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Deutscher Auftritt auf der Weltausstellung : Land des Humors, Land der Ideen

Stößt in neue Gefilde vor: die Frankfurter Messe auf der Weltausstellung in Mailand. Hier zu sehen der Messeturm in Frankfurt. Bild: dpa

Die Messe Frankfurt organisiert den deutschen Auftritt auf der nächsten Weltausstellung 2015 in Mailand. Er soll den Blick der Besucher auf das Land verändern.

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          So sieht ein Traumjob aus. Erol Altunay wird der Direktor des deutschen Pavillons während der nächsten Weltausstellung sein, von Mai bis Oktober 2015 in Mailand. 20 Millionen Besucher soll die Expo anlocken, und viele von ihnen werden sich anschauen, wie sich die Bundesrepublik präsentiert. Aber wie soll sich denn dieses Land zeigen? Darüber entscheidet Altunay. Nicht alleine zwar, aber seine Stimme hat Gewicht. Doch damit nicht genug. Wenn alles aufgebaut ist, wenn die Besucher kommen, wird er sich darum kümmern, dass alles klappt im deutschen Pavillon während der sechs Monate, in denen die Weltausstellung geöffnet ist.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Jetzt sitzt Altunay noch in einem Büro im Messetorhaus in Frankfurt, dem Hochhaus, an dem an Weihnachten immer ein überdimensionaler Tannenbaum leuchtet. Bisher war er als Abteilungsleiter zuständig für einen Teil des Auslandsgeschäfts der Messe Frankfurt, die von der Bundesregierung geförderten Sammel-Messestände für mehrere kleinere Unternehmen, die sich einen eigenen Stand auf einer Fachmesse in der Ferne nicht leisten können. Jetzt aber gehört seine ganze Aufmerksamkeit der Expo in Mailand, von der die meisten noch nie gehört haben.

          Keine gewöhnliche Messe

          Wie sich Deutschland auf Weltausstellungen präsentiert, ist Sache der Bundesregierung, konkret des Bundeswirtschaftsministeriums. Von dort kommt auch das Geld: 48 Millionen Euro sind es für den Auftritt in Mailand. Doch für die praktische Arbeit sucht das Ministerium stets Messegesellschaften. Bei der riesigen Schau 2010 in Schanghai hatte sich die Kölner Messe um den deutschen Pavillon gekümmert. Diesmal bekam die Messe Frankfurt den Zuschlag. Darauf ist man am Main ziemlich stolz. Wo man doch auch sonst inzwischen auf der ganzen Welt Messen organisiert. Und wo Italien ein wichtiger Markt ist. Zu einem globalisierten Unternehmen passe es hervorragend, sich um eine Weltausstellung zu kümmern, lässt man durchblicken.

          Altunay arbeitet seit zwei Jahrzehnten für die Messe Frankfurt und ist im Auslandsgeschäft erfahren. Eine Weltausstellung ist aber etwas ganz anderes als eine gewöhnliche Messe. Architekten mussten gefunden werden, eine Agentur, die sich um die Inhalte kümmert, ein Bauunternehmen. Noch einmal gewaltig zunehmen wird der Arbeitsaufwand, wenn die Ausstellung näherrückt. Dann wird Altunay für neun Monate nach Mailand ziehen. Während des Sommers, wenn die Weltausstellung geöffnet ist, wird er der Chef von 300 Mitarbeitern sein, von der Hostess bis zum Haustechniker. Danach wird alles wieder abgerissen. Dann erst ist seine Sonderaufgabe erledigt.

          „Feeding the Planet, Energy for Life“ lautet das Motto

          Aber er ist ja nicht allein. Über dem Direktor des Pavillons thront noch ein Generalkommissar, Dietmar Schmitz, Referatsleiter im Wirtschaftsministerium. Man will in Berlin schließlich die Fäden in der Hand behalten. Altunay zur Seite wiederum steht ein Stab der Messe Frankfurt. Derzeit ist man zu sechst. Die Gruppe wird aber noch wachsen.

          „Feeding the Planet, Energy for Life.“ Das ist das Motto der Weltausstellung, das auch im deutschen Pavillon berücksichtigt werden soll. Deutschland habe über Ernährung viel zu sagen, meint Altunay. Außerdem soll der Pavillon auch ganz allgemein für die Bundesrepublik werben. Die Deutschen haben entschieden, sich als Vorreiter in Sachen Umweltschutz zu präsentieren, als ein Land, das nicht nur Probleme hat, sondern auch Lösungskompetenzen. Aber nicht nur das. So möchte man Deutschland auch als humorvolles Land zeigen. Und speziell den Italienern, die das Gros der Besucher stellen werden, beweisen, dass die deutsche Küche nicht bloß Schweinshaxe und Sauerkraut zu bieten haben. Da ist man schon wieder beim Thema der Expo: „Feeding the Planet“. So hängt alles mit allem zusammen.

          Eine einmalige Chance

          Der deutsche Pavillon wird einer der größten auf der Weltausstellung am Rande Mailands sein. 130 Länder haben ihre Teilnahme schon zugesagt. Den deutschen Bau hat das Architektenbüro Schmidhuber aus München entworfen, für die inhaltliche Gestaltung ist die Agentur Milla & Partner aus Stuttgart zuständig, bauen soll dies alles Nüssli aus Roth bei Nürnberg. Man kennt sich schon von der Expo in Schanghai.

          Eine frei begehbare Landschaft soll der Pavillon der Bundesrepublik sein, stilisierte Pflanzen sollen aus ihm herauswachsen. „Die organisch fließende Formensprache der schwebenden Blätter, die die Landschaft überspielen, erzeugt beim Besucher ein unverwechselbares Bild, das in Erinnerung bleibt“, heißt es in der Projektbeschreibung. „Field of Ideas“ soll der Pavillon heißen, täglich können 12000 Besucher durchgeschleust werden, eine Stunde sollen sie sich dort aufhalten, den Besuch einer Show namens „Be(e) active“ inklusive. „Bee“, weil die Besucher die Welt dort aus den Augen zweier Bienen sehen werden, die rasant über Deutschland und seine Felder und Streuobstwiesen hinwegfliegen. „Mit dem facettenreichen Angebot an Inspiration, Interaktion und Partizipation werden die Besucher des Deutschen Pavillons selbst Teil eines großen, lebendigen Deutschlandbildes“, versprechen die Architekten. Weltausstellungen haben ihre eigene Lyrik.

          Und sie haben immer besondere Aufmerksamkeit gefunden. Die Schau in Hannover im Jahr 2000 galt lange als Flop, bis sie endlich kurz vor Toresschluss doch noch gestürmt wurde. In Schanghai wirkten alle anderen Länder nur als Statisten für die große Show der Volksrepublik. Wie wird Mailand, wie wird der deutsche Pavillon angenommen werden? Altunay hat genug Erfahrung, um angesichts der gewaltigen Herausforderung gelassen zu bleiben. Aber er weiß, diese Chance bekommt er nicht ein zweites Mal: das Bild einer der größten Volkswirtschaften der Welt zu beeinflussen, wenigstens ein bisschen. Ein Traumjob eben.

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