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Deutsche Flugsicherung : Luftverkehr im freien Fall

Deutsche Flugsicherung ist alarmiert: Der Verkehr im deutschen Luftraum ist stark zurückgegangen (Symbolbild). Bild: dpa

Die Deutsche Flugsicherung präsentiert niederschmetternde Zahlen. Der Flugverkehr ist in Deutschland deutlich zurückgegangen im Zuge der Corona-Pandemie. Der Weg aus der Krise könnte Jahre dauern.

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          Die Coronavirus-Pandemie schlägt sich auch in dramatischer Weise auf die neuesten Verkehrszahlen der Deutschen Flugsicherung nieder. Am 1. April dieses Jahres zählte die Langener Flugsicherung gerade noch 1131 kontrollierte Flüge im deutschen Luftraum. Am Vergleichstag des Vorjahres waren es noch 8922 Flüge. Am Frankfurter Flughafen zählte man am 1. April gerade noch 210 Flugbewegungen, 2019 registrierte die Flugsicherung am gleichen Tag im Jahr davor auf Deutschlands größtem Flughafen noch knapp 1500 Starts und Landungen, wie Klaus Dieter Scheurle, Vorsitzender der Geschäftsführung am Donnerstag sagte.

          Jochen Remmert
          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Er bezeichnete die Corona-Pandemie auch für die DfS als größte Herausforderung in der Geschichte des Hauses. Im laufenden Jahr erwartet er einen Einbruch von 50 Prozent im Luftverkehr.

          Scheurle rechnet mit längerem Zeitraum bis zur vollständigen Erholung. Er geht davon aus, dass frühestens im Februar 2021 etwa 80 Prozent des Verkehrsaufkommens den Februars 2019 wieder zu sehen sein werden. Beispielsweise in der Finanzkrise wurde erst 2017 mit 3,2 Millionen kontrollierter Flüge der Stand vor Beginn der Finanzkrise im Jahr 2008 wieder erreicht und leicht überschritten.

          Um die alles in allem rund 5600 Mitarbeiter der Flugsicherung, darunter 2000 Lotsen, gesund und einsatzbereit zu halten, habe man alle Hygienemaßnahmen ergriffen, sagte Scheurle weiter. Ungeachtet dessen hat man derzeit unter den Beschäftigten sechs infizierte Frauen und Männer identifiziert.

          Kosten senken

          Um die Kosten angesichts des Corona-bedingten Einnahmeeinbruchs zu senken, hat die DfS und die Gewerkschaft der Flugsicherung bereits gemeinsam einen sogenannten Corona-Tarifvertrag abgeschlossen. Scheurle rechnet mit einem Einnahmerückgang von 500 Millionen Euro in diesem Jahr.

          Klar ist, dass die Flugsicherung Teil der systemrelevanten Infrastruktur ist und für einen sicheren und effizienten Luftverkehr in Deutschland zu sorgen hat. Fluglotsen müssen also in den Towern Start- und Landefreigaben erteilen und von den Kontrollzentralen aus Streckenflüge überwachen. Der Tarifvertrag soll deshalb vor allem ermöglichen, Personal sehr flexibel nach Bedarf einzusetzen. Dem Management ist es laut Tarifvertrag beispielsweise gestattet, in diesem Jahr bis zu 300 Stunden Minderarbeit für tarifierte Mitarbeiter anzuordnen. Diese Stunden können dann von 2021 an über die nächsten fünf Jahre zur Hälfte wieder nachgearbeitet werden. „Mit diesem Abschluss haben die Tarifparteien sowie unsere Betriebsräte bewiesen, dass wir in Zeiten der Krise gemeinsam schnell handeln. Nur so können wir die Auswirkungen dieser schwierigen Situation abmildern", sagte Scheurle bei Abschluss des Vertrages.

          Mit dem Instrument der Kurzarbeit wäre das nach Ansicht von Scheurle wegen der besonderen Aufgaben in der Flugsicherung nicht möglich gewesen. Der überwiegende Teil der Belegschaft in Administration und unterstützenden Funktionen arbeitet seit Mitte März im Homeoffice, um den Gesundheitsschutz sicherzustellen, wie es weiter bei der DfS hieß.

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