit dem Handelsverbot für Elfenbein. Seither werden nur Restbestände verarbeitet, unter Kontrolle der Zollbehörden. Als Ersatz dienen heute, auch in der Fachschule für Holz und Elfenbein im benachbarten Michelstadt, Mammutknochen, Korallen und Holz.

          Untertanen die Welt zeigen

          Üppig Platz hat das Elfenbeinmuseum am neuen Ort nicht, die Werke stehen durchweg in großen Vitrinen, sortiert nach Motiven – Tiere, Nymphen, Akte, Tänzerinnen – , aber auch nach Personen und Epochen. Ein Raum enthält Exponate aus ganz Deutschland, doch das Augenmerk gilt heimischen Werken. Gestern fiel dazu der Satz: „Es geht nicht um Arbeiten weltbekannter Künstler, sondern um die von Odenwälder Handwerkern.“

          Filigran: Exponate im neu eingerichteten Deutschen Elfenbeinmuseum im Erbacher Grafenschloss
          Filigran: Exponate im neu eingerichteten Deutschen Elfenbeinmuseum im Erbacher Grafenschloss : Bild: Rainer Wohlfahrt

          Ein 90 Meter langer beleuchteter Steg führt die Besucher durch die Räume an den klimatisierten Vitrinen vorbei. Dort lassen sich die filigranen Elfenbeinfiguren vom Mittelalter bis zur Gegenwart bestaunen. In einem Nebengebäude zeigen Elfenbeinschnitzer Techniken, Werkzeuge und Materialien.

          Ein besonderer Raum gilt der Ideenwelt des aufgeklärten Grafen Franz I. Er stehe exemplarisch für ein Prinzip, das ihm an den führenden Höfen Europa begegnet sei: Bildung als Grundlage jeglicher Entwicklung. Seine Sammlungen, mit denen er den Untertanen die Welt zeigen wollte, stellt das Schloss noch heute aus: griechische und römische Exponate, Ritterrüstungen sowie Geweihe.

          Das Elfenbeinmuseum ist bis Ende Dezember täglich von 12 bis 16 Uhr geöffnet, an Adventswochenenden freitags bis sonntags, 12 bis 18 Uhr. Erwachsene zahlen fünf Euro Eintritt. In den Gräflichen Sammlungen in den unbeheizten Räumen gibt es zum Weihnachtsmarkt Führungen.

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