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Schadstoffbelastung in Mainz : Müllwagenfahrer als Spritsparer

Zurückgebliebene Flotte: Busse der Mainzer Verkehrsgesellschaft. Bild: dpa

Der Entsorgungsbetrieb Mainz setzt beim Diesel auf Stickoxidfilter und geschultes Personal. Doch ohne Hilfe kann die Kommune den Fuhrpark nicht modernisieren.

          Aktuell ruht die von der Deutschen Umwelthilfe angekündigte Klage gegen die Stadt Mainz, die auf dem Rechtsweg womöglich bald schon gezwungen werden könnte, zum Schutz ihrer von Luftschadstoffen bedrohten Bürger notfalls auch Diesel-Fahrverbote auszusprechen. Klarheit über das weitere Vorgehen dürfte es im Laufe des nächsten Monats geben. Dann nämlich soll ein Musterprozess vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig abgeschlossen sein, und ein Grundsatzurteil soll gesprochen werden.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz und für den Kreis Groß-Gerau.

          Gleichwohl wird in Mainz schon jetzt mit Hochdruck daran gearbeitet, wirksame Schritte gegen die seit Jahren festzustellende Schadstoffbelastung in der Innenstadt einzuleiten. Schließlich werden an den beiden Messstationen „Parcusstraße“ und „Große Langgasse“ die europaweit zulässigen Stickoxid-Grenzwerte regelmäßig überschritten.

          Diesel-Busse machen großen Teil der Belastung aus

          Wofür laut einer Studie der Universität Heidelberg vor allem der Straßenverkehr verantwortlich ist. Dabei macht der Anteil der nahezu ausschließlich mit Diesel betriebenen Busse der Mainzer Verkehrsgesellschaft der Untersuchung zufolge rund 25 Prozent der Schadstoffbelastung aus; sonstige Nutzfahrzeuge wie Wagen der Straßenreinigung und Müllfahrzeuge, seien zu zirka 14 Prozent für die dicke Luft im Zentrum verantwortlich. In Kenntnis dieser Zahlen besuchte die Umwelt- und Verkehrsdezernentin Katrin Eder (Die Grünen) gestern den ihrer Ansicht nach „schon sehr lange sehr innovativen Entsorgungsbetrieb“, um sich über den aktuellen Zustand der rund 150 Fahrzeuge – darunter 50 Müllwagen – umfassenden Flotte zu informieren.

          Bis zu sechs Neuanschaffungen kommen nach Angaben des Werkleiters Hermann Winkel im Jahr für eine Gesamtsumme von jeweils bis zu zwei Millionen Euro hinzu. Momentan verfüge man über zehn meist kleinere Elektro- und Erdgasautos, die überwiegend für die Straßenreinigung und das Leeren von Abfallkörben verwendet werden. Immerhin 80 Prozent der Diesel-Fahrzeuge besäßen einen Stickoxidfilter, seien also mithin neuester Stand der Technik. Und nicht zuletzt sei es dem Entsorgungsbetrieb gelungen, mit Fahrerschulungen den Gesamttreibstoffverbrauch um zehn bis 15 Prozent auf jährlich rund 1,1 Millionen Liter zu verringern. Ein Müllwagen komme auf einen Verbrauch von 50 bis 80 Liter auf 100 Kilometer. Doch bei allen Bemühungen fehlt es laut Winkel oft an Hybrid- und Elektrofahrzeugen, die alltagstauglich seien und Serienreife hätten.

          Geld für Umrüstung fehlt

          Zumindest der mit 1,3 Milliarden Euro hochverschuldeten Stadt Mainz fehlt es laut Eder, im Gegensatz zu dem durch Gebühren finanzierten Eigenbetrieb, ohnehin an Geld, um alle alten Dienstfahrzeuge, etwa im Bau- und Umweltamt, rasch umzurüsten oder durch Neuwagen zu ersetzen. Ganz zu schweigen von der Busflotte, die aktuell aus 140 Diesel-Fahrzeugen besteht. Drei relativ teure Brennstoffzellenbusse sollen in einem gemeinsam mit Frankfurt und Wiesbaden initiierten Pilotprojekt von 2018 an nun allerdings im Einsatz erprobt werden.

          Ohne zusätzliche Millionen von Bund und Land wird Mainz die notwendige Flotten-Modernisierung laut Eder schwerlich schaffen. Wohl nicht ganz zufällig hatte sie bei ihrem Besuch auf dem Werksgelände an der Zwerchallee auch die Umweltministerin des Landes, ihre Parteifreundin Ulrike Höfken, dabei. Beide waren sich einig, dass es nach der Wahl am Sonntag und unabhängig davon, wie die Sache ausgehe, bei diesem Thema rasch „eine bundesweite Lösung für die Städte geben“ müsse.

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